farbige Korallen und ein blauer Seestern am Meeresgrund
Bildrechte: colourbox.com

LexiTV Bedrohte Schönheit

Korallenriffe bieten einen einzigartigen Lebensraum für fast vierhundert Korallenarten und tausende Arten von Fischen, Pflanzen und andere im Wasser lebende Organismen. Aber wie lange noch? Die Zerstörung der Korallenriffe schreitet immer weiter voran.

farbige Korallen und ein blauer Seestern am Meeresgrund
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Laut World Wild Fund For Nature (WWF) sind weltweit bereits ein Viertel aller Korallenriffe zerstört und bis zu siebzig Prozent befinden sich in einem kritischen Zustand. Einige Riffkulturen sind wohl nicht mehr zu retten.
Speziell der Klimawandel bedroht den Lebensraum der Korallen. Die Riffe reagieren extrem empfindlich auf Temperaturschwankungen. Die optimale Umgebungstemperatur für Korallen liegt zwischen 26 und 27 Grad Celsius; nur bei diesen Temperaturen können sie wachsen. Aber die immer dünner werdende Ozonschicht lässt einen hohen Anteil an UV-Strahlen hindurch, die vor allem Korallen im flachen Wasser angreifen. Der so genannte Treibhauseffekt sorgt für steigende Temperaturen und einen kontinuierlichen Anstieg des Meeresspiegels.

Vom Licht entfernt

Eine Folge ist, dass Korallenkolonien und ihre lichtabhängigen Bewohner immer mehr vom Licht an der Wasseroberfläche entfernt werden. Damit haben sie es zunehmend schwerer, ihre Stoffwechselprozesse aufrecht zu erhalten. Übersteigt die Wassertemperatur rund um das Riff den kritischen Wert von 32 Grad Celsius, setzt die so genannte Korallenbleiche ein - die Korallenstöcke verlieren ihre leuchtenden roten, gelben, violetten, grünen oder blauen Farben.

Erschreckend hohe Absterberate

Sie wachsen langsamer und sterben bei anhaltender Dauerbelastung sogar. Treten derartige Extrembedingungen nicht allzu oft auf, können sich Korallen, sofern sie nicht bereits beschädigt sind, wieder erholen. Doch nicht überall ist das möglich. Die Absterberate von Korallenriffen zum Beispiel rund um die Malediven liegt bei erschreckenden neunzig Prozent.

Biochemisches Ungleichgewicht

Zu schaffen macht den Korallen noch eine andere Folge des Treibhauseffekts: je mehr Kohlendioxid im Wasser gelöst wird, umso mehr sinkt dessen pH-Wert und es übersäuert. Die Koralle baut durch das biochemische Ungleichgewicht mehr Kalk ab, als sie reproduzieren kann. Sie wächst immer langsamer und verschwindet irgendwann.

Schäden durch Abwässer

Die Einleitung von Abwässern trägt ebenfalls zum besorgniserregenden Zustand vieler Korallenriffe bei. So haben die Riffe von Eilat im Roten Meer durch die von Abwassereinleitung ausgelösten, überhöhten Nährstoffgehalte fast zwei Drittel ihrer Fläche verloren. Der hohe Nährstoffgehalt begünstigt das Wachstum bestimmter Makroalgen. Deren chemische Stoffwechselprodukte greifen die Korallen an und führen zum langsamen Zerfall. Des Weiteren lädt der höhere Nährstoffgehalt Muscheln und Würmer dazu ein, sich in den Riffen einzunisten. Dabei werden aus dem festen Korallenmaterial lose Brocken herausgelöst.

Sturmflut beschleunigt Prozess

Trifft eine tosende Sturmflut auf das schadhafte Riff, wird der Zerfallsprozess extrem beschleunigt. Erst nach der Sturmflut lässt sich das Ausmaß der Schäden erkennen. Nur gesunde, fest verankerte Riffe können wie eine wellenbrechende Mauer den Inselgruppen Schutz bieten. Sind die Korallenriffe aber beschädigt, erfüllen sie diese Funktion nur noch unzureichend.

Unsichtbare Zerstörung

Eine weitere Bedrohung sind weltweit verbreitete, umweltschädigende Fischfangmethoden. Bei der Schleppnetzfischerei beispielsweise werden die weit aufgespannten, künstlich beschwerten Netze rücksichtslos über den Grund des Meeres und damit auch über die Korallenriffe gezogen. Und das zwar verbotene, aber besonders im pazifischen Raum bis heute weit verbreitete Dynamitfischen ist nicht nur für die Fische, sondern auch für die ökologisch empfindlichen Korallenriffe tödlich. Bei dieser Fangmethode - hier werden vom Boot aus Sprengsätze im Wasser versenkt und in entsprechender Tiefe gezündet - kommen maximal vierzig Prozent der getöteten Fische an die Wasseroberfläche, wo sie dann abgefischt werden. Die unwiederbringlich zerstörten Riffe bleiben unsichtbar.

