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Diskurs : Gregor Gysi trifft Günter Gaus

DT-Matinee vom 15. Juni 2003

  • Stereo
Datum Sendezeit Länge
Do., 17.01. 22:00 Uhr 60 min

Von Diverse

Dass Gregor Gysi sich mit Begeisterung und Wonne in Gespräche stürzen kann, hat sein Publikum hundertfach erleben können - mit starken und auch sich verplaudernden Momenten. Unter den Live-Talks seiner Matinee-Reihe "Gregor Gysi trifft Zeitgenossen" am Deutschen Theater Berlin, zu der er sich ab 2003 Egon Bahr, Peter Zadek, Gesine Schwan oder Thomas Gottschalk einlud, gab es eine Sternstunde der dialogischen Begegnung - das Gespräch mit Günter Gaus.

Und der kannte Gregor Gysi beileibe nicht nur aus seiner eigenen Porträt-Reihe "Zur Person", sondern auch aus seiner Zeit als erster Leiter der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der DDR. Das rückhaltlos offene Gespräch wirkt heute wie ein Credo der deutsch-deutschen Kalamitäten, das Günter Gaus ein Jahr vor seinem Tode formulierte und der Respekt wie auch die Befangenheit, die Gastgeber Gregor Gysi sich nicht scheute einzuräumen, ergeben ein Doppel-Porträt seltener Spannung und Tiefe.

Günter Gaus, geboren am 23. November 1929 in Braunschweig als Sohn eines Kaufmanns, studiert in München Geschichte und Germanistik. Bereits während des Studiums wendet er sich dem Journalismus zu und ist u.a. von 1961 bis 1965 Kommentator und Reporter bei der Süddeutschen Zeitung. In diese Zeit fällt der Beginn seiner bald legendären Fernsehinterviewreihe Zur Person - Porträts in Frage und Antwort, die ihn zum ,Bekanntesten Hinterkopf' des deutschen Fernsehens werden lässt. 1965 wird Günter Gaus zum Programmdirektor für Hörfunk und Fernsehen beim Südwestfunk (ARD) gewählt, von 1969 bis 1973 ist er Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Der Spiegel. 1973 holt der damalige Bundeskanzler Willy Brandt Günter Gaus als Staatssekretär ins Bundeskanzleramt. Er übernimmt von Egon Bahr die Verhandlungen mit der DDR und ist von 1974 bis 1981 der erste Ständige Vertreter der BRD bei der DDR. Ab 1981 lebt er als freier Publizist und Schriftsteller bei Hamburg.

Günter Gaus stirbt am 14. Mai 2004 in Hamburg. Posthum erscheinen seine Widersprüche - Erinnerungen eines linken Konservativen. Gregor Gysi, geboren am 16. Januar 1948 in Berlin. Von Kindesbeinen an ist er mit dem kulturellen Leben Berlins verbandelt: Sein Vater Klaus Gysi ist einige Jahre Verleger, dann Kulturminister der DDR, dann Botschafter in Italien und schließlich Beauftragter für Kirchenfragen. Seine Mutter Irene arbeitet ebenfalls als Verlegerin, dann im Kulturministerium und leitet später das Zentrum der DDR des Internationalen Theater-Instituts (ITI).

Nach einer Ausbildung als Rinderzüchter und einem Jurastudium an der Berliner Humboldt-Universität wird Gregor Gysi 1971 mit knapp 24 Jahren jüngster Anwalt der DDR. Er macht sich einen Namen als Scheidungsanwalt und Verteidiger von Systemkritikern wie Rudolf Bahro. 1988 wird er Vorsitzender des Kollegiums der Rechtsanwälte in Berlin (Ost). Er vertritt 1989 als Anwalt das Neue Forum und ist einer der Initiatoren der Kundgebung auf dem Alexanderplatz im November 1989. Auslöser dafür ist sein Auftritt im DT im Oktober desselben Jahres. Im Dezember 1989 wird er zum Vorsitzenden der PDS gewählt.

Produktion: Deutsches Theater 2003

(58 Min.)

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