Magdeburger Dom
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LexiTV Die ständige Wiedergeburt – ein historischer Stadtrundgang durch Magdeburg

Die Stadt Magdeburg hat eine bewegte Geschichte. Einst war sie politisches und gesellschaftliches Machtzentrum, Mittelpunkt der Reformation und Mitglied im mächtigen Städtebund der Hanse. Doch kaum eine andere Stadt Europas musste gleichzeitig so viele Qualen erleiden wie Magdeburg, das in Kriegszeiten mehrmals nahezu ausradiert wurde. Wie sich die Stadt an der Elbe fortwährend neu erfindet, ist auch heute noch sichtbar.

von Daniel Schlechter

Magdeburger Dom
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Jeder Magdeburger weiß, dass eine Erkundung der Stadt im Herzen der Altstadt und damit am Hasselbachlpatz beginnen muss. Hier sind die Kontraste Magdeburgs, die unterschiedlichen Gesichter der Stadt, ihre Geschichte und ihre aktuelle Entwicklung besonders gut zu entdecken.

Beim Rundgang um den großen Kreisverkehr, der im Minutentakt von glockenläuteten Straßenbahnen gekreuzt wird, fallen zunächst die Hülle und Fülle der Kneipen, Restaurants und Bars auf. Wer sich in Magdeburg trifft, der trifft sich „am Hassel“. Die Szenerie ist geprägt von pittoresken Altbauten, die aufwendig zu ihrer alten Pracht renoviert wurden und solchen, die noch darauf warten.

Eine der großen Lebensadern, die direkt vom Hasselbachplatz abgehen, ist der Breite Weg, der vor seiner völligen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg als eine der schönsten Barockstraßen Europas galt. Damit steht er trauriger Weise symbolisch für ganz Magdeburg, dass wie kaum eine andere europäische Stadt die zerstörerische Wirkung von Kriegen immer wieder zu spüren bekam. Do wo die alte Pracht den Feuern und Bomben zum Opfer fiel, ist mit den Jahren immer wieder eine neue entstanden.

Magdeburg, ein Phönix aus der Asche

Wie die alte Pracht einst ausgesehen hat, ist nur zwei Parallelstraßen vom Breiten Weg in Richtung Elbe sichtbar: Die Hegelstraße wurde einst nach dem Vorbild Pariser Prachtstraßen geplant und hat als eine der wenigen die vielen Angriffe auf die Stadt so weit überstanden, dass sie ihren alten Charme noch heute versprüht.

Ein glänzendes Kopfsteinpflaster, eingerahmt von Baumreihen und altehrwürdigen Bauten, führt an der Staatskanzlei vorbei direkt zum Magdeburger Dom. Er ist der älteste gotische Dom auf deutschem Boden und zählt bis heute zu den größten deutschen Kirchen. Erbaut wurde er über 300 Jahre, von 1209 bis 1520, an der Stelle seines Vorgängerdoms, der ein paar Jahre zuvor bei einem Brand zerstört wurde.

Ihm gegenüber, auf der anderen Seite des Domplatz’, befindet sich der Landtag, der vor nicht allzu langer Zeit einen bunten Nachbarn bekommen hat: Direkt neben ihm liegt die „Grüne Zitadelle“, das letzte Haus, das von Friedensreich Hundertwasser entworfen wurde. Im jüngsten Hundertwasserhaus der Welt befinden sich Wohnung, Geschäfte, Cafés, ein Theater und ein Kindergarten. Seinen Namen verdankt die eigentlich in leuchtendem Rosa strahlende „Grüne Zitadelle“ ihren dichten Dachgärten.

Ein grünes Paradies

Tatsächlich ist Magdeburg stets unter den grünsten Städten Deutschlands vertreten. Eine der idyllischen Lungen der Stadt ist der Rotehornpark, vom Hasselbachplatz nur einen Katzensprung über die Elbe entfernt. Der Park ist groß genug für weitläufige Spaziergänge und Radtouren, beherbergt das neue MDR-Landesfunkhaus und bietet trotzdem noch genügend Naturflächen, um selbst Rotwild zu beheimaten.

