Thementag | MDR FIGARO | 13.08.2012 : Wie die Flut uns verändert hat
Zum 10. Jahrestag der Jahrhundertflut
August 2002. Das Tiefdruckgebiet Ilse versetzt mit anhaltenden Unwettern und gewaltigen Regenfällen ein Land in Ausnahmezustand. Flüsse werden zu reißenden Strömen, überfluten Dörfer und Städte. Mehr als 220.000 Menschen werden evakuiert, 44.000 Soldaten und zehntausende Freiwillige sind im Einsatz. Was damals passierte, die Katastrophe und die Folgen rekapitulierte MDR FIGARO vom 6.-10. August in einer Themenwoche. Alle Beiträge können Sie nachhören. Und hier ein Überblick über den abschließenden Thementag.
Journal am Morgen | Was tun, wenn die nächste Flut kommt?
Der Schriftsteller Michael G. Fritz wohnt in Kleinzschachwitz bei Dresden. Als vor zehn Jahren das Elbe-Hochwasser kurz vor seinem Haus haltmachte, ließ er sich nicht evakuieren und erlebte, wie schnell unsere scheinbar so festgefügte Ordnung zusammenbricht - in einem beinahe menschenleeren Gebiet ohne Polizei, ohne Arzt, ohne Verkehrsmittel, Strom, Lebensmittelversorgung, Tankstelle, Geldautomat. Welche Lehren sollten seiner Meinung nach aus der Flutkatastrophe gezogen werden? Und was hält er von der Gedenkkultur zehn Jahre danach?
FIGARO am Vormittag | Wassermusik und warnende Technik
Die Entstehungs- und Untergangs-Mythen in aller Welt haben als Reflex menschlicher Urerfahrungen und Ängste mit Überschwemmungen und riesigen Wassermassen zu tun. Wie die Musik das seit Jahrhunderten gespiegelt hat, in Oper, Oratorium und in der Orchestermusik, das hat Dieter David Scholz untersucht.
Über 24 Millionen Menschen leben im Einzugsgebiet der Elbe. Das Risiko, welches das Leben am Fluss mit sich bringt, können sie nur gemeinsam managen. Vor allem Tschechien und Deutschland arbeiten hier seit 2002 enger zusammen. Annegret Faber hat sich im sächsischen Landeshochwasserzentrum über die neuen grenzüberschreitenden Frühwarnsysteme informiert.
Journal am Mittag | Flut als Metapher, Bauen am Wasser
Beim Wort "Flut" fühlen wir stets einen Schauer der Bedrohung. Daher wird es als Sprachbild für viele Arten von echten oder eingebildeten Gefahren verwendet – Bilderflut, Datenflut, Touristenflut, Kostenflut, Vorschriftenflut usw. Eine Betrachtung von Bettina Baltschev zur Kulturgeschichte eines "Flut"-Begriffs.
Menschen müssen von Dächern gerettet werden, ganze Häuser versinken in den Fluten und anschließend im Schlamm. Die Jahrhundertflut vor zehn Jahren hat gezeigt, dass auch das stabilste Haus der Wucht des Wassers nicht auf Dauer standhält. Julian Kant hat mit Stadtplanern und Architekten gesprochen, die sich bemühen, den Traum vom Wohnen am Wasser dennoch zu verwirklichen - zum Beispiel am Karl-Heine-Kanal im Leipziger Stadtteil Plagwitz.
Spezial von 17 bis 18 Uhr | Flut-Profiteure und das Lied der Elbe, O-Ton-Chronik und Gedanken übers Gedenken
Wie sind die damaligen Hilfen für die Hochwasser-Opfer heute zu bewerten? Hat der Osten von der Flut auch profitiert - als nun durchsaniertes Erholungsgebiet, als Experimentierfeld des Gewässerschutzes und der Flussforschung? Ein Gespräch über das Aufholen des Ostens nach den Milliardenverlusten 2002 mit Sachsens Ex-Ministerpräsident mit Georg Milbradt.
Heinz Ratz, der Liederpoet und Weltenbummler, hat in den letzten Jahren mit seinem "Moralischen Triathlon" auf sich aufmerksam gemacht. Dabei schwamm er Hunderte Kilometer durch die Elbe und andere deutsche Flüsse, um auf deren Gefährdung aufmerksam zu machen. In seinem Lied von der Elbe kehrt diese als uralte Göttin nach langem Schlaf an die Oberfläche zurück und sieht, wie die Menschen ihre Ufer betoniert und zugebaut haben. Sie wird zornig und erobert sich mit Gewalt ihr angestammtes Reich zurück.
Was genau geschah eigentlich damals, in jenen heißen Sommertagen vor zehn Jahren, als plötzlich so viel Wasser vom Himmel kam, an kleinen Flüssen wie Weißeritz und Triebisch, an großen wie Elbe und Mulde? Tobias Barth hat eine Chronologie des August-Hochwassers von 2002 zusammengestellt. Zu hören sind Original-O-Töne aus den Fluttagen und Kommentare von Experten.
An die "Jahrhundertflut" erinnern heute verschiedene Denkmale, auch Flut-Lieder und Gedichte sind entstanden. Siegfried Stadler gibt einen Überblick über die höchst unterschiedlichen Formen des Gedenkens an die Naturkatastrophe.
Rückblick auf die Themenwoche zur Jahrhundertflut
Vom 6.-10. August brachte MDR FIGARO eine Themenwoche zur Jahrhundertflut. Alle Beiträge können Sie - nach Tagen geordnet - hier nachhören. Sie brauchen einfach nur weiterzublättern. Dort finden Sie außerdem Bildergalerien über Zerstörung und Wiederaufbau.
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In diesem Artikel:
- Zur Jahrhundertflut 2002
- Nach der Flut ist vor der Flut | Montag, 6. August
- Kulturschätze in Gefahr | Dienstag, 7. August
- Das Gedächtnis der Flüsse | Mittwoch, 8. August
- Das Wunder von Grimma | Donnerstag, 9. August
- Horizont 2002 - Das Mal der Jahrhundertflut | Freitag, 10. August
- Wenn nichts mehr bleibt | Sonnabend, 11. August
Thementag | MDR FIGARO | 13.08.2012
Die Flut – Ein Lebens- und Kulturereignis
Nach der Themenwoche bringt MDR FIGARO außerdem einen Thementag als Rückschau auf die "Jahrhundertflut", etwa mit einer Chronologie in O-Tönen.