Zu viele Füße auf dem Riff

Auch der teilweise extrem rücksichtslose Tauchtourismus, ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in vielen Urlaubsregionen, beeinflusst das empfindliche Ökosystem der Korallenriffe: Treten zu viele Füße auf einem Riff herum, bilden sich die zerbrechlichen Korallenarten zurück. Manchmal reißen Taucher auch ganze Korallenstöcke ab und nehmen sie als Souvenir mit. Außerdem zerstören im Riff befestigte Anker der Touristenboote die Korallenbänke.

Unter Naturschutz

Nur durch konsequente Umweltschutzpolitik und strenge Schutzmaßnahmen, so Experten, könne der Erhalt der Korallenriffe gesichert werden. Ein Anfang ist bereits gemacht: Die australische Regierung hat im Jahr 2005 mehr als ein Drittel der Fläche des Great Barrier Reef unter Naturschutz gestellt. Künstlich angelegte Riffbälle sollen Korallenaufbau und Regeneration geschädigter Riffe unterstützen. In den labyrinthartigen Gerüsten finden Pflanzen und Fische bald wieder neuen Lebensraum. Korallenfarmen züchten zudem schnellwüchsige Korallenarten für den Neuaufbau von Riffen.

Umdenken gefordert

Auch die Schaffung alternativer Attraktionen und durchdachte Konzepte für einen sanften, umweltverträglichen Tourismus sind ein Weg, die faszinierende Unterwasserwelt der Korallenriffe für künftige Generationen zu erhalten. In jedem Falle muss es ein Umdenken geben - bei den Menschen, die vom Reichtum der Riffe leben, und bei denen, die sie besuchen und bestaunen.

Susan Kümmel

Schmuck aus Korallen Seit Jahrtausenden verwendet der Mensch Korallen als Schmucksteine; schon Sumerer, Assyrer und Phönizier fertigten Ketten und anderes Geschmeide aus diesem wertvollen Material.

Korallen sollen vor bösen Mächten schützen, Energie und Lebenskraft sammeln. Hersteller von Schmuck bezeichnen sie häufig als organische Edelsteine.

Da blaue und schwarze Korallen unter Naturschutz stehen, ist ihre Verarbeitung verboten. Anders bei Korallenarten in Rosa- und Rottönen; diese Arten kommen noch recht häufig vor.

Sehr begehrt für die Schmuckverarbeitung ist, wegen der unverwechselbaren Farbe, die rote Edelkoralle. Etwas preisgünstiger sind Wurzel- und Schaumkorallen; sie dienen oft als Ersatz. Während die Wurzelkoralle eine eigenständige Korallenart ist und auch Korallensträucher bildet, ist die Schaumkoralle lediglich ein Bestandteil der japanischen Momo-Koralle.

Als Schmucksteine werden Korallen zu runden beziehungsweise ovalen Formen oder Skulpturen verarbeitet. Die von Natur aus matte Oberfläche wird meist auf Hochglanz poliert. Schmuck aus Korallen gibt es in Form von Broschen, Armbändern, Halsketten, Colliers oder Ohrringen. Neben der Verarbeitungsqualität bestimmt auch die Gleichmäßigkeit von Farbe und Form den Wert des Korallenschmucks.

Das Great Barrier Reef Auf Grund gelaufen, Riff entdeckt: Während seiner ersten Südseereise (1768 bis 1771) machte der britische Seefahrer James Cook unglückliche Bekanntschaft mit dem Great Barrier Reef.

Heute zählt das größte Korallenriff der Erde zu den sieben Weltwundern der Natur; die UNESCO erklärte das Naturphänomen 1981 zum Weltnaturerbe. Vor der Nordostküste Australiens gelegen, erstreckt sich das Great Barrier Reef über eine Länge von rund 2.300 Kilometer. Mit einer Fläche von etwa 347.800 Quadratkilometer ist es mit bloßem Auge vom Weltall aus zu sehen.

Beim Great Barrier Reef handelt es sich jedoch nicht um ein geschlossenes Riffsystem: es besteht aus einer Kette von mehr als 2.900 Einzelriffen, rund tausend Inseln und unzähligen Sandbänken. Mit seinen 359 Hartkorallenarten bildet das Riff die größte von Lebewesen geschaffene Struktur der Erde.

Eine Vielzahl weiterer Arten findet dort Lebensraum: so etwa achtzig Arten von Weichkorallen, je 1.500 Fisch- und Schwammarten, 5.000 Arten von Weichtieren, 800 Arten von Stachelhäutern (zum Beispiel Seesternen) sowie 215 Vogelarten.

Außerdem sind hier allein sechs von sieben weltweit vorkommenden Arten von Meeresschildkröten beheimatet. Auch Schnecken und Muscheln bieten die Korallenstöcke ideale Bedingungen. Und sonst nahe der Antarktis lebende Buckelwale bevorzugen die warmen Gewässer rund ums Riff zum Gebären ihrer Jungen.

Acht Millionen Menschen besuchen jedes Jahr des Great Barrier Reef. Vor allem auf Taucher und Schnorchler übt das Riff mit seiner vielfältigen Flora und Fauna ungebrochene Faszination aus.

Zuletzt aktualisiert: 20. Juli 2015, 11:33 Uhr