Wintertrilogie | MDR FIGARO | 06.02.2012 | Teil 2 : Fernwärme
Teil 2 der Wintertrilogie: Ein FIGARO-Thementag zur Liebe über die Distanz hinweg
In globalisierten Zeiten nehmen Fernbeziehungen zu. Der Soziologe Ulrich Beck hat gerade gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth Beck-Gernsheim ein Buch darüber geschrieben. Wie wärmt man einander, ohne sich nah zu sein? Durch Briefe, Telefonate, heute natürlich durch E-Mails und kleine SMS-Funken. Ein Thementag zur "Fernwärme" bei FIGARO mit Gesprächen, Rezensionen, literarischen Zitaten aus Briefwechseln - zum Nachhören und -lesen.
Briefwechsel
181 Briefe von Paul Celan und Ingeborg Bachmann
Sie waren das wohl meistbewunderte und rätselhafteste Paar der Nachkriegsliteratur, das einen ebenso berückenden wie erschütternden Briefwechsel hinterlassen hat: Paul Celan und Ingeborg Bachmann. Die Liebe zwischen den beiden begann im Wien der Nachkriegszeit, Bachmann studierte dort Philosophie, für Paul Celan war Wien eine Zwischenstation. Im Mai 1948 lernten sie sich kennen, Ende Juni ging er nach Paris.
Ihr Briefwechsel nach der Trennung war zuerst zögerlich, dann setzte er sich fort in immer neuen dramatischen Phasen. Jede dieser Phasen hat ihr eigenes Gesicht, ihren besonderen Ton, ihre Themen, ihre Hoffnungen, ihre Dynamik, ihre eigene Form des Schweigens. Die Briefe enden 1961, als die beiden sich wegen Celans psychischer Krise überwarfen.
Die jungen Schauspieler Johanna Wokalek und Jens Harzer lassen uns die Jahre des Verliebtseins und Entliebens durch ihre Lesung der 181 Briefe nachfühlen: Die Versuche, sich aneinander zu wärmen, das Verstehen und die Missverständnisse über die Distanz hinweg. FIGARO stellt den Briefwechsel vor.
Die Soziologie der Fernliebe
Lebensformen im globalen Zeitalter
Die Globalisierung verändert viele unserer Lebenslagen, darunter die intimsten. Liebesbeziehungen können heute über große geografische Distanzen bestehen: Paare sind sich innerlich nahe und zugleich räumlich weit voneinander entfernt. Die moderne Kommunikationstechnik im Internet wie auch die räumliche Mobilität in der modernen Gesellschaft ermöglichen das. Man mag sich nicht vorstellen, wie sich eine Liebe über große Entfernung hinweg hätte festigen können in einer Gesellschaft, in der es keine Internet-Bild-Telefonie gab, es überhaupt an Telefonanschlüssen mangelte und die Post von A nach B mehrere Tage dauerte.
Mit der Möglichkeit der Liebe über Grenzen hinweg wandelt sich aber auch die Form der Liebe selbst. Aus der Nahliebe wird die Fernliebe, schreiben Elisabeth Beck-Gernsheim und Ulrich Beck in ihrem neuen Buch über Lebensformen im globalen Zeitalter. Die beiden Soziologen, seit vielen Jahren miteinander verheiratet, kennen die Fernliebe aus eigener Erfahrung. Ulrich Beck pendelt zwischen München, Paris, London und Harvard hin und her, seine Frau ist Professorin in Norwegen. FIGARO-Autor Niels Beintker hatte Glück, dass er immerhin einen der beiden renommierten und vielreisenden Gesellschaftsforscher zum Interview treffen konnte. Mit Ulrich Beck sprach er über den Wandel der Liebe in einer globalisierten Welt.
Angaben zum Buch:
Ulrich Beck, Elisabeth Beck-Gernsheim: Fernliebe - Lebensformen im globalen Zeitalter, Suhrkamp 2011, Gebunden, 280 Seiten, ISBN: 978-3-518-42232-8
Eine Seemannsbraut im Interview
"Eine 40.000 Kilometer lange Liebesgeschichte"
Seemanns Braut ist die See? Nicht ganz. Denn Seeleute haben oft Bräute, die zurückbleiben, wenn die Schiffe ablegen. Manchmal für ein paar Wochen, manchmal für viele Monate. Die Berliner Journalistin Nancy Krahlisch weiß, was Warten heißt. Seit zehn Jahren ist sie immer wieder damit konfrontiert, dass Ihr Freund auf See ist – muss um ihn bangen, weil er womöglich durch Hurrikans fährt oder auf somalische Piraten trifft, muss sich Willkommensfeste überlegen, wenn er mal wieder zu Hause eintrifft, muss mit der Einsamkeit fertig werden, wenn ihr Kapitän in entlegenen Winkeln der Erde herumschippert, in denen das Handy partout nicht funktionieren will.
