Tierwelt

LexiTV : Dem Falter auf der Spur

Schmetterlinge - über 180.000 sind wissenschaftlich beschrieben und pro Jahr kommen rund 700 Neuentdeckungen hinzu. Auf allen Kontinenten außer der Antarktis leben Falter. Sogar in eisigen Höhen sind sie anzutreffen: Der Matterhornbär lebt auf bis zu 3.200 Metern über dem Meeresspiegel und im Himalaya findet man Arten der Gattung Parnassius auf über 5.000 Metern.

von Urte Paul

Schmetterling
Schmetterlinge reagieren äußerst sensibel auf Veränderungen im Mikroklima und der Pflanzenwelt.

Das Erfolgsgeheimnis der Schmetterlinge ist, dass sich die Tiere einem breiten Spektrum von Umweltbedingungen anpassen können. Das hat es ihnen ermöglicht, fast alle Lebensräume zu besiedeln und fast alle ökologischen Nischen zu besetzen. Im Kleinen kehrt sich dieses Prinzip allerdings um: Der einzelne Schmetterling ist wenig anpassungsfähig, sondern stellt vielfältige, artspezifische Ansprüche an seine Umgebung, an Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Und er ist angewiesen auf bestimmte Nahrungspflanzen. Während etliche Schmetterlinge wenig wählerisch sind, was Futter angeht, sind manche auf ein einziges Gewächs spezialisiert. Der Raupe des Großen Feuerfalters etwa schmeckt lediglich Ampfer, die des Zebrafalters nimmt nur Blätter von Passionsblumen zu sich.

Biologische Seismographen

Derart spezialisierte Schmetterlingsarten sind eng an ihren Lebensraum und an die darin vorkommende Flora gebunden. Auch reagieren Falter sensibel auf Veränderungen im Mikroklima und in der Pflanzenwelt. Darum eignen sie sich als Bioindikatoren, gewissermaßen als Seismographen der Biologen: Umweltforscher untersuchen, welche und wie viele Schmetterlinge in einem Ökosystem vorkommen und wie sich deren Zahl ändert, um Rückschlüsse auf das Funktionieren des betreffenden Biotops zu ziehen. Meist gilt: je mehr Falter es gibt, desto besser geht es dem Ökosystem. Das Fehlen von Arten in einem Lebensraum, in dem es ausreichend Nahrungspflanzen gibt, weist hingegen auf Defekte hin, zum Beispiel auf Schadstoffe.

Verschollen oder ausgestorben

Schon jetzt können Wissenschaftler das Voranschreiten des Klimawandels an Schmetterlingen ablesen. Veränderte Flugzeiten der Falter und ihr Vordringen in Gebiete, in denen es ihnen vorher zu kalt war, sind Indizien für die Erderwärmung. Und noch etwas zeigen Schmetterlinge an: dass sie gefährdet sind! In Deutschland steht die Hälfte aller Arten auf der Roten Liste, zwei Prozent sind bereits ausgestorben oder verschollen. Hauptursache für den Rückgang der Schmetterlinge ist, dass ihre Lebensräume verschwinden: Wiesen verwildern, Feuchtgebiete werden trocken gelegt und offene Flächen aufgeforstet. Arten, die auf solch spezielle Landschaften angewiesen sind, verschwinden - meist auf Nimmerwiedersehen.

Verlässliche Zahlen benötigt

Um verlässliche Zahlen über das Vorkommen von Schmetterlingen in Deutschland zu erheben, gibt es seit 2005 das Tagfalter-Monitoring, eine Initiative des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ). Das Monitoring läuft folgendermaßen ab: jeder Teilnehmer geht einmal wöchentlich von April bis September eine festgelegte Strecke ab und trägt die beobachteten Schmetterlinge in einen Erfassungsbogen ein. Das UFZ sammelt die Ergebnisse und wertet sie aus. Die Daten sollen Aussagen ermöglichen über die Bestandsentwicklung gefährdeter Arten, über die Erfolge von Schutzmaßnahmen und darüber, wie sich Veränderungen in der Landschaft auf Lebensgemeinschaften auswirken.

Einsteiger willkommen

Informationen zum Tagfalter-Monitoring gibt es auf der Website des UFZ. Mitmachen kann jeder, der Interesse an Schmetterlingen und Zeit zum Beobachten hat - egal ob Falter-Experte oder Hobbyschmetterlingsforscher. Fachwissen ist nicht erforderlich. Alles, was Freiwillige benötigen, sind ein gutes Bestimmungsbuch, ein Kescher und eine Becherlupe. Und sie sollten immun sein gegen verständnislose Blicke, die kescherschwingenden Leuten folgen.

Zuletzt aktualisiert: 18. Dezember 2009, 13:04 Uhr

Schmetterling

Vom ostmitteldeutschen Wort "Schmetten", für Rahm oder Schmant, ist das Wort Schmetterling abgeleitet - denn einige Arten naschen gerne von Milchprodukten. Die wissenschaftliche Bezeichnung lautet Lepidoptera, zu Deutsch: Schuppenflügler.

Schmetterlinge gibt es vermutlich seit 185 Millionen Jahren und sie sind fast auf der ganzen Welt verbreitet. Das Leben eines Schmetterlings durchläuft vier Phasen: aus einem Ei schlüpft nach etwa zwei bis drei Wochen eine Raupe, die sich im Erwachsenenalter verpuppt. In der Puppe entwickelt sie sich zum Falter.

Viele Raupenarten gelten als Schädlinge, denn sie verzehren große Mengen von Nahrung. Im Unterschied dazu machen sich Falter als Blütenbestäuber nützlich.

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