MDR aktuell | 01.02.2012 : Thema: Rettung aus der Konserve?
Schon Neugeborene können Leben retten. Wie? Mit dem Blut aus ihrer Nabelschnur. Vor allem für Patienten mit Leukämie sind die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut oft die größte Hoffnung und die letzte Rettung. Denn für jeden fünften Leukämie-Patienten kann kein passender Spender gefunden werden.
Stammzellen aus Nabelschnurblut besonders begehrt
Die im Nabelschnurblut enthaltenen Stammzellen sind in ihren Funktionen noch relativ unreif und daher besonders gut für die Transplantation geeignet. Bei ihnen ist die Gefahr einer Abstoßungsreaktion geringer als bei Stammzellen, die später gewonnen werden. Ein weiterer Vorteil der Stammzellen aus Nabelschnurblut ist, dass sie nach ihrer Einlagerung innerhalb weniger Tage weltweit für einen Empfänger zur Verfügung gestellt werden können. Zudem ist das Risiko, mit einer Transplantation Krankheitserreger zu übertragen, bei den Stammzellen Neugeborener sehr gering.
Allerdings ist die Möglichkeit, das Nabelschnurblut zu spenden, nur wenigen Eltern bekannt. Bei mehr als 95 Prozent aller Geburten in Deutschland wird es im Anschluss ungenutzt weggeworfen.
Wohin kann man Nabelschnurblut spenden?
Die Zentrale für die Aufbereitung und Aufbewahrung von Nabelschnurblut ist in Dresden zu finden. Die Nabelschnurblutbank wurde 1997 gegründet. Sie gehört seit 2008 der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei). Hier werden die Spenden aus ganz Deutschland auf ihre Qualität hin überprüft und schließlich bei minus 180 Grad in flüssigem Stickstoff gelagert. Die Daten der Präparate sind im Zentralen Knochenmarkspenderregister Deutschland (ZKRD) gespeichert, wo sie weltweit abgerufen werden können.
Die DKMS wurde vor über 20 Jahren mit der Aufgabe gegründet, Stammzellenspender für Leukämiepatienten zu finden. Bislang konnten 26.000 Leukämiepatienten auf der ganzen Welt von dieser Stammzellenquelle profitieren. Doch reichen die Stammzellen einer "Portion" Nabelschnurblut (45 bis 190 Milliliter) nicht aus, um die Leukämie-Erkrankung bei einem Erwachsenen zu behandeln. Hier muss dann ein zweiter Spender hinzugezogen werden.
Konservieren fürs eigene Kind?
Inzwischen überlegen auch viele Eltern, ob sie die Stammzellen aus dem Nabelspurblut für die eigenen Kinder aufheben - eine solche Einlagerung kostet aber viel Geld. Auch ist bislang nicht erforscht, wie lange die Stammzellen in der konservierten Form funktionstüchtig bleiben. Und sollte das eigene Kind selbst an Blutkrebs erkranken, nützen die eigenen Stammzellen nicht. Denn sie enthalten meist von Geburt an die bösartigen Zellen, die den Krebs auslösen.
Stammzellen
Als Stammzellen werden allgemein Körperzellen bezeichnet, die sich in verschiedene Zelltypen oder Gewebe ausdifferenzieren können. Je nach Art der Stammzelle und ihrer Beeinflussung haben sie das Potential, sich in jegliches Gewebe (embryonale Stammzellen) oder in bestimmte festgelegte Gewebetypen (erwachsene Stammzellen) zu entwickeln.
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