Frank Sinatra
Bildrechte: IMAGO

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Von seinem ersten Auftritt 1935 bis zum letzten Konzert sechzig Jahre später gehörte "Frankie Boy" Sinatra zu den erfolgreichsten Künstlern im internationalen Showbusiness.

von Ulrike Wolf

Frank Sinatra
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Sein unverwechselbares Charakteristikum war auch sein Beruf: Bariton stand in Frank Sinatras Pass. Mit betörend sanfter und warmer Stimme eroberte der Sohn italienischer Einwanderer die Hitparaden und die Herzen von Millionen Fans auf der ganzen Welt. Ihren Anfang nahm Sinatras außergewöhnliche Karriere im Jahr 1935, als er mit den "Hoboken Four" einen Radio-Talentwettbewerb gewann. Das Quartett benannte sich nach der Kleinstadt Hoboken in der Nähe von New York, wo Francis Albert, so Sinatras voller Name, 1915 das Licht der Welt erblickte.

Landesweite Radiopräsenz

Dieser erste Erfolg ermöglichte ihm Engagements als Sänger bei verschiedenen Big Bands, die zu jener Zeit den Musikmarkt dominierten. Aber Sinatra wollte mehr. Er träumte von einer Solo-Karriere, wie der seines Idols Bing Crosby, der zum Star wurde, ohne sich fest an eine Big Band zu binden. Dennoch, nur die Verpflichtungen als Leadsänger für die Orchester von Harry James und Tommy Dorsey, mit denen Sinatra erste Schallplatten aufnahm und im Jahr 1940 mit "I'll Never Smile Again" einen ersten Nummer-1-Hit landete, verschafften ihm landesweite Radiopräsenz - und 1943 einen festen Plattenvertrag bei Columbia Records.

Der erste "Popstar"

Bis 1952 nahm Sinatra dort Hunderte von Songs auf, die ihm zahlreiche Spitzenplätze in den Charts einbrachten und ihn in kürzester Zeit zum erfolgreichsten Sänger des Landes machten. Sinatras Aufstieg zum ersten "Popstar" der Musikgeschichte war nicht aufzuhalten- und die USA erlebten eine Form der Massenhysterie, wie sie Jahrzehnte später höchstens noch Elvis Presley oder die Beatles auslösen sollten. Und nicht nur auf der Bühne himmelten die Fans ihn an: auf Platten, in der Presse, im Radio oder im Kino - Sinatra war omnipräsent.

Eine überzeugende Leistung

Über sechzig Filme drehte Sinatra im Laufe seiner Karriere. Auch auf diesem Gebiet war er - wie sich schon bei seiner Musterung herausstellte - ein Naturtalent: Der Mann, der das Bad in der Menge liebte und begeistert war, wenn Tausende Fans bei seinen Auftritten hysterisch loskreischten, gab bei der Untersuchung an, Angst in Fahrstühlen und Menschenmengen zu haben. Ein überzeugende Leistung: die diagnostizierte "Psychoneurose" bewahrte Sinatra vor der Army.

Karriere am Ende?

Zu Beginn der 1950er Jahre allerdings sank Sinatras Stern: die Teenager, die ihm kurz zuvor noch begeistert zugejubelt hatten, wurden erwachsen. Der Publikumsgeschmack änderte sich - der Rock'n Roll begann seinen Siegeszug. Anfangs versuchte Sinatra, sich der neuen Mode mit seichten, anspruchslosen Liedern anzupassen. Weil die jedoch weder zu seinem Image noch zu seinen Fähigkeiten passten, verweigerte er schließlich weitere Aufnahmen. Ohne Plattenvertrag und geplagt von Stimmbandproblemen schien die Gesangskarriere des einst gefeierten Showstars am Ende.

