Kunst & Architektur

Ausstellungen | MDR FIGARO : Der Kunstkalender im Dezember

Die Kunstsammlungen Chemnitz präsentieren Malerei von Rosa Loy und Neo Rauch im Vergleich. Halle erinnert an den "deutschen Rousseau" Albert Ebert. "Lapidarer Realismus" von Lothar Zitzmann ist in Jena zu sehen und die Neue Sächsische Galerie Chemnitz stellt Werke von Hubertus Giebe aus. MDR FIGARO-Kunstredakteurin Ulrike Thielmann stellt hier die wichtigsten Ausstellungen im Dezember vor.

Neo Rauch. Abwägung

Rosa Loy. Gravitation

Kunstsammlungen Chemnitz
Jeweils vom 16. Dezember 2012 bis 10. Februar 2013

Das verheiratete Leipziger Künstlerpaar Neo Rauch und Rosa Loy präsentiert sein Werk gemeinsam der Öffentlichkeit. Das hat es 2011 bei Wien schon einmal gegeben.

Nun ziehen die Kunstsammlungen Chemnitz nach und laden ein - zum Vergleich der scheinbar ähnlichen Bildwelten, denen man die langjährige Ehe ihrer Urheber durchaus ansieht, die sich dann aber auch wieder sehr unterscheiden.

Im Unterschied zur Ausstellung in der Sammlung Essl bei Wien werden die beiden Künstler in einer jeweils eigenen Ausstellung präsentiert. Rosa Loy und Neo Rauch zählen zu den bedeutenden Vertretern der "Neuen Leipziger Schule".

Ingrid Mössinger, Generaldirektorin der Kunstsammlungen Chemnitz plant, das in Chemnitz auch ausgestellte Bild von Neo Rauch, "Die Abwägung", für die Kunstsammlungen Chemnitz zu erwerben. Ob die Finanzierung des geschätzt über 300.000 Euro teuren Bildes gelingt, werden die Besucher zu Ausstellungsbeginn erfahren.

Seite an Seite - Mein Mann Albert Ebert

Privatsammlung Else Ebert
Kunstforum der Sparkasse Halle
Bis 6. Januar 2013

Der Hallenser Albert Ebert malte die Feste, wie sie fielen: Hochzeit, Beerdigung und Karneval. Seine Bilder waren Teil seines Alltags als Heizer. Von Albert Ebert sagt man inzwischen, er sei ein "Naiver" oder der "deutsche Rouseau". Ebert hat mit diesem Vergleich nie viel anzufangen gewusst. Der Broterwerb stand bei ihm an erster Stelle und hatte wenig mit kunsthistorischem Schubladendenken zu tun, gegen das sich seine Witwe Else Ebert heute noch wehrt. Nun hat sie die Werke aus ihrer privaten Sammlung ins Kunstforum der Sparkasse in Halle gegeben.

Gezeigt werden viele frühe Arbeiten, aus dem Jahr 1948 etwa, bis hin zu den späten Festszenen, mythologischen Begegnungen und Akten. Auch persönliche Gegenstände sind unter den Ausstellungstücken - ein von Albert Ebert einst für seine Frau gefertigtes Schmuckkästchen beispielsweise oder auch ein Gästebuch aus den 1960er-Jahren. Mit einem ganzen Kosmos bekommt man es in den Bildern Alberts Ebert zu tun: Skurrile Blaskapellen verrichten ihr geheimnisvolles Werk  ebenso wie all die Faschingsclowns und halb nackten Mädchen hinter Tüllgardinen. Allesamt sind sie den Tagträumen entsprungen, die den Maler besonders im Zweiten Weltkrieg heimgesucht hatten: an der Ostfront. Als er nach 1945 mit kaputten Knochen heimkehrte, fing er an, Miniaturbilder zu malen, mit denen er den Menschen vor allem Freude bringen wollte. Das haben sie nicht immer verstanden, dafür ist heute die Resonanz auf eine Albert-Ebert-Ausstellung umso größer.