Doch es geht noch größer und grüner: Nordwestlich der Altstadt liegt der Herrenkrug-Park, der 1999 für die Ausgestaltung der Bundesgartenschau aufbereitet wurde und bis heute riesige Grünflächen, Sportplätze, Kletterwände und Kulturlandschaften bietet. Hier befindet sich auch der Campus der Hochschule Magdeburg-Stendal, der in einer bundesweiten Umfrage von Studenten zum zweitschönsten Campus Deutschlands gewählt wurde.

Zusammen mit der Universität Magdeburg kommt die Stadt auf fast 20.000 Studenten. Studiengänge wie Maschinenbau und Medizin gelten in Magdeburg als sehr renommiert und ziehen Studenten aus der ganzen Welt an. Gerade der Maschinenbau hat in Magdeburg eine lange Tradition, die auch verhängnisvolle Seiten hatte. Als Schwermetallzentrum waren die Magdeburger Industrieanlagen von großer strategischer Bedeutung im Zweiten Weltkrieg, was sie zum Ziel alliierter Bombenangriffe machte: Ab 1943 wurde die Stadt intensiv von alliierten Bomberverbänden angegriffen. Ein Luftangriff durch die Royal Air Force am 16. Januar 1945 zerstörte etwa 90 Prozent der Altstadt, mitsamt 15 Kirchen.

Auch die Gründerzeit-Viertel erlitten erhebliche Schäden. Der altstadtnahe Stadtteil „Nordfront“ und der Breite Weg  wurden fast völlig zerstört. So hat Magdeburg bis heute weniger klassische Sehenswürdigkeiten als Städte vergleichbarer Größe.  

Schließlich musste sich die Stadt schon einmal vollständig neu aufbauen: Im Dreißigjährigen Krieg, am 30. Mai 1631, wurde Magdeburg durch kaiserliche Truppen unter dem Feldherrn Tilly der Katholischen Liga eingenommen und fast vollständig abgebrannt. Mit zwanzig- bis dreißigtausend Toten gilt dieses Ereignis als das größte Einzelmassaker des Dreißigjährigen Krieges.

Bis auf wenige tausend Menschen wurde die gesamte Bevölkerung ausgelöscht, was den Begriff des „magdeburgisieren“ prägte, wenn von völliger Auslöschung die Rede ist. Zerstörungen dieser Art und der gewöhnungsbedürftige Wiederaufbau im Stil des sowjetischen Realismus zu DDR-Zeiten machten Magdeburg zu einer zerstückelten Stadt.

Eine Stadt im Wandel

Allerdings macht gerade dieser Umstand die Stadt für viele Magdeburger besonders spannend, denn Magdeburg kann sich noch entwickeln, wo andere Städte längst fertig sind. So stieß man bei Bauarbeiten in Domnähe auf alte Fundamente und fand Überreste der mittelalterlichen Magdeburger Altstadt, die in den Folgejahren vollständig ausgegraben und wieder hergerichtet wurden.

Auf derselben Elbseite entstehen seit Jahren neue urbane Wohnviertel, deren Loftwohnungen sich großer Beliebtheit erfreuen. Auch die Ulrichskirche, die mitten in der Altstadt stand und auf Anweisung Walter Ulbrichts gesprengt wurde, soll nach dem Willen einer Bürgerinitiative wieder aufgebaut werden. So wollen die Magdeburger ihr historisches Stadtbild nach und nach wieder herrichten und gleichzeitig Raum für neue Entwicklungen schaffen: Südlich der Altstadt, im alten Arbeiter- und Industrieviertel Magdeburg-Buckau werden alte Industrieanlagen rundum saniert und zu Wohnhäusern umgebaut. Gleichzeitig eröffnen immer wieder neue Cafés und Galerien, sodass Buckau von manchen Magdeburgern schon als ihr Kreuzberg bezeichnet wird.

Hier und in weiteren Gebieten um die Altstadt herum entstehen nach und nach neue kreative Projekte zur Verschönerung des Stadtbilds oder werden restauriert, so z.B. die Otto-Richter-Straße in Sudenburg: Eine Straße voller kunterbunter Fassaden inmitten einer noch grauen Umgebung. Sie ist das letzte Überbleibsel einer Initiative des Architekten Bruno Taut, der Magdeburg in den 1920er Jahren zurück in eine bunte Stadt verwandeln sollte. Auf seine Initiative hin gestalteten bekannte Künstler wie Carl Krayl ganze Häuser und Straßen, wovon heute, nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg, nur noch die Otto-Richter-Straße übrig ist.

