Technik

LexiTV : Eine schwierige Frage

Luigi Galvani und Alessandro Volta entdeckten im 18. Jahrhundert die Elektrizität. Mittlerweile ist elektrischer Strom im Alltag selbstverständlich. Dennoch wissen viele nicht, wie sie ihn genau erklären sollen.

von Daniel Najock

Blick einen Hochspannungsmasten hinauf

Elektrizität ist heute so selbstverständlich wie Wasser: Beides kommt aus der Wand. In einem Fernsehquiz wäre die Frage, was Strom eigentlich sei, vom Schwierigkeitsgrad her wohl nicht viel wert. Die richtige Antwort wäre:"Die Bewegung von Elektronen entlang eines Leiters in eine bestimmte Richtung." 300 Euro wären damit vielleicht gerade mal drin.

Positiv und Negativ

Schwieriger wird es, wenn der Quizmaster nachhakt: Wie genau funktioniert das Ganze denn? Wer sich nicht gerade zum Abitur quält, oder als Lehrer seine Schüler mit diesem Thema malträtiert, der dürfte an dieser Stelle ratlos in die Runde schauen. Warum etwas derart Alltägliches erklären?

Um das Phänomen zu verstehen, müssen wir tatsächlich raus aus dem Alltag und hinein in den Mikrokosmos des Atoms: Dessen Kern besteht aus Neutronen und positiv geladenen Protonen. Ums Zentrum herum schwirren negativ geladene Elektronen - die Hülle. Die Anzahl von Protonen und Elektronen ist im Normalfall gleich. Entfernt man Elektronen, ist das Atom positiv geladen, da Überschuss an Protonen besteht - man nennt es dann Ion. Sowohl Ion als auch Elektron wollen aber unbedingt in den neutralen, also ausgeglichenen Zustand zurück.

Geheimnisvolle Kräfte

Folgendes kleine Experiment verdeutlicht ihr Streben: Reibt man einen Luftballon an einem Stück Stoff, bleiben andere Materialien an ihm haften. Was passiert da? Das Reiben reißt aus der Oberfläche des Ballons Elektronen heraus - er hat nun ein Defizit. Hält man ihn zum Beispiel über Konfetti, wird das Papier vom Ballon angezogen: Die Ionen des Ballons wollen mit aller Macht an die Elektronen der Konfetti-Atome. Es wechseln nun so lange Elektronen vom Papier zum Ballon, bis der Mangel auf beiden Seiten gleich groß ist. Nur während dieses Ausgleichs haften die beiden Stoffe aneinander.

Frei sein

Wir bezeichnen das als "statische Elektrizität". Elektron ist übrigens das griechische Wort für Bernstein. Am Bernstein haben Beobachter den Vorgang erstmals wahrgenommen. Ballon und Papier sind aus nichtleitendem Material. Ihr Merkmal: Die Atome sitzen so dicht beieinander, dass sich kaum ein Elektron frei bewegen kann und allenfalls mal ein paar an der Oberfläche verloren gehen. Anders verhält es sich mit leitendem Material: Hier hat die Natur Atome derart weit auseinander platziert, dass Elektronen von einem Atom zum nächsten "fliegen" können. Entfernt man in solchen Leitern an irgendeiner Stelle Elektronen, gleicht sich ihre Häufigkeit innerhalb des Stoffes schnell aus. Genau diese Bewegung ist ein elektrischer Strom.

Entfernen und zugeben

Um sie am Leben zu erhalten, müssen an einer Stelle ständig Elektronen entfernt, an einer anderen Stelle Elektronen zugegeben werden. Verkörpert ist das Prinzip in der Batterie: Durch eine chemische Reaktion entstehen ein Pluspol mit einem Mangel an Elektronen und ein Minuspol mit einem gleich großen Überschuss an Elektronen. Während sich unterschiedliche Ladungen anziehen, stoßen sich gleiche Ladungen ab.