Amerika verzieh

1954 geschah, womit kaum jemand gerechnet hatte: Frank Sinatra feierte ein Aufsehen erregendes Comeback. Zu verdanken hatte er es Angelo Maggio - seiner Rolle im Film "Verdammt in alle Ewigkeit", für die er den Oscar erhielt. Vergessen waren Zeitungsberichte über Affären, Scheidungen, Alkoholexzesse und Prügeleien. Amerika verzieh seinem "Frankie Boy" - selbst Gerüchte über Sinatras Verbindungen zur Mafia taten der neuen Popularität keinen Abbruch. Eher im Gegenteil trugen sie bei zur Legendenbildung um Sinatra - was dem "größten Star des Zwanzigsten Jahrhunderts" schon zu Lebzeiten eine mythische Aura verlieh.

Banale Wahrheit

So soll er für "Verdammt in alle Ewigkeit" erst engagiert worden sein, nachdem die Mafia den Regisseur Fred Zinnemann massiv bedrohte. Wie banal klingt dagegen die Wahrheit: Die erste Wahl für die Rolle sagte aus Termingründen ab, und Sinatra verlangte die niedrigste Gage - achttausend US-Dollar. Nur kurze Zeit später gehörte er mit einer Abendgage von über 200.000 US-Dollar wieder zu den Topverdienern im Showbusiness. Ein neuer Plattenvertrag beflügelte Sinatras Gesangkarriere und brachte in der Folgezeit bahnbrechende Alben hervor.

Bis zum Schluss ausverkauft

In seinen "Golden Years" präsentierte sich Sinatra einmal mehr als Entertainer par excellence, der sein Publikum - ob auf den Konzertbühnen von Las Vegas, in zahlreichen Filmen oder im Fernsehen - zu begeistern wusste. Noch mit achtzig Jahren stand "The Voice" - diesen Namen gaben ihm Fans bereits 1941- auf der Bühne und verführte das Publikum mit seiner sanften Stimme, der außergewöhnlichen Präsenz und dem Glamour seiner Legende. Seine Konzerte waren stets ausverkauft - auch wenn Kritiker bemängeln, dass Sinatra den richtigen Zeitpunkt, in Würde abzutreten, verpasst habe. Bis zu seinem Tod am 14. Mai 1998 blieb Frankie Boy der amerikanische Superstar.

Frank Sinatra und das berühmte "Rat Pack" Nicht nur als Solist feierte Frank Sinatra große Erfolge. Legendär waren seine Auftritte mit dem so genannten "Rat Pack" in Las Vegas. Gemeinsam mit seinen Freunden Sammy Davis Jr., Dean Martin, Joey Bishop und Peter Lawford stand der Entertainer im Hotel "The Sands" ab Mitte der 1950er Jahre auf der Bühne.

Die Auftritte waren eine Mischung aus Klamauk und Gesang. Jedes Mitglied bestritt zunächst einen Solo-Teil des Programms, bevor alle gemeinsam auftraten. Ursprünglich war das "Rat Pack" eine Clique um den Filmstar Humphrey Bogart und dessen Frau Lauren Bacall (die auch den Namen geprägt haben soll). Zur Gruppe gehörten unter anderem Schauspieler wie David Niven und Judy Garland - deren Tochter Liza Minelli ersetzte übrigens 1988 bei einem Rat Pack-Revival den erschöpften Dean Martin.

Wichtigste Grundvoraussetzung, um Mitglied zu werden, war eine gewisse Trinkfestigkeit. Sinatra, der damit nachweislich keine Probleme hatte - charakteristisch für seinen Entertainerauftritt waren der elegante Smoking, das Whiskyglas in der rechten und das Mikrofon in der linken Hand - stieß 1954 dazu und wurde 1957, nach Bogarts Tod, der Anführer des "Rat Pack". Für die Boulevardpresse waren die Eskapaden der "Rattenbande" ein gefundenes Fressen - doch das Publikum liebte die Entertainer mit dem großen Durst.

Zuletzt aktualisiert: 13. Oktober 2010, 14:30 Uhr