Hafer-, Soja und Reisdrink
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LexiTV Wunderbohne oder leere Hülse?

Was ist dran am Soja - Hype?

Soja liegt voll im Trend. Vegetarier und Veganer haben die Bohne schon lange für sich entdeckt und mit ihrer wachsenden Zahl ist auch die Nachfrage nach Sojaprodukten enorm angestiegen. Immer mehr Menschen ersetzen so Fleisch, Milch und Käse auf ihrem Speiseplan. Kritiker mahnen jedoch, dass Soja gar nicht so gesund sei. Was ist also dran an der trendigen Bohne?

von Daniel Schlechter

Hafer-, Soja und Reisdrink
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Die Sojabohne findet reißenden Absatz. Im Erntejahr 2013/2014 erreichte die weltweite landwirtschaftliche Produktion die Rekordmarke von 286 Millionen Tonnen – einer Steigerung von fast 20 Millionen Tonnen im Vergleich zum Vorjahr. Der Grund dafür sind sowohl die Fleischgenießer als auch die Fleischverzichter unter uns. Denn Soja ist nicht nur ein beliebtes Futtermittel, sondern immer häufiger auch ein Ersatz für tierische Produkte auf menschlichen Speiseplänen. Das wirft allerdings auch viele Fragen auf.

Ein vollwertiger Fleischersatz?

Eines der beliebtesten Sojaprodukte in Deutschland ist Tofu. Das Nahrungsmittel aus Sojabohnenteig lässt sich wie ein Steak braten – doch ist es ebenso vollwertig wie Fleisch? Die Antwort ist ein klares Jein. Fest steht, dass Sojaeiweiß nicht so hochwertig ist wie tierisches Eiweiß, der menschliche Körper kann es also nicht so umfassend aufnehmen und verwerten.

Allerdings lässt sich dieses vermeintliche Defizit leicht ausgleichen, denn zusammen mit dem Verzehr von Getreideprodukten ist Sojaeiweis fast genauso hochwertig wie sein tierisches Pendant, denn im Getreide sind genau die Proteine enthalten, die Soja fehlen. Was damit jedoch nicht wettgemacht werden kann, ist einerseits das Fehlen des wichtigen Vitamins B12 und der Umstand, dass das in Soja enthaltene Eisen vom menschlichen Körper weniger gut verwertet werden kann als das im Fleisch enthaltene Eisen. Dafür liefert Soja viele Ballaststoffe und ist zudem frei von Cholesterin, was Fleisch wiederum nicht bieten kann.

Zwischen zwei Essstäbchen steckt ein Stück Tofu
Tofu - Sojaprodukt und beliebter Fleischersatz. Bildrechte: colourbox

Provoziert Soja Allergien?

Viele der Bedenken rund um Soja drehen sich darum, dass die Bohne viele Allergene enthalten würde. Ob Soja wirklich Allergien auslösen kann, hängt jedoch davon ab, ob man eine entsprechende Veranlagung hat. Mediziner und Ernährungsexperten geben hier weitestgehend Entwarnung – Schätzungen zufolge verfügen nur drei bis fünf Prozent der Deutschen über eine solche Veranlagung.

Häufig betroffen sind Menschen, die zu sogenannten Kreuzallergien neigen, was vor allem auf Birkenpollen-Allergiker zutrifft. Fast drei Viertel von ihnen entwickeln zusätzlich eine Allergie gegen bestimmte Nahrungsmittel und sollten sich deshalb darauf testen lassen, ob sie auch für Soja sensibilisiert sind. Ist man sich nicht sicher, dann ist besondere Vorsicht gegenüber Soja-Drinks geboten, da man hier eine relativ hohe Menge Allergene zu sich nimmt.

Demenz und Impotenz?

Besonders schauerlich klingt der Verdacht, dass der Verzehr von großen Mengen Soja zu Demenz oder bei Männern sogar zu Impotenz führen könne. Einzelne Berichte aus Asien, wonach der Verzehr von großen Mengen Tofu bei einzelnen Menschen zu einer Abnahme der Gedächtnisleistung geführt hätte, konnten bis heute nicht wissenschaftlich bestätigt werden. Dasselbe gilt für den Verdacht, dass Männer von Soja impotent werden könnten.

Sojasprossen
Auch Sojaprossen erfreuen sich nicht nur bei Vegetariern und Veganern zunehmender Beliebtheit. Bildrechte: colourbox.com

Auch hier stützen sich die Soja-Gegner auf einzelne Berichte aus Asien, die jegliches wissenschaftliches Fundament entbehren. Im Verdacht der Kritiker stehen die in Soja enthaltenen Isoflavone, wobei es sich um hormonell wirksame Pflanzenfarbstoffe handelt. Stoffe dieser Art sind jedoch natürlicherweise in unzähligen Lebensmitteln enthalten – eine negative Wirkung auf Potenz oder Fruchtbarkeit dieser Stoffe konnte bis jetzt für kein Lebensmittel nachgewiesen werden.

Soja als Babynahrung?

Hier raten Mediziner schon eher zu Vorsicht. Soja und vor allem Tofu zur Ernährung von Babys ist zwar grundsätzlich bedenkenlos, da die enthaltenen Mengen an pflanzlichen Hormonen auch für Kleinkinder unproblematisch seien. Allerdings sollte darauf geachtet werden, dass Babys im Verhältnis zu ihrem geringen Körpergewicht nicht zu viel Soja zu sich nehmen. Besonders Babys, die nicht oder nicht voll gestillt werden, sollten besser Säuglingsnahrung auf der Basis von Kuhmilch bekommen.

Zum einen ist die biologische Wertigkeit von Kuhmilch leicht höher als die von Sojamilch, was bedeutet, dass die enthaltenen Proteine besser in körpereigene Proteine umgewandelt werden können. Zum anderen enthält Kuhmilch weniger Allergene. Es gilt also für Babys wie für Erwachsene: Wie bei allen Lebensmitteln, entscheidet letztendlich die Ausgewogenheit der Ernährung.

Zuletzt aktualisiert: 07. März 2017, 15:07 Uhr