Feature | MDR FIGARO | 28.01.2012 | 09:05 Uhr : Korrepetitoren: Ein Leben für den Gesang
Wissen Sie, was ein Korrepetitor ist? Er ist derjenige, der am Klavier mit Sängern, Chören, Instrumentalisten, Tänzern oder Schauspielern ein neues Bühnenstück einstudiert. Henry Bernhard hat drei von ihnen am Nationaltheater in Weimar bis zur Premiere begleitet.
Wochen- und monatelang begleiten Korrepetitoren Sänger am Klavier, studieren und proben mit ihnen Solo-Arien und Rezitative, Terzette oder Quartette. Sie erarbeiten mit den Sängern Note für Note, Silbe für Silbe, Phrase für Phrase, Strophe für Strophe einer Oper oder Operette.
Matthias Mönius, Dirk Sobe und Martin Hoff arbeiteten 2010 am Weimarer Nationaltheater als Korrepetitoren für die Solisten, als das Haus die Oper "Der feurige Engel" von Sergej Prokofjew auf den Spielplan setzte. Das Thüringer Haus war in jener Spielzeit das einzige weltweit, das sich an eine neue Inszenierung wagte. Die Oper basiert auf dem im Jahr 1908 erschienenen gleichnamigen Roman von Walerij Brjussow und thematisiert Magie und Hexenglauben im Zeitalter der Reformation. Mit ihren anspruchsvollen Musik- und Textpassagen stellt sie noch heute besonders hohe Anforderungen an Sänger und Orchester.
Für die Inszenierung mussten damals 25 Partien einstudiert werden. 25 Sänger, die sich Note für Note, Woche für Woche ihre Rolle erarbeiteten - gemeinsam mit den Korrepetitoren. Matthias Mönius war als Studienleiter der oberste Korrepetitor. Er teilte die Sänger und Korrepetitoren ein: Wer übt wann mit wem?
Matthias Mönius stand bei den Proben der Solistin Heike Porstein zur Seite, die in der Partie der "jungen Nonne" eine kleine, aber anstrengende Rolle inne hatte. Und er half Kirsten Blanck, die die Hauptrolle der "Renata" einstudierte.
Kritisieren und motivieren - das müssen Korrepetitoren auch können. Sich auf den Sänger, auf den Charakter einzustellen, seine Stärken und Schwächen zu kennen - da steckt auch jede Menge Psychologie dahinter. Das weiß auch Dirk Sobe, der seit 22 Jahren Korrepetitor am Deutschen Nationaltheater in Weimar ist .
Korrepetitor zu sein, bedeutet harte Arbeit. Er muss mit zehn Fingern ein ganzes Orchester ersetzen und sich gleichzeitig auf seinen Schüler konzentrieren. Die Arbeit erfordert viel Kraft und Erfahrung. Doch ist eine Partie einmal gut einstudiert, profitiert der Sänger sein Leben lang davon. Auch Korrepetitor Martin Hoff hat diese Erfahrung gemacht.
Der Featureautor Henry Bernhard, bekannt für seine zahlreichen Hörfunkfeatures, hat die drei Korrepetitoren begleitet und gibt mit seiner Dokumentation einen Einblick in ihre Arbeit von der ersten Einzelprobe bis zur Aufführung.
Angaben zum Feature:
"Korrepetitoren - Ein Leben für den Gesang"
Ein Feature von Henry Bernhard
Regie: Henry Bernhard
Redaktion: Ulf Köhler
Produktion: MDR 2012
Dauer: 29:30 Minuten
Ursendung