Im FIGARO-Interview erzählt die Seemannsbraut, welches Herzklopfen eine SMS-Benachrichtigung auf dem Handydisplay bedeutet, wie einsam man sich zu Weihnachten oder Silvester fühlen kann, wie es die Seemannsbraut mit der Treue hält und wie sie darauf gekommen ist, über all das nun ein Buch zu schreiben.
Angaben zum Buch:
Nancy Krahlisch: Seemannsbraut. Eine 40.000 Kilometer lange Liebesgeschichte, Knaur, 304 Seiten, ISBN 978-3-426-65512-2
Partnerbörsen: Lust auf lose Bindungen
Das Internet und die Liebe aus der Sicht der Soziologie: "Sex@mour"
Nie war es leichter als heute, schnell, diskret und unverbindlich einen Sexpartner zu finden – und zwar über das Internet. Allerdings: Was als Fernbeziehung beginnt, muss nicht immer in eine reale Begegnung münden. Ein Viertel aller User, die in Online-Partnerbörsen Kontakt miteinander aufnehmen, kommen nie zusammen – aus Angst vor der realen Begegnung. Und für die, die sich treffen, stellt sich oft die Frage, ob es nicht besser ist, den Partner auf Distanz zu halten. Viele suchen nach einem Netzwerk loser Bindungen, in dem man sich zum Sex trifft, wann man Lust hat, ohne die Verbindlichkeit fester Beziehungen. Doch macht das glücklich? Der französische Soziologe Jean-Claude Kaufmann ist in seinem Buch "Sex@mour" dieser Frage nachgegangen. FIGARO-Autorin Vera Linß hat den Franzosen getroffen.
Angaben zum Buch:
Jean-Claude Kaufmann: Sex@mour. Wie das Internet unser Liebesleben verändert, UVK Verlag, 194 Seiten, broschiert, ISBN 978-3-86764-283-5
Ferne Lieben in der Popmusik
Es lebe die Fernbeziehung, solange die Musik stimmt!
Früher war das höchste romantische Streben in der Liebe, so nah beieinander zu sein wie möglich. Falls es sich denn um eine romantische Verbindung handelte und nicht um eine pragmatische (die bis heute in den meisten Fällen länger hält).
Heute ist die Fernbeziehung Alltag geworden, für viele sogar ein moderner Entwurf des Zusammenlebens, der die Beziehung frisch hält und die Beteiligten im besten Falle künstlerisch kreativ werden lässt. Es lebe die Fernbeziehung! – meint FIGARO-Musikexperte Stefan Maelck – zumindest so lange, wie gute Kunst daraus entsteht, vor allem gute Songs.
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In diesem Artikel:
Wintertrilogie bei FIGARO
Teil 1
Thementag "Eisliebe"
20. Januar 2012
Teil 2
Thementag "Fernwärme"
6. Februar 2012
Teil 3
Thementag "Schriftverkehr"
14. Februar 2012
Literatur/Hörbücher
Herzzeit. Ingeborg Bachmann, Paul Celan: Briefwechsel. Gelesen von Johanna Wokalek und Jens Harzer. Speak low 2009, 4 CDs, 318 Minuten, Booklet 24 Seiten. 26,80 Euro.
Manfred Theisen: Der Liebescode. Von Steinzeitgenen und Liebeshormonen. Die Spielregeln unserer Leidenschaft. Droemer 2007, 256 Seiten.
Ulrich Beck und Elisabeth Beck-Gernsheim. Fernliebe. Lebensformen im globalen Zeitalter. Suhrkamp Verlag 2011, 280 Seiten, 19,90 Euro.
Nancy Krahlisch: Seemannsbraut. Eine 40.000 Kilometer lange Liebesgeschichte. Knaur Verlag 2012, 304 Seiten, 16,99 Euro.
Jean-Claude Kaufmann: Sex@mour. Wie das Internet unser Liebesleben verändert. UVK Verlag 2011, 194 Seiten, 19,99 Euro.
Dorit Kowitz: Kommst du Freitag? Mein wunderbares Fernbeziehungsleben. Herder Verlag 2011, 160 Seiten, 16, 95 Euro.
"Meine liebe Li!" Briefwechsel 1937-1946 von Werner und Elisabeth Heisenberg. Residenz Verlag 2011, 349 Seiten, 26,90 Euro.
Rainer Moritz und Ole Könnecke: Der kleine Fernbeziehungsberater. Sanssouci im Carl Hanser Verlag 2006, 72 Seiten, 9,90 Euro.
