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LexiTV : Das Allroundtalent

Der Duft einer frischen Zitrone ist einfach unschlagbar. Doch Zitronen versprühen nicht nur angenehme Frische: sie stecken voller weiterer Talente: als Reinigungsmittel, Duftspender, Vitamin-C-Lieferant, Gewürz oder als Körperpflegemittel.

von Susanne Fetter

Zitronen mit Wassertropfen - Nahaufnahme

"Aus dem feuchten, kalten Norden mit seinen düsteren Tannenwäldern zogen Makedonen hinein in das Sonnenland Asien. Hier lernten sie den Wunderbaum mit den goldenen Äpfeln, den dunkelgrün glänzenden Blättern und den lilienartig duftenden, weißen Blüten kennen. Mit seinem immergrünen Laub und den das ganze Jahr hindurch leuchtenden Früchten erschien er ihnen wie ein Sinnbild des ewigen Frühlings."

Diese erste Begegnung westeuropäischer Männer mit einer Zitrone beschrieb Hugo Bretzel 1903 in seinen „Botanischen Forschungen des Alexanderzuges“ (334 bis 324 v. Chr.). Gesehen hatten die Makedonen die Zitronat-Zitrone, eine saftarme, aber sehr aromatische Zitronenart. Die erste Zitrone der Art Citrus limon L., die Sauerzitrone, wie sie heute allseits bekannt ist, wurde vermutlich im 10. Jahrhundert von Arabern nach Europa gebracht.

Gewürz, Reinigungsmittel, Duftspender

Zitronenbaum mit 3 Zitronen.
Ursprüngliches Zuhause der Zitrone ist die südöstliche Region des Himalaja.

Heute ist die Zitrone aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Wir essen Kaugummis mit Zitronengeschmack, nehmen sie als Reinigungsmittel, Duftspender, Vitamin-C-Lieferant, runden unser Essen ab mit ihrem Saft, setzen sie in der Körperpflege ein oder als leckere Cocktail-Zugabe. Seit Alexander und seine Mannen ihrer ansichtig wurden, hat sie in der Welt enorme Verbreitung gefunden und wird heute im Welthandel der tropischen Früchte nur von der Banane übertroffen.

Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Zitronenfrucht waren bereits ihren Entdeckern bekannt. Allerdings hingen die noch der Überzeugung an, bei der Zitrone handle es sich um die Variation einer ihnen bekannten Obstsorte, und nannten sie Persischen oder Medischen Apfel. Letztere Bezeichnung deutet auf die Fundstelle hin: das altorientalische Königreich Medien. Ursprüngliches Zuhause der Zitrone ist jedoch die südöstliche Region des Himalaja.

Auch gibt er frischen Atem...

Der Gelehrte Theophrastos, ein Schüler des Aristoteles, beschäftigte sich eingehend mit dem "Apfel" - der eigentlich eine Beere ist - und veröffentlichte seine Erkenntnisse 310 v. Chr.: "Der Apfel ist nicht essbar, aber sehr wohlriechend, so auch das Blatt dieses Baumes. Wenn der Apfel zwischen die Kleider gelegt wird, werden diese von den Motten nicht gefressen. Auch gibt er frischen Atem."

Ihrem wohlriechenden Aroma und ihrer Fähigkeit, Ungeziefer zu vertreiben, verdankt letztlich die gesamte Gattung den Namen: Citrus, abgeleitet vom Lateinischen Kedrus. So wurden ursprünglich stark duftende Hölzer bezeichnet. Über fernöstliche Handelswege auf römische Märkte gelangt, galten Zitrusfrüchte dort als Luxusgüter. Schon damals versuchte man, die tropische Frucht auch in Europa anzubauen.

Zitronen im Winterquartier

Im 17. Jahrhundert, der Blütezeit des Barock, blühte die Gartenkunst auf. In den weitläufigen Schloss- und Parkanlagen europäischer Herrscherhäuser waren Orangerien ein Muss. Sie dienten den empfindlichen Pflanzen, die das ganze Jahr über Blüte tragen, als Winterquartier.

Die Verwendung der Früchte war vielfältig, zum Teil kurios: So benutzten etwa orientalische Frauen eine Mischung aus Zitronensaft und Zucker zur Enthaarung. Die Zitrone galt zudem als sehr gutes Bleichmittel für Zähne, Haare und Stoffe. Und Casanova schrieb über die Verwendung einer halben ausgehöhlten Zitrone, die als Pessar der Verhütung dienen sollte.

