Ausstellungen | MDR FIGARO : Der Kunstkalender im September
Dresden wartet im September gleich mit zwei großen Ausstellungen auf: Die Kunsthalle im Lispisusbau widmet dem Kunstkritiker Will Grohmann eine Schau mit Bildern der Moderne und das Hygienemuseum zeigt "Das ganze Leben: Der Mensch in Malerei und Fotografie". Jena folgt den Spuren des russischen Malers Alexej von Jawlensky. Weimar präsentiert zum Kunstfest eine einmalige Sammlung zur "Arte Povera" und Chemnitz gestaltet eine Ausstellung mit Picassos visuellen Tagebüchern. MDR FIGARO-Kunstredakteurin Ulrike Thielmann stellt hier die wichtigsten Ausstellungen im September vor.
Im Netzwerk der Moderne
Kirchner, Braque, Kandinsky, Klee ... Richter, Bacon, Altenbourg und ihr Kritiker Will Grohmann
Kunsthalle im Lipsiusbau, Dresden
Vom 27. September bis 6. Januar 2013
Ein Nestor der deutschen Kunstkritik wurde vor 125 Jahren in Bautzen geboren: Will Grohmann, der es jedoch 1947 aus Gesinnungsgründen vorzog, in den Westteil Berlins überzusiedeln. Will Grohmann wohnte in seiner Jugend in Dresden und hier begegnete er zum ersten Mal der Kunst. Im Rückblick seiner Erinnerungen scheint es, als habe Dresden in der bildenden Kunst nach dem Ersten Weltkrieg gar die gleiche Stellung eingenommen wie jene, die Berlin damals als Theaterstadt zukam.
Will Grohmann wurde ein bedeutender deutscher Kunstkritiker. An seinen Texten, Monografien und Werkverzeichnissen etwa zu Paul Klee, Wassily Kandinsky und Ernst Ludwig Kirchner kommt man auch heute nicht vorbei. Will Grohmann machte die abstrakte Kunst in Deutschland, aber auch in Frankreich, salonfähig.
Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden widmen nun Will Grohmann eine Sonderschau, in der rund 220 Werke von Künstlern gezeigt werden, für die er sich einsetzte, darunter die Künstler im Ausstellungstitel - ein "Who is who" von Brücke über Bauhaus bis Informel ist in der Schau garantiert.
Pablo Picasso - Suite Vollard
Kunstsammlungen Chemnitz
Vom 16. September bis 18. November 2012
Nachdem die Kunstsammlungen Chemnitz 2002 die weltweit erste Schau zu der Rolle der Frauen in Picassos Leben gestalteten, präsentiert man 2012 erneut Picasso: Dieses Mal die "Suite Vollard", jene 100 grafischen Blätter, die der junge Picasso auf Betreiben des bedeutenden Pariser Kunsthändlers Ambroise Vollard fertigte. Picasso bezeichnete die Folge als sein "visuelles Tagebuch". Darin enthalten sind unter anderem Bilder seines Studios, seiner damaligen Muse Marie-Therese Walter sowie Szenen aus der griechischen Mythologie. Komplette Folgen der "Suite Vollard" sind heute nur noch wenige erhalten. Sie wurden schon gefälscht und bei Auktionen erzielten sie Millionenbeträge. Die Kunstsammlungen Chemnitz haben nun das Glück, ein vollständiges Exemplar von Picassos Grafikfolge aus Privatbesitz als Leihgabe angeboten bekommen zu haben.
"Ich arbeite für mich, nur für mich und meinen Gott." - Alexej von Jawlensky
Kunstsammlung Jena
Vom 2. September bis 25. November
Alexej von Jawlensky gehört zu den großen russischen Malern der klassischen Moderne. Entscheidend prägte er die Kunst des 20. Jahrhunderts. Dank bedeutender Leihgaben aus Privatsammlungen kann ein umfassender Überblick über das Gesamtwerk des großen Einzelgängers geboten werden. Ein Hauptwerk Jawlenskys, das Gemälde "Sizilianerin mit grünem Shawl", galt über Jahrzehnte als verschollen und wird nun erstmals nach der Beschlagnahmung durch die Nationalsozialisten während der Aktion "Entartete Kunst" öffentlich gezeigt. Jawlenskys Landschaftsvariationen, seine mystischen Köpfe und auch seine, oft mit Ikonen verglichenen Heilandsgesichter werden in der Ausstellung zu sehen sein, wie die Schau auch Jawlenskys Verbindungen zum früheren Jenaer Kunstverein beleuchtet.
C'est la vie – das ganze Leben: Der Mensch in Malerei und Fotografie
Hygienemuseum Dresden
Vom 22. September bis 7. April 2013
Das Wallraf-Richartz-Museum und die Sammlung Teutloff zu Gast in Dresden
Die menschliche Existenz in ihrer bildnerischen Darstellung beschäftigt das Hygienemuseum in Dresden in seiner neuen Ausstellung. Alte Meister werden mit moderner Fotografie konfrontiert. Rund 50 selten gezeigte Gemälde aus dem Wallraf-Richartz-Museum (europäische Malerei vom Spätmittelalter bis zum 19. Jahrhundert) werden rund 80 Werken aus der thematisch wie qualitativ beeindruckenden Kollektion von Lutz Teutloff (Foto- und Videokunst des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts) gegenübergestellt. Der direkte Vergleich zwischen Malerei und Fotografie zeigt, wie die alten Bild-, Kompositions- und Pathosformeln bis in die aktuelle Gegenwart fortdauern. Gleichzeitig fallen aber auch die Traditionsbrüche ins Auge, etwa auf den Gebieten Tod und Sexualität.
Arte Povera
Neues Museum Weimar
Bis 21. September 2012
Es ist Kunstfest in Weimar und die weltweit einmalige Sammlung des Kunstmuseums Liechtenstein zur Arte Povera zu Gast. Die Arte Povera, die sogenannte arme Kunst, ist die wichtigste und einflussreichste Strömung der italienischen Nachkriegskunst. Im Kern geht es um Kunst mit einfachen Mitteln, nicht um Armut oder Ärmlichkeit. Banales wurde von Künstlern wie Jannis Kounellis und Mario Merz zum Kunstwerk gemacht. Typisch für die Arte Povera sind Raum-Installationen aus Alltags-Materialien wie Steine, Holz und Bindfaden. Die Künstler verwendeten besonders gern kunstfremde Materialien. 46 Exponate der Arte Povera sind im Neuen Museum Weimar ausgestellt, Werke von allen wichtigen Künstlern dieser Kunstströmung können besichtigt werden.
