MDR FIGARO-Café | 04.12.2012 | Zum Nachhören : Warum lieben wir Märchen?
200 Jahre "Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Grimm
Die Märchen der Brüder Grimm begleiten viele kleine und große Menschen ein Leben lang. Seit über 500 Jahren erzählen sich Menschen Märchen. Noch heute ist die Liebe zum Märchen ungebrochen. Doch warum? Über die Kraft von Märchen in der Welt, übers Märchenerzählen und -erforschen sind Silke Fischer vom Zentrum für Märchenkultur, Schauspielerin Corinna Waldbauer und der renommierte Märchenforscher Prof. Heinz Rölleke im Gespräch im MDR FIGARO-Café.
"Es war einmal ...", vertraut klingen diese Worte bis heute. Da die wenigsten seinerzeit lesen konnten, zogen Erzähler übers Land. Zum Zeitvertreib oder auch während der Arbeit wurden diese Geschichten weitererzählt und immer ein wenig abgewandelt. Kinder sollten durch sie nicht nur unterhalten, sondern auch erzogen werden. Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm kamen während ihrer Studienzeit in Marburg auf die Idee, die mündlichen Überlieferungen vor dem Vergessen zu bewahren und sie als Buch verfasst für die Nachwelt zu erhalten.
1806 kehrten sie vom Studium nach Kassel zurück und machten sich an die Arbeit. An die 50 Märchenerzählerinnen und -erzähler standen ihrem Vorhaben zur Seite. Am 20. Dezember 1812, kurz vor Weihnachten, erschienen die "Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Grimm.
Doch erst Jahre später fanden die inzwischen überarbeiteten, um zahlreiche Geschichten erweiterten und teilweise auch illustrierten "Kinder- und Hausmärchen" ihre begeisterte Leserschaft.
Märchenforschung am Ende?
Die wundersamen und manchmal auch grausamen Geschichten wurden in 160 Sprachen übersetzt und gehören zur Weltliteratur. Und nach 200 Jahren lieben sie die Menschen immer noch. Warum? Was geben sie fürs Leben mit? Der emeritierte Germanist, Märchenforscher und Volkskundler Prof. Heinz Rölleke erhält im Jubiläumsjahr den Europäischen Märchenpreis 2013 und den Thüringer Märchen- und Sagenpreis 2013. Er gehört zu den weltweit bedeutendsten Märchenforschern und hat mehr als 60 Bücher veröffentlicht, vornehmlich grundlegende historisch-kritische Ausgaben zu den "Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Grimm.
Ist das Feld damit endgültig erforscht? Was lässt sich zusammenfassend zur Rezeption sagen? Welche entlegenen Quellen hat er auftun können? Jacob und Wilhelm Grimm waren Rechtsgelehrte und Bibliothekare, Schriftsteller und Spracharchäologen, Hochschullehrer, Universalgelehrte. Gelten sie auch als Begründer der Germanistik?
Märchenerzählen als Herausforderung
Die Vorweihnachtszeit ist einmal mehr Märchenzeit. Im Theater und Ballett, im Radio und Fernsehen werden Märchen der Brüder Grimm angeboten, in historischer Fassung, aber auch in neuer Interpretation. Die in Leipzig lebende Schauspielerin Corinna Waldbauer ("Tatort") hat im Laufe ihres Berufslebens einige Märchen-Rollen übernommen, auch MDR FIGARO-Produktionen lieh sie ihre Stimme. Was sind die Herausforderungen fürs Erzählen im Radio im Vergleich zum Spiel auf der Theaterbühne oder fürs Fernsehen? Welche Figuren liegen ihr näher, gute oder böse? Welche Bedeutung hat für sie das Märchen?
So lebendig sind Märchen
Silke Fischer gründete 2004 zusammen mit Monika Panse in Berlin den "Märchenland e.V. - Deutsches Zentrum für Märchenkultur", um das Kulturgut Märchen weiter in das Bewusstsein der Gesellschaft zu tragen und zu erhalten. Europaweit organisiert "Märchenland" mehr als 1.500 Veranstaltungen. Gerade sind die 23. Berliner Märchentage zu Ende gegangen. Kamen nur Kinder? Welchen Bekanntheitsgrad haben die Märchen der Brüder Grimm in anderen europäischen Ländern oder welche Märchen werden dort erzählt?
Angaben zur Sendung
MDR FIGARO-Café
Thema:
Warum lieben wir Märchen?
200 Jahre "Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Grimm
Ort: UT Connewitz, Wolfgang-Heinze-Str. 12A 04277 Leipzig (Eintritt frei)
Sendung:
So., 02.012.2012, 16:05-17:30 Uhr
Wiederholung:
Di., 04.12.2012, 22:05-23:30 Uhr
Gäste:
• Silke Fischer, Direktorin von Märchenland e.V., Deutsches Zentrum für Märchenkultur, Berlin
• Corinna Waldbauer, Schauspielerin, Leipzig
• Prof. Heinz Rölleke, Germanist, Märchenforscher und Volkskundler, Neuss
Moderation: Thomas Bille
Redaktion: Angelika Zapf
Musik: Stephan König, Piano