Rätselhafter Skorbut

Sogar zum Lebensretter wurde die Zitrone: Seit dem 15. Jahrhundert kolonialisierten europäische Seefahrernationen ferne Kontinente. Die Überfahrten dauerten oft Monate. Mangelnde Hygiene und schlechte Ernährung - meist Pökelfleisch und Zwieback - führten auf den Schiffen zu hohen Verlusten unter der Besatzung.

Häufigste Todesursache war die rätselhafte Krankheit Skorbut, ausgelöst durch einen Mangel an Vitamin C. Muskel- und Herzschwäche, Zahnfleischbluten sowie Zahnausfall und eine Neigung zu Infektionskrankheiten kennzeichneten die tödliche Erkrankung. Vasco da Gama büßte auf der Suche nach der Indienpassage 1497 bis 1499 etwa einhundert von einhundertsechzig Mann seiner Besatzung durch Skorbut ein.

Auf britischen Schiffen

Eine Zitronenhälfte im Anschnitt vor grünem Hintergrund.
Die Zitrone gilt als heilend und gesund.

1535 entdeckte Jacques Cartier, dass das Auftreten dieser Krankheit durch die Verabreichung von Frischgemüse und Früchten verhindert werden kann. Obwohl andere Seefahrer diese Ansicht teilten, dauerte es zwei Jahrhunderte, bis der schottische Arzt James Lind 1747 der englischen Admiralität empfahl, den Matrosen auf hoher See Orangen- oder Zitronensaft zu verabreichen. James Cook gelang es schließlich, mit Hilfe von Sauerkraut und Zitronensaft, seine Schiffe von Skorbut frei zu halten. 1776 wurde er dafür von der englischen Krone ausgezeichnet und Zitronen wurden von nun an auf allen englischen Schiffen mitgeführt, was britischen Matrosen den Spitznamen Limey einbrachte.

Auch heute noch spielt die Zitrone eine wichtige Rolle im Haushalt, sie gilt als heilend und gesund. Entzündungshemmend, fiebersenkend, antibakteriell und antiviral ist sie nachweislich durch den hohen Vitamin-C-Gehalt. Beträufelt man Schnittwunden mit ihrem Saft, stillt sie das Blut und tötet die Keime. Ihre desinfizierende, kalk- und fettlösende Wirkung macht sie zur Grundlage vieler Reinigungsmittel. Straffend und pflegend soll sie in Kosmetikprodukten wirken - ein echter Allrounder eben.

Nur nicht reinbeißen!

Doch Vorsicht, wie fast alle wohltuenden Dinge, kann auch die Zitrone im Übermaß schädlich sein, etwa Zähne und Mundschleimhaut attackieren. Und: In die Zitrone beißen, das ist zur Metapher für böse Unbill geworden. Da hilft es, den Rat des amerikanischen Psychologen Dale Carnegie zu befolgen: "Reicht Dir das Schicksal eine Zitrone - so jammere nicht, sondern gib Wasser und Zucker dazu - mach Limonade daraus!"

Zuletzt aktualisiert: 21. Januar 2011, 14:08 Uhr

Strom aus Zitronen

Strom kommt nicht immer nur aus der Steckdose - auch Zitronen können ihn erzeugen.

Hierfür benötigt man zwei verschiedene Metalle, zum Beispiel eine Kupfermünze und einen Eisennagel. Die befestigt man in der Zitrone und verbindet sie jeweils mit einem Draht. Beim Zusammenführen der Drähte entsteht Strom.
Zur Prüfung kann man ein Messgerät oder eine Glühlampe dazwischen schalten.

Physikalische Ursache: Wenn zwei unterschiedliche Metalle in die Lösung eines Elektrolyten (hier: Zitronensäure) gebracht werden, löst sich das "unedlere" Metall auf. Seine Atome gehen als positive Ionen in die Lösung. Der Draht wird von den zurückbleibenden Elektronen negativ geladen. Dem "edleren" Metall entzieht die Lösung Elektronen und es wird positiv.

Werden die Drähte außerhalb der Zitrone verbunden, gleichen sich die Ladungen aus - es fließt Strom.

Geheime Botschaften

Zitronensaft funktioniert als Zaubertinte, mit der man unsichtbare Nachrichten weitergeben kann. Bringt man mit einem Pinsel oder leeren Tintenfüller den Saft auf weißes Papier, lässt sich die Schrift nach dem Trocknen nicht mehr erkennen.

Um die Nachricht wieder sichtbar zu machen, muss das Blatt erhitzt werden: Zitronensaft enthält Kohlenstoff; der löst sich in der Hitze aus seiner Verbindung und färbt sich durch die Verbrennung braun. Schon die berühmten Drei Musketiere sollen mit diesem Trick geheime Botschaften durch ganz Frankreich transportiert haben.

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