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Essay | MDR FIGARO | 29.01.2012 | 19:05 Uhr : Hitlers Reichspostminister aus Gräfenhainichen: Wilhelm Ohnesorge

Wilhelm Ohnesorge war von 1937 bis 1945 Reichspostminister und bezeichnete sich als Hitlers "persönlichen Freund". In posteigenen Forschungsinstituten ließ er neue Waffentechnologien entwickeln. Damit sollte der Krieg gewonnen werden. Am 1. Februar jährt sich sein 50. Todestag.

Nationalsozialistisches Postschild in Berlin
Nationalsozialistisches Postschild

Wilhelm Ohnesorge war ein treuer Gefährte Hitlers. Seit 1920 mit ihm bekannt, gründete Ohnesorge eine der ersten außerbayerischen Ortsgruppen der NSDAP. Von 1937 bis 1945 war er Reichspostminister. Oft wird übersehen, dass die Rechte der Reichspost als sogenannter Hoheitsträger weit in die gesellschaftliche Kommunikation und in die Forschung eingriffen. So entstand in jenen Jahren auf dem Seeberg in Kleinmachnow südlich von Berlin ein streng abgeschirmter Gebäudekomplex der Reichspostforschungsanstalt. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Anstalt einer der bedeutendsten Rüstungsforschungsbetriebe, der in enger Abstimmung mit Wehrmacht und SS an kriegswichtigen Projekten arbeitete.

Waffentechnologie für den Endsieg

In posteigenen Forschungsinstituten ließ Ohnesorge neue Waffentechnologien entwickeln, mit denen der Krieg gewonnen werden sollte. Hauptforschungsgebiete waren Hochfrequenztechnik, Fernsehen, Radar und die Atomphysik. Unter dem Decknamen "Windhund" arbeiteten die Wissenschaftler an einer Boden-Luft-Rakete, die elektronisch das Radar in den Leitflugzeugen der Bomberverbände ansteuern sollte. Wie weit die Versuche tatsächlich in die Praxis umgesetzt wurden, ist nicht genau bekannt.

Nach dem Krieg: unschuldig

Bei Kriegsende flüchtete Ohnesorge aus Berlin. Am 11. Mai  wurde er in Bad Gastein von US-Truppen verhaftet, aber bald wieder entlassen. Die Spruchkammer Garmisch-Partenkirchen stufte ihn in die Gruppe II - Belasteter -, die Berufungskammer München in die Gruppe I -  Hauptschuldiger - ein, verbunden mit der Einziehung der Vermögenswerte. Die Hauptspruchkammer München bestimmte dann in letzter Instanz im März 1955 die Einstellung des Verfahrens und hob alle Strafbestimmungen auf. Vermutlich hätte sie anders entschieden, wenn bekannt gewesen wäre, dass Ohnesorge bei Bau- und Laborarbeiten der Reichspostforschungsanstalt Häftlings-Kommandos des KZ Sachsenhausen einsetzte. So starb er unbehelligt und zurückgezogen mit fast 90 Jahren am 1. Februar 1962 in München. Was heute besonders auffällt: Bis zu seinem Lebensende bezog er die hohe Pension, die dem Präsidenten des Reichspostzentralamts zustand. 

Zuletzt aktualisiert: 27. Januar 2012, 16:11 Uhr

Angaben zur Sendung

"Hitlers Reichspostminister aus Gräfenhainichen: Wilhelm Ohnesorge"

Ein Essay von Von Hubert Faensen

Produktion: MDR 2012

Ursendung
Dauer: 25 Minuten


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