Magdeburg, die Otto-Stadt

Natürlich ist Magdeburg noch mit einem ganz anderen Otto verbunden. Otto von Guericke ist wohl der bekannteste Sohn der Stadt, nach dem unter anderem Magdeburgs Universität benannt ist.

Wenige Jahre nach der fast vollständigen Zerstörung Magdeburgs im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt dem sächsischen Prinzen August von Weißenfels zugesprochen, mit dem Westfälischen Frieden von 1648 dann dem Kurfürstentum Brandenburg.

In jener Zeit, von 1646-1678, war Otto von Guericke Bürgermeister von Magdeburg, der zuvor selbst zu den Unterhändlern hinter dem Westfälischen Frieden gehörte. Viel größere Bekanntheit erlangte er allerdings mit seinem berühmten Halbkugel-Versuch: Zwei Halbkugeln aus Kupfer legte er aneinander, sodass sie eine Kugel bildeten und saugte alle verbliebene Luft dazwischen mit einer Kolbenpumpe ab. Das so entstandene Vakuum war so stark, dass mehrere Pferde die beiden Kugeln nicht auseinanderreißen konnten. Mit diesem Experiment von 1656 bewies Otto von Guericke die Existenz des Luftdrucks und damit auch die der Erdatmosphäre.

An ihren berühmten Sohn und seinen bahnbrechenden Versuch erinnert die Stadt Magdeburg mit vielen bunten Halbkugel-Denkmälern, die über die gesamte Innenstadt verteilt sind. Mit solchen Projekten, die an die Geschichte der Stadt erinnern, sowie einem allmählichen Aufbau der alten Stadtviertel und mit einem besonders für Studenten attraktiven Angebot hat sich Magdeburg auf eine Reise begeben, die aufbauend auf seiner Geschichte eine starke Identität im Hier und Jetzt aufbauen soll.

Gustav II. Adolf & Magdeburg Die Rettung des Protestantismus

- Gustav II. Adolf wurde 1594 in Stockholm geboren und war von 1611 bis zu seinem Tode 1632 König von Schweden.
Er gilt als einer der wichtigsten Persönlichkeiten der schwedischen Geschichte und des Dreißigjährigen Krieges.

- Seine Reformen modernisierten Schweden und bescherten dem Land eine Hegemonialstellung, die bis zum 18. Jahrhundert währte.

- Sein Eingreifen in den Dreißigjährigen Krieg verhinderte einen Sieg der Habsburger und sicherte damit das Fortbestehen des Protestantismus in Deutschland.

- Um die kaiserlichen Truppen im Dreißigjährigen Krieg zu sich zu locken, eroberte er Frankfurt an der Oder. Die Kaiser-Truppen marschierten allerdings auf das mit Schweden sympathisierende Magdeburg zu und machten die Stadt fast vollständig dem Erdboden gleich.

- Sein Versprechen Magdeburg zu schützen, hatte er damit zwar nicht einhalten können aber die brutale Zerstörung der Stadt führte zu Einigkeit unter den deutschen protestantischen Fürsten. Es entstand eine Allianz zwischen Schweden, dem Kurfürstentum Sachsen und der Landgrafschaft Hessen-Kassel.

- Diese neue Allianz konnte die kaiserlichen Truppen in den Folgejahren immer wieder vernichtend schlagen und eine Absicherung des Protestantismus im Westfälischen Frieden ermöglichen.

- Seinen Tod fand Gustav II. Adolf ebenfalls im Kampf gegen die kaiserlichen Truppen in der Schlacht bei Lützen im November 1932. Der Tod des Königs führte zu einem Aufbäumen der verbliebenen Truppen, die letztlich auch diese Schlacht gegen den Kaiser für gewinnen konnten.

Zuletzt aktualisiert: 06. Oktober 2015, 15:56 Uhr