MDR FIGARO | 07.02.2012 | 22:00 Uhr (Wh.) : Hellmuth Karasek zu Gast im FIGARO-Café
Hellmuth Karasek kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken und gilt noch immer als einer der angesehensten Literaturkritiker des Landes. Bekannt ist er auch als Kolumnist und Buchautor. Zuletzt erschien seine kleine Abhandlung über Witze: "Soll das ein Witz sein? Humor ist, wenn man trotzdem lacht". Im FIGARO-Café ist er zu Gast bei Thomas Bille.
Von 1988 bis 2001 war Hellmuth Karasek zusammen mit Marcel Reich-Ranicki und Sigrid Löffler im "Literarischen Quartett" des ZDF zu erleben. Nachdem er viele Jahre als Journalist über Theater, Literatur, Kino und Stars geschrieben hatte, fing er irgendwann an, selbst Bücher zu schreiben. Die wichtigsten dürften "Billy Wilder. Eine Nahaufnahme", "Go West! Eine Biographie der 50er Jahre" sein sowie die Romane "Das Magazin" und "Betrug" sowie die Autobiografie "Auf der Flucht". Mit dem Alter setzt sich Karasek in der Geschichtensammlung "Süßer Vogel Jugend oder Der Abend wirft längere Schatten" auseinander.
Kleine Kulturgeschichte des Witzes
Im vergangenen Herbst erschien "Soll das ein Witz sein? Humor ist, wenn man trotzdem lacht", eine Art Kulturgeschichte des Witzes. Tierwitze, Arztwitze, jüdische Witze, politische Witze, Sexwitze, Alterswitze, rassistische Witze - Hellmuth Karasek hat sie von Jugend an gesammelt. Für ihn ist der Witz die kürzeste und präziseste Form erzählter Literatur. Romanautoren bräuchten Hunderte von Seiten, um die Realität zu erfassen. Ein Witz dagegen könne das in wenigen Zeilen. Und so beantwortet er auf 380 Seiten zum Beispiel die Fragen, wie man Witzerzähler wird und was das Besondere am jüdischen Witz ist. Und was hat es mit dem Freudschen Versprechern auf sich? Und wie kommt Politik in den Witz?
Angeregt von Eckardt von Hirschhausen
Zur Publikation angeregt hat ihn sein Freund und Bühnenpartner, der Arzt, Bestsellerautor und Kabarettist Eckardt von Hirschhausen, der auch das Vorwort geschrieben hat. Geistiger Hintergrund, die Entstehung und das Umfeld des Witzes werden genauso beleuchtet, wie das Lachen selbst. Eine fast vergessene Kultur, die angeblich keine ist.
Hellmuth Karasek - Journalist, Buchautor, Literaturkritiker und Professor
Im tschechischen Brünn wurde Hellmuth Karasek 1934 als ältestes von fünf Geschwistern geboren. Seine Familie floh, als er zehn Jahre alt war, vor dem Vormarsch der Roten Armee von Bielitz in Schlesien und kam nach mehreren Zwischenaufenthalten nach Bernburg an der Saale. Zuvor war Hellmuth Karasek einige Monate Schüler einer NS-Eliteschule, der sogenannten Nationalpolitischen Erziehungsanstalt (Napola). Nach dem Abitur siedelte er in die Bundesrepublik über und studierte an der Eberhard Karls Universität Tübingen Germanistik, Geschichte und Anglistik.
Nach der Promotion begann er seine journalistische Laufbahn bei der "Stuttgarter Zeitung". Ein Jahr lang war er Chefdramaturg am Württembergischen Staatstheater Stuttgart. Ab 1968 arbeitet er als Theaterkritiker der Wochenzeitung "Die Zeit". Über 20 Jahre lang leitete Hellmuth Karasek dann das Kulturressort des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", war anschließend Herausgeber des Berliner "Tagesspiegels" und ist jetzt Kolumnist und Autor der Zeitungen "Welt", "Welt am Sonntag", "Berliner Morgenpost" und "Hamburger Abendblatt". 1992 wurde er Honorarprofessor am theaterwissenschaftlichen Institut der Universität Hamburg.
Angaben zur Sendung
Hellmuth Karasek zu Gast im FIGARO- Café
Sendung:
So, 05.02.2012, 16:05-17:30 Uhr
Ort: Moritzbastei Leipzig
Wiederholung:
07.02.2012, 22:00-23.30 Uhr
Moderation: Thomas Bille
Redaktion: Angelika Zapf
Musik: Stephan König
Literatur
Hellmuth Karasek: Soll das ein Witz sein? Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Mit einem Vorwort von Eckart von Hirschhausen, 384 Seiten
Lübbe, 2011
