Bildungsjournal | MDR FIGARO | Zum Nachhören : Lernen im Dreivierteltakt?
Sendung: 18.10.2011 | 18:30-19:00 Uhr
Im Bildungsjournal stellt FIGARO eine Leipziger Schule vor, die jedem Mädchen und Jungen Zeit genug lässt beim Lernen. Im Gespräch mit dem Hirnforscher Prof. Gerald Hüther geht es um die Notwendigkeit eines individuellen Lerntempos und um die Möglichkeiten der Gruppenarbeit, um diesem Ansatz gerecht zu würden.
Eine Stunde sind 60 Minuten, das weiß jedes Kind. Doch ausgerechnet wenn es dann in die Schule geht, stimmt diese Weisheit nicht mehr. Eine Stunde sind 60 Minuten minus Pause. Vor 100 Jahren hat Preußens Minister der geistigen Angelegenheiten, August von Trott zu Solz, diese Rechnung aufgemacht: 60 Minuten minus akademisches Viertel gleich eine Schulstunde. Damit wurde der Schultag kürzer, bei zeitigem Anfangen war er bis zum Mittag beendet. Man sparte Internatsplätze und Kosten und so mancher Schüler konnte am Nachmittag für die Familienkasse dazu verdienen.
Wie kommt man dem individuellen Lerntempo entgegen?
Wie passen individuelle Lerngeschwindigkeiten in 45 Minuten? Freiarbeit und selbstorganisiertes Lernen sind für manche Schulen ein Weg, um dem so unterschiedlichen Lerntempo der Mädchen und Jungen gerecht werden zu können. Auch Ganztagsschulen nutzen die Zeit anders als im 45-Minuten-Takt und folgen dem neurobiologischen Lernrhythmus, den aktiven und passiven Lernphasen - hirngerechtes Lernen hat einen anderen Stundenplan als bisher üblich. Offener Unterricht braucht anstelle von geschlossenen Klassenzimmern auch andere Räume. Die Umstellung in den Schulen hat begonnen.
