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FIGARO trifft ... Fritz Straub | MDR FIGARO | 26.02.2012 | 12:05 Uhr (Wh.) : UNESCO-Welterbebewerbung von Hellerau

Fritz Straub ist Chef der Deutschen Werkstätten Hellerau. Er engagiert sich dafür, dass der Dresdner Stadtteil Teil des UNESCO-Welterbes wird. Über die Tradition der Werkstätten, die Schönheit von Luxus und die Bewerbung des Dresdner Stadtteils Hellerau um den UNESCO-Welterbetitel ist Fritz Straub im Gespräch mit Moderator Stefan Maelck.

 Häuser Am Grünen Zipfe
In Hellerau entstand Deutschlands erste Gartenstadt

Mit dem Slogan "Hellerau - Laboratorium einer neuen Menschheit" bewirbt sich der Dresdner Stadtteil Hellerau um den UNESCO-Welterbetitel. Unter Federführung der Deutschen Werkstätten Hellerau und ihrem Geschäftsführer Fritz Straub wurde die Bewerbung der Interessensgemeinschaft beim sächsischen Innenministerium eingereicht.

Im Juni will die Landesregierung über die zwei aussichtsreichsten sächsischen Welterbe-Bewerber entscheiden. Diese kommen dann auf die nationale Vorschlagsliste.

"Wir sind zunächst einmal die Initialzündung, weil der Firmengründer und der damalige Besitzer Karl Schmidt den Mut und die Weitsicht gehabt hat, nicht nur eine neue Fabrik hier zu bauen, sondern mit seinen Freunden damals auch den Werkbund begründet hat - eine der fortschrittlichsten Gruppen in Deutschland. Sie wagten mit Hellerau ein neues Lebensmodell. Das verdient als Weltkulturerbe wahrgenommen zu werden."

Fritz Straub über die UNESCO-Bewerbung Helleraus

Möbel-Revolution aus Hellerau

Die Deutschen Werkstätten Hellerau, 1898 unter anderem Namen gegründet, haben einst die deutsche Möbelherstellung revolutioniert. Sie standen für die erste industrielle Möbelfertigung, formschön und qualitativ hochwertig zu einem erschwinglichen Preis. Der Tischler Karl Schmidt gründete und betrieb sie zunächst mit zwei Mitarbeitern.

1909 legte er dann den Grundstein für ein neues Fabrikgebäude im Norden Dresdens. Inzwischen hatte er 450 Angestellte. Zeitgleich wurde Deutschlands erste Gartenstadt errichtet. Die Siedlung mit rund 800 Gebäuden auf 140 Hektar wurde von 1909 bis 1914 gebaut und barg die Kernaspekte Lebensreformbewegung, Gemeineigentum des Bodens, Reformpädagogik und Kritik an der religiösen Ordnung.

Zentrum der Avantgarde

Hellerau stand für eine bessere Zeit und wurde von namhaften Architekten, Theaterarchitekten und Bühnenbildner gestaltet. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges war es das Zentrum der europäischen Avantgarde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Deutschen Werkstätten Hellerau ein Volkseigener Betrieb (VEB) und stellten begehrte Schrankwände her. Sie bauten aber auch die Semperoper Dresden und das Gewandhaus Leipzig aus.

Begeisterung für Hellerau

Hellerau/Sachsen: Die Möbelfabrik wurde 1898 gegründet. Um nach der Wende bestehen zu können - die Hellerauer Schrankwände wurden kaum noch gekauft - orientierte man sich auf den Innenausbau. Bereits mit der Semperoper und dem Gewandhaus in Leipzig hatte die Firma zu DDR-Zeiten ihre Visitenkarte dafür abgegeben.
Möbelproduktion in den Deutschen Werkstätten Hellerau

1992 stand der Kölner Pharma-Manager Fritz Straub das erste Mal im Innenhof des alten Fabrikgebäudes der Deutschen Werkstätten Hellerau. 60 Firmen hatte er sich da bereits innerhalb eines halben Jahres im Osten angesehen. Der 49-jährige wollte noch einmal etwas Neues machen, wenngleich er ursprünglich dabei nicht an Möbel gedacht hatte. Doch der Ort Hellerau mit seiner Geschichte rührte ihn an.

Im hochwertigen Innenausbau durch spezialisierte Fachkräfte sah Fritz Straub eine Chance für die Deutschen Werkstätten Hellerau. Nach vier Wochen waren die Verhandlungen mit der Treuhand abgeschlossen. Von den einst 300 Mitarbeitern konnten allerdings nur 85 bleiben und mühsam hangelte sich die Firma zunächst von Auftrag zu Auftrag. 1996 schrieb das Unternehmen erstmals schwarze Zahlen.

Heute, 20 Jahre nach dem Neubeginn, sind die Deutschen Werkstätten Hellerau einer der führenden Anbieter für hochwertigen und individuellen Innenausbau in Villen, Vorstandsetagen und Luxus-Yachten. 200 Menschen arbeiten heute in Hellerau, 30 im Ausland. Inzwischen gibt es eine Tochtergesellschaft in Russland, Dependancen in Moskau, Istanbul und Dubai, Repräsentanzen in Frankreich und England.

"Wir sind heute ein Unternehmen was es geschafft hat aus einer handwerklichen Tradition heraus die Verbindung mit der modernen Technik einzugehen und daraus neue Produkte, Produktideen und Leistungen zu schaffen."

Fritz Straub zur Tradition der Deutschen Werkstätten Hellerau

Fritz Straub im Porträt

Fritz Straub
Fritz Straub

In Saarbrücken wurde Fritz Straub 1943 geboren. Nach dem Abitur begann er ein Volkswirtschaftsstudium und macht nach drei Semestern eine Lehre zum Industriekaufmann bei der Hoechst AG. 22 Jahre, bis 1988 hatte er verschiede Aufgaben im Hoechst-Konzern inne. Dabei vertrat er das Unternehmen zehn Jahre lang im Ausland, lebte und arbeitete in Thailand, Pakistan und Spanien.

Zuletzt war Fritz Straub Geschäftsführer für Internationales Marketing und Vertrieb. Von 1988 bis 1991 hatte Fritz Straub den Vorstandsvorsitz der Madaus AG in Köln inne. Seit 1992 ist er Geschäftsführender Gesellschafter der Deutschen Werkstätten Hellerau GmbH.

Zu Gast im Studio | MDR FIGARO | mittwochs | 18:00 Uhr: "FIGARO trifft ..." zum Zurückblättern

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Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2012, 10:12 Uhr

Angaben zur Sendung:

FIGARO trifft ... Fritz Straub
Geschäftsführender Gesellschafter der Deutschen Werkstätten Hellerau GmbH

Sendung:
Mi, 22.02.2012, 18:05 bis 19:00 Uhr

Wiederholung:
So, 26.02.2012, 12:05 bis 13:00 Uhr

Moderation: Stefan Maelck
Redaktion: Angelika Zapf

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