Hörspiel & Feature

Ein Tusch zum 75. Geburtstag : Spur der Krüge

von Matthias Thalheim

Keine Frage - es gibt natürlich nur EINEN Manfred Krug, einen, dem es selten um Verstellungskunst ging beim Spielen, einer, der in all seine Rollen unüberseh-, unüberhörbar sein großes Ich einbrachte. Ein Ich mit Du-Charme. Aber gerade, weil er zu den verschiedenen Zeiten seiner Karriere mehrfach für Überraschungen gut war, ist Krug im Plural durchaus nicht falsch beschrieben.

1995 im Hörspielstudio von MDR KULTUR

Leipzig Springerstraße ehem. Funkhaus
Das ehemalige MDR-Funkhaus in der Springerstraße in Leipzig

Dass der Textdichter der Krug-LPs - Clemens Kerber – nur ein Pseudonym ist, hinter dem der Sänger selber steckt, das war schon ein Staunen wert - damals, als er noch für die DEFA ritt.

Fürs Hörspiel hat er dazumal nichts gemacht. Das kam erst nach 1977, als er nach West-Berlin ausgereist war. Und dann noch mal nach der Wende: Für MDR KULTUR! Der Köder war kein üppiges Honorar, sondern das Hörspiel "Frauentags Ende", welches Fritz Rudolf Fries geschrieben hatte und die darin enthaltene Rolle eines Zahnarztes. Es war höllisch heiß, als Krug am 19. Juni 1995 bei uns im Leipziger Hörspielstudio eintraf. Trotz durchgeschwitzter Shirts war er gut gelaunt und überraschte mit detailliertem Wissen zu früheren Schauspielerkolleginnen aus dem Osten, von denen niemand glaubte, dass sie in seiner Erinnerung seien. Und er überraschte mit perfektem Sächsisch.

Krug-Orte in Leipzig

Wie sehr seine Jungen-Jahre mit Leipzig verbunden waren, konnten wir ebenso wenig ahnen wie sein damaliges Recherche-Bedürfnis. Denn sicher ist er, bevor er abends vors Mikro trat, quer durch Lindenau und Gohlis gestreunt. Zu den Orten seiner Kindheit in der Trümmerstadt Leipzig, in die er im Dezember 1949 zwölfjährig zum ersten Mal zum Vater gereist war. Erinnerungen an die Quartiere in der Blumenstraße 15, der Friesenstraße 1, der Rietschelstraße 35 und an die 33. Grundschule in der Theresienstraße. Schauplätze, mit denen er uns acht Jahre später in seiner Autobiografie ausgesprochen frappierte.

Und dass Manfred Krug mit Bertolt Brecht in der Lesezeit zu seinem 75. zu hören sein wird, ist gewiss auch eine Überraschung. Aber Manfred Krug hat Brecht noch höchstpersönlich erlebt, als er 1954/55 am BE seine Bühnenreife ablegte. Und überraschend war es auch, dass er in einem jüngst aufgetauchten Radio-Interview von 1974 sogar eine Theater-Anekdote zum Zusammentreffen mit Brecht erzählt.

Manfred Krug und Winfried Glatzeder
Manfred Krug (l.) und Winfried Glatzeder (r.) sprechen 1995 die Hauptrollen für das Hörspiel "Frauentags Ende oder die Rückkehr nach Ubliaduh".

Zuletzt aktualisiert: 03. Februar 2012, 13:57 Uhr

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