Lothar Zitzmann (1924–1977). Lapidarer Realismus

Kunstsammlung Jena
Vom 15. Dezember 2012 bis 17. Februar 2013

Obwohl mancher Lothar Zitzmanns Werk vor allem mit einem DDR-staatstragendem Symbolismus assoziiert, ist es an der Zeit, das Werk Zitzmanns fernab aller politischen Argumente neu zu bewerten. Die Kunstsammlung Jena zeigt im Dezember in Jena an einem Ort seines künstlerischen Wirkens die erste Retrospektive Zitzmanns seit 1984.

Damit geht die Absicht einher, einen bedeutenden Werkblock aus dem Bestand der Kunstsammlung Jena der Öffentlichkeit vorzustellen und in einem Katalog zu dokumentieren. Die Schau trägt den Titel "Lapidarer Realismus", ein Begriff, den Zitzmann selbst entwickelte, den er für seinen Stil einsetzte und auch als seine Gestaltungslehre im Grundlagenstudium der Kunsthochschule Burg Giebichenstein einführte. Als eines der ersten Werke des "lapidaren Realsimus" ist sein Bild der "Kosmonauten" von 1958 zu sehen. Ist Zitzmanns Werk letztlich der klassischen Moderne zuzuordnen? Auf diese Frage sucht die Schau eine Antwort.


Hubertus Giebe - Farben der Frühe

Neue Sächsische Galerie Chemnitz
Vom 13. Dezember bis 3. März 2013

Hubertus Giebe (geboren 1953), Meisterschüler von Bernhard Heisig, galt in der DDR als unangepasster Künstler. Seinen Werken sieht man an, dass ihr Schöpfer vielen Malstilen verhaftet ist, der Pittura Metafisica, dem Surrealismus, dem Verismus, gar dem Expressionismus. Dass Giebes Malerei vielstimmig ist, wird in der Ausstellung der Neuen Sächsischen Galerie belegt, die Werke aus den letzten 20 Jahren zeigt: Sujetbilder, Porträts und Landschaften. Diese Retrospektive huldigt vor allem dem Maler Giebe, obwohl er auch ein ebenso guter Zeichner ist und würdigt den Künstler anlässlich seines 60. Geburtstages.


Franziska Holstein – Kunstpreis der Sachsenbank

Museum der bildenden Künste Leipzig
Vom 2. Dezember 2012 bis 3. März 2013

Der "Kunstpreis der Sachsen Bank" erlebt in diesem Jahr seine sechste Auflage. Er ist mit 30.000 Euro dotiert und gehört nach wie vor zu den prestigeträchtigsten Preisen für junge Kunst in Deutschland. Die bisherigen Preisträger - Tilo Baumgärtel etwa, oder Ricarda Roggan - eint ein hoher Anspruch an Eigenständigkeit und Qualität.

Die diesjährige Gewinnerin heißt Franziska Holstein und malt abstrakt, obwohl sie bei den gegenständlichen Malern Arno Rink und Neo Rauch in Leipzig studiert hat. Gegenständliche Fotos, auf die Leinwand projiziert, bildeten oft den Ausgangspunkt für Franziska Holstein, diese werden mit neuen Farbschichten immer und immer wieder überdeckt, alte Farbschichten abgekratzt und neu übermalt. In letzter Zeit verzichtet Franziska Holstein gar auf die gegenständliche Vorlage. Neben ihren großformatigen Leinwänden zeigt die Ausstellung auch Hand-Offset-Drucke der Künstlerin. Hier ist ihr Weg hin zu verstärkter Abstraktion nachvollziehbar. So zerlegt Holstein in mehreren grob gerasterten Hand-Offset-Drucken gegenständliche Motive in ihre Einzelteile und setzt sie als "Anti-Puzzle" neu zusammen.

Zuletzt aktualisiert: 12. Dezember 2012, 17:54 Uhr

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