Glühender Draht

So verdrängen am Minuspol eingespeiste Elektronen die dort schon vorhandenen, die also Richtung Pluspol gestoßen werden und auf ihrem Weg weitere Elektronen vorwärts treiben. Das Spiel kann deshalb andauern, da am Pluspol immer für Mangel an Elektronen gesorgt ist - bis die chemische Reaktion in der Batterie versiegt. Bei so viel Bewegung entsteht bekanntlich Wärme. Spürbar wird die zum Beispiel, wenn man in den Kreislauf einen Widerstand setzt, der den Fluss behindert. Ein feiner Draht wäre so ein Hindernis - an seiner Position im Leiter staut sich der Elektronenfluss, muss aber trotzdem irgendwie durch. Die entstehende Reibung setzt zusätzliche Energie frei, der Draht beginnt zu glühen.

Ewiges Hin und Her

Der eben beschriebene Strom heißt Gleichstrom, da er gleichmäßig in nur eine Richtung fließt. Man kann ihn sich so vorstellen, dass ein am Minuspol eingespeistes Elektron im Laufe der Zeit bis hin zum Pluspol wandert. Batteriebetriebene Geräte laufen immer auf diese Art. Wechselstrom hingegen funktioniert anders. Hier tauschen Pluspol und Minuspol in Sekundenbruchteilen ihre Funktion. Die Elektronen bewegen sich nur ein Stück in die eine, dann wieder ein Stück in die andere Richtung und durchlaufen nicht den ganzen Stromkreis. Strom aus der Steckdose ist im Allgemeinen Wechselstrom, schon weil sich mit dieser Art der Übertragung größere Entfernungen überwinden lassen.

Keine Angst vorm Quizmaster

Eigentlich ist es ganz simpel, das mit der Elektrizität. Kein Grund also, sich bei Quizshows zu blamieren. Kompliziert wird es erst, wenn elektromagnetische Felder mit ins Spiel kommen oder Induktionen erklärt werden müssen. Was passiert, wenn der Strom ausfällt, ist eine weitere Frage. Aber die hat der Quizmaster ja nicht gestellt.

Zuletzt aktualisiert: 02. Februar 2011, 15:55 Uhr

Die Pioniere

Zwei Italiener gelten als Pioniere auf dem Gebiet der Elektrizität: Luigi Galvani (1737 bis 1798) und Alessandro Volta (1745 bis 1827). Galvani war Professor für Anatomie und ist der Entdecker des Stromkreises. Bei Versuchen mit Froschschenkeln fiel ihm auf, dass die Gliedmaßen zu zucken begannen, sobald sie in einer bestimmten Konstellation mit Metall in Berührung kamen.

Galvani vermutete als Ursache einen "tierischen Strom", doch diese These wurde nur wenig später vom Physiker Volta widerlegt: Mit einigen weiterführenden Experimenten entdeckte er die vorhandene Spannung zwischen den Metallteilen. Galvani hatte eine simple Batterie erfunden, die Froschschenkel waren nur der Indikator eines Stromflusses und nicht dessen Quelle. Eine Erkenntnis, die Volta die erste künstlich hergestellte Batterie erfinden ließ - die so genannte "Volta'sche Säule".

Beiden Forschern kam eine besonders große Ehre zuteil: Nach Galvani wurde die Gesamtheit der elektromagnetischen Erscheinungen benannt - der "Galvanismus". Volta stand Pate für die Einheit der Spannung: das "Volt".

Vorsicht, Gefahr!

Grundsätzlich kann jeder Strom gefährlich sein. Entscheidend ist weniger die Spannung, sondern vor allem die Stromstärke. Jeder kennt die Situation, wenn er sich beim Gehen über einen Kunststoffteppich aufgeladen hat und bei einer Berührung mit Metall einen Schlag bekommt. In solch einer Situation treten Spannungen auf, die um ein Deutliches höher sind, als die einer Steckdose - nur ist die Stromstärke um ein Vielfaches geringer.

Bei niedrigen Stromstärken unter 1 Milliampere (mA) spürt man nur ein kleines Kribbeln oder bekommt einen Schlag. Ab 10 Milliampere kommt es zu Schmerzempfinden und Muskelkontraktionen. Tödlich können bereits 40 Milliampere sein. Stromstärken ab 1 Ampere (A) blockieren das Nervensystem. Ein Beispiel: In den Vereinigten Staaten zum Tode Verurteilte bekommen Stromstöße von etwa 8 Ampere bei 2000 Volt.

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