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Essay | MDR FIGARO | 24.02.2013 | Zum Nachhören : Imi Ata Spee schwimmen in der Spree: Kito Lorenc

"Die Rasselbande im Schlamassellande" zählt wohl zu den bekanntesten Kindergedichten des sorbischen Dichters Kito Lorenc. Lorenc versteht es wie kein anderer, mit Worten zu spielen und dabei Grenzen zu überwinden. Am 4. März feiert der Dichter seinen 75. Geburtstag. Zu diesem Anlass sendet MDR FIGARO ein Porträt von Jan Wenzel.

Der sorbische Schriftsteller Kito Lorenc, an seinem Schreibtisch in seiner Wohnung von Wuischke.

Kito Lorenc liebt die Sprache. Schon als Kind war er fasziniert von den neuen Welten, in die ihn die Muttersprache seines Großvaters, des sorbischen Dichters Jakub Lorenc-Zalěski (1874 - 1939) entführte. Jahre später, als Kito Lorenc mit dem Schreiben von Gedichten begann, versuchte er seine Leser auf sprachliche Reisen mitzunehmen und auf diese Weise Grenzen zu überwinden. Der Dichter übersetzte nicht nur sorbische Literatur in die deutsche Sprache und deutsche Literatur ins Sorbische, sondern auch weißrussische Literatur in die Sprache der Minderheit aus der Ober- und Niederlausitz. Lorenc hat mit seinen zweisprachigen Werken wie kein anderer Öffentlichkeit erzeugt.

Zur Person des Dichters

Lorenc wurde am 4. März 1938 als Christoph Lorenz in Schleife, sorbisch Slepo, geboren. Sorbisch sprach er als Kind noch nicht, da die Nationalsozialisten der Minderheit seit 1937 verboten hatten, öffentlich Sorbisch zu gebrauchen. Erst mit 14 Jahren erlernte Kito Lorenc die Sprache an einer DDR-Oberschule. Aber die Texte und Manuskripte seines Großvaters faszinierten ihn schon als Kind.

"Ich kannte keine rätselvollere Erwartung als jene auf die Wunder, die sich mir offenbaren würden, könnte ich erst die Papiere aus dem Schränkchen lesen, ja wohl überhaupt auch in der anderen Sprache leben: Ich würde das 'große Haus' des unbekannten Herren betreten, sein 'reiches Schiff' besteigen und das Land Kannitverstan erkunden, das, wie eine Antiwelt in meiner eigenen existierend, gleich hinter unserer Türschwelle begann."

Kito Lorenc, Dichter
("Wortland", Reclam Verlag 1984, S. 157)

Cover des Buches: "Gedichte" von Kito Lorenc
Neues Buch von Kito Lorenc: "Gedichte".

Nach dem Abitur widmete er sich dem Studium der Slawistik, arbeitete später auch als Herausgeber und Übersetzer und veröffentlichte 1961 seinen ersten Lyrikband "Nowe časy, nowe kwasy" (Neue Zeiten, neue Hochzeiten). Weitere folgten, darunter "Struga. Wobrazy našeje krajiny, Bilder einer Landschaft", "Ostereiermalen" (1984), "Die Rasselbande im Schlamassellande" (1985) und "Gegen den großen Popanz" (1990). Auch zwei Theaterstücke, "Die wendische Schiffahrt" und "Kim Broiler", sowie das umfassende "Sorbische Lesebuch" (Serbska čitanka) hat Lorenc verfasst. Letzteres - das Standard-Werk der Sorbischen Sprache - dürfte heute nur noch in Bibliotheken und Antiquariaten zu finden sein. Anfang März erscheint bei Suhrkamp sein neues Buch, "Gedichte".

"Ich würde ihn eigentlich weder in der sorbischen Literatur noch in der deutschen Literatur verankern wollen, für mich ist Kito Lorenc als Dichter etwas Drittes. Und er hat im Grunde genommen einen dritten ästhetischen Raum entdeckt für die sorbische Literatur."

Walter Koschmal, Slawist

Sprache als Teil der Identität

Zapust in Cottbus/Chóśebuz
Sorben in Cottbus/Chóśebuz beim Zapust, der niedersorbischen Fastnacht

Nicht nur die eigene Identität hat Kito Lorenc mit seiner bilingualen Poesie gestärkt. Oft musste er sich mit den Vorurteilen gegenüber der sorbischen Tradition und Sprache auseinandersetzen. Aber auch umgekehrt brachte er den Sorben fremdsprachige Literatur näher, vermittelte und integrierte. Mit seinen sprachkritischen Parodien richtete er sich in den 80er-Jahren gegen den offiziellen Sprachgebrauch der DDR. Im Mittelpunkt seiner Werke stand und steht dabei immer das intelligente Spiel mit Wörtern. Lorenc kann somit nicht nur als Botschafter des Sorbischen, sondern auch anderer Sprachen verstanden werden.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass Kito Lorenc in einem seiner deutschsprachigen Kindergedichte schon zu DDR-Zeiten die Verunreinigung der Flüsse durch durch damals übliche Reinigungsmittel ansprach:

"Imi Ata Spee
schwimmen in der Spree
schwimmen in der Spree
Fit
schwimmt mit
fix und fit
Spray
fliegt in die Höh
jähöh"

[...]

Kito Lorenc, Dichter
(Die Rasselbande im Schlamassellande, Kinderbuchverlag Berlin, 1985)

Zuletzt aktualisiert: 24. Februar 2013, 23:30 Uhr

Angaben zur Sendung

Essay: "Imi Ata Spee Schwimmen in der Spree - Der Dichter Kito Lorenc"

Porträt von Jan Wenzel

MDR FIGARO
So, 24.02.2013, 19:05 Uhr

Dauer: ca. 24 Minuten

Sprecherin: Blanka Funke
Sprecher: Michael Lorenc, Maximilian Fritz

Regie: Steffen Moratz
Redaktion: Katrin Wenzel
Produktion: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK, 2008

Angaben zum Buch

Kito Lorenc: "Gedichte"
mit einem Vorwort von Peter Handke
(erscheint am 11.03.2013)
128 Seiten, gebunden
Bibliothek Suhrkamp 1476
ISBN: 978-3-518-22476-2

Angaben zum Buch

Kito Lorenc: "Sorbisches Lesebuch" (Serbska čitanka)
730 Seiten, gebunden
Leipzig Reclam-Verlag

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