Feature | MDR FIGARO | 04.08.2012 | Zum Nachhören : Maske und Geist
Die Kunst des Maskenbildens
Die Salzburger Festspiele zählen zu den bedeutendsten Theaterereignissen weltweit. Jedes Jahr kommen nicht nur berühmte Regisseure und Schauspieler an den Festspielort, auch für Maskenbildner aus ganz Europa ist Salzburg für mehrere Wochen eine Herausforderung. Die Autorin Ina Lyn Reif ist selbst Maskenbildnerin und gibt einen Einblick hinter die Kulissen ihres Berufs.
Ein Gipsabdruck, den Ton, das Silikon oder den Schaum darauf modellieren, anmalen und fertig - wenn der Maskenbildner sein Handwerk beherrscht und künstlerisches Können mitbringt, kann aus einem jungen Schauspieler schnell ein verlebter Mittvierziger gezaubert werden. Doch für die Künstler hat ihr Beruf eine noch viel tiefere Bedeutung.
Beim Schminken und Maskieren wird das Gesicht des Schauspielers als nackter Körper betrachtet - gleich einem Maler wird es als weißes Blatt oder als Malgrund verstanden. Deshalb "fordert eine Maske den Künstler auf, sich gleichzeitig zu verstellen und zu entblößen", meint Schauspieler Ulrich Matthes. "Und manchmal habe ich das Gefühl, dass diese Art von Gleichzeitigkeit, von Maskierung und Offenlegung, der Knackpunkt von Schauspielerei überhaupt ist."
Der Trend zur Natürlichkeit
Das Feature thematisiert auch eine Herausforderung, vor dem Maskenbildner immer häufiger stehen: Viele Regisseure, besonders die von modern inszenierten Werken, wollen darauf verzichten, die Schauspieler gar zu schminken, da sie die pure Natur in dem Gesicht sehen wollen. Für Maskenbildner heißt das: Je unauffälliger Schminke und Maskenteil sein dürfen, um so schwieriger wird ihre Aufgabe. Im Idealfall fallen Perücke und Maske dem Publikum nicht auf, erklärt Maskenbildnerin Silvia Grave.
"Wenn ich befragt werde, was ich mache und ich sage, ich sei Maskenbildnerin, dann fragen die meisten: Ach, dann musst du ja nur abends arbeiten? Und dann muss ich jedes mal antworten: Ja und dann mache ich den Zauberschrank auf und da kommen die Perücken und Bärte alle herausgeflogen, sind frisiert, geschnitten und schon geknüpft. Ich glaube,viele sehen das nicht. Aber es ist ja eigentlich auch gut, wenn sie nicht die Perücke erkennen, sondern einfach denken, der sieht gut aus und dann haben wir´s richtig gemacht."
Silvia Grave ist eine der rund 70 Maskenbilderinnen, die die Arbeitsbienen der großen Kulturmaschine Salzburger Festspiele sind. Sie müssen mit einer Hand voll männlichen Kollegen ihre Arbeit abliefern und miteinander fast zwei Monate auskommen. Ihr Ziel: Ihrem künstlerischen Handwerk alle Ehre machen. Und natürlich auch ihre Brötchen verdienen.
Angaben zur Sendung
"Maske und Geist- Die Kunst des Maskenbildens"
Feature von Ina Lyn Reif
Redaktion: Kathrin Aehnlich
Regie: Stefan Kanis
Produktion: MDR 2012
Angaben zur Autorin
Ina Lyn Reif ist Theaterwissenschaftlerin und Maskenbildnerin und arbeitet seit Jahren für die Salzburger Festspiele.



