Sibirische Kaltluft : Minus 24 Grad im Erzgebirge
Warm anziehen ist angesagt: In Ostdeutschland sanken die Temperaturen in der Nacht zu Donnerstag stellenweise bereits unter die Marke von minus 20 Grad. Auch tagsüber bleibt es mit zweistelligen Minuswerten frostig - und die kältesten Nächte des Jahres kommen erst noch. Doch verglichen mit Osteuropa ist es in Deutschland noch mild - dort gibt es bereits 120 Kältetote. Besonders dramatisch ist die Lage in der Ukraine.
In den kommenden Tagen wird es noch frostiger. Schuld daran ist ein neues Kältehoch. Auch tagsüber werden bis zu minus 15 Grad erwartet. In den Nächten rechnen die Metereologen dann mit neuen Kälterekorden. Die Temperaturen sollen wieder deutlich unter minus 20 Grad fallen. Besonders in den frühen Morgenstunden wird der Frost zu spüren sein. Weht dann noch Wind, fühlen sich die tatsächlichen Temperaturen noch einmal deutlich kälter an.
Die Nacht zum Donnerstag war die bislang kälteste in diesem Winter gewesen. In Mitteldeutschland wurde mehrfach die Marke von minus 20 Grad geknackt. Den Tiefstwert meldete das MDR-Wetterstudio aus Deutschneudorf im Erzgebirge mit minus 24,4 Grad. Auch in Marienberg sank das Thermometer auf knapp 21 Grad unter Null. Neuhaus am Rennweg registrierte minus 19,4 Grad, ähnliche Werte wurden in Mehringen bei Aschersleben gemessen.
Obdachloser in Magdeburg erfroren
Der strenge Frost hat in Magdeburg einen Mann das Leben gekostet. Wie die Polizei mitteilte, wurde der 55 Jahre alte Obdachlose am Donnerstag leblos aufgefunden. Offenbar sei er erfroren. Vor allem in größeren Städten stehen für Menschen ohne eigene Wohnung Notunterkünfte bereit. Ein Ansturm auf die Herbergen blieb zunächst aus. Nach einer Umfrage von MDR 1 RADIO THÜRINGEN gab es trotz der Kälte der vergangenen Nächte kaum zusätzliche Gäste. In Sachsen-Anhalt sind die Obdachlosenhäuser nach eigenen Angaben gut vorbereitet. In Magdeburg stehen 108 Übernachtungsplätze zur Verfügung, die Bettenzahl kann kurzfristig aufgestockt werden. Auch Dresden und Leipzig haben zusätzliche Unterkünfte bereitgestellt.
ADAC meldet doppelt so viele Pannen - Ostsee friert zu
In Deutschland sorgte die Kälte für einen Ansturm auf die Pannenhilfe beim ADAC, denn die Kälte legte viele Autobatterien lahm. Mit bundesweit rund 20.000 Hilferufen sei die Nachfrage derzeit doppelt so groß wie sonst, hieß es vom Automobilclub. Deshalb gebe es auch lange Wartezeiten. In Dresden entgleisten am Morgen zwei Straßenbahnen, weil vermutlich die Weichen nicht funktionierten. Fahrgäste wurden nicht verletzt. Am Dresdner Flughafen mussten bei minus 16 Grad mehrere Maschinen vor dem Start enteist werden.
Der Frost setzt auch der Schifffahrt zu. Probleme wegen Eisgangs gibt es auf Elbe, Saale und Mittellandkanal. Auf dem Mittellandkanal sind Eisbrecher im Einsatz. Auch der Schiffsverkehr auf der Ostsee ist betroffen. Im Hafen von Stralsund gibt es Beschränkungen. Die flachen Boddengewässer wurden teils für den Schiffsverkehr gesperrt. Zwischen den Inseln Rügen und Hiddensee friert die Ostsee zu, dort ist das Eis bereits fünf Zentimeter dick. Die Reederei Hiddensee stellte den Fährverkehr auf Eisfahrplan um. Damit wird von den drei Häfen nur noch Vitte angesteuert.
Schon 120 Kälteopfer in Osteuropa - Notstand in der Ukraine
In Ost- und Südosteuropa nimmt die Kältewelle dramatische Ausmaße an: Bis Donnerstag starben mehr als 130 Menschen. Besonders schwierig ist die Lage in der Ukraine, wo inzwischen mehr als 60 Kältetote registriert wurden. Die meisten waren Obdachlose. Mehr als 1.000 Menschen mussten wegen Erfrierungen und Unterkühlung behandelt werden. Die Behörden richteten in Großzelten 2.000 Notunterkünfte ein. Der Großteil der Schulen im Land wurde geschlossen. Mittlerweile hat sich sogar auf dem Schwarzen Meer eine Eisschicht gebildet. Auch in Polen stieg die Zahl der Kältetoten auf 29, die meisten lebten auf der Straße. In Rumänien erhöhte sich die Zahl der Opfer um acht auf inzwischen 22, in Serbien auf mindestens sechs.
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