Kirche

Kirche im MDR : Die Weisheit des Herzens

von Msgr. Eberhard Prause, Senderbeauftragter der römisch-katholischen Kirche beim MDR

Eberhard Prause
Monsignore Eberhard Prause

Ein Weiser ging einmal über das Land und sah einen Mann, der einen Johannisbrotbaum pflanzte. Er blieb bei ihm stehen und fragte: "Wann wird das Bäumchen wohl Früchte tragen?" Der Mann erwiderte: "In siebzig Jahren." Da sprach der Weise: "Du Tor! Denkst du in siebzig Jahren noch zu leben und die Früchte deiner Arbeit zu genießen? Pflanze lieber einen Baum, der früher Früchte trägt, dass du sie genießen kannst in deinem Leben."

Der Mann sah freudig auf und sagte: "Als ich zur Welt kam, da fand ich Johannisbrotbäume und aß von ihnen, ohne dass ich sie gepflanzt hatte, das hatten meine Väter getan. Habe ich nun genossen, wo ich nicht gearbeitet habe, so will ich einen Baum pflanzen für meine Kinder und Enkel. Wir Menschen vermögen nur zu bestehen, wenn einer dem andern die Hand reicht. Siehe, ich bin ein einfacher Mann, aber wir haben ein Sprichwort: Gefährten oder Tod."

Alle Sendungen in Hörfunk und Fernsehen wollen täglich daran erinnern, dass wir die Schätze unseres Lebens weiterzugeben haben an die kommenden Generationen. Dazu bedarf es nicht nur der pfiffigen Rede und der eindrucksvollen Bilder, sondern auch der Geduld, das Gepflanzte wachsen zu lassen. Nichts können wir erzwingen und uns verfügbar machen. Alles braucht seine Zeit. Eugen Roth sagt es in seiner Art:

Zu fällen einen schönen Baum,
braucht's eine halbe Stunde kaum.
Zu wachsen, bis man ihn bewundert,
braucht er, bedenk es, ein Jahrhundert.

Der Psalmist meint aus der Erfahrung seiner Lebenstage heraus: "Unser Leben währt siebzig Jahre, und wenn es hoch kommt, sind es achtzig. Unsere Tage zu zählen, lehre uns! Dann gewinnen wir ein weises Herz." (Ps. 90) Diese Weisheit des Herzens kann von vielen Kanälen her gespeist werden. Hörfunk und Fernsehen gehören sicher dazu.

Zuletzt aktualisiert: 13. April 2011, 12:08 Uhr

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