Lebensart

Sinn- und Glaubensfragen | MDR FIGARO | 23.02.2013 | 17:05 Uhr : Der Papst aus evangelischer Sicht

Nachdem Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt bekanntgab, wunderten sich viele, dass so etwas überhaupt möglich ist, dass ein Papst überhaupt zurücktreten kann. Mit seinem Entschluss habe Benedikt XVI. das Papst-Amt evangelischer werden lassen, schrieben daraufhin die Kommentatoren. Aber was heißt das? Mechthild Baus hat bei der Professorin für evangelische Theologie, Miriam Rose nachgefragt.

Papst Benedikt XVI

Dass Benedikts XVI. durch seinen Rücktritt das Amt des Papstes in gewisser Weise evangelischer werden lassen hat, wie viele Kommentatoren titelten, möchte Miriam Rose, Professorin für evangelische Theologie an der Universität Jena, so zugespitzt nicht sehen.

Fokus auf Kompetenten und Fähigkeiten

Vielmehr sei das Amt "christlicher" geworden. Denn durch den Rücktritt werde seine Funktion herausgestellt: "Die Person muss sich in ihren Kompetenzen und Fähigkeiten im Amt messen lassen. Das Amt muss sich nicht mehr an die Person anpassen." Das sei der christlichen Botschaft von der Gleichheit aller Menschen angemessener. Insofern habe der Papst durch seinen Rücktritt "Außerordentliches" geleistet.

Kritisch bilanziert die Theologin die Amtszeit des scheidenden Papstes mit Blick auf die Ökumene. Benedikt habe die katholischen Vorbehalte gegenüber den Protestanten "sehr deutlich" artikuliert. Insofern habe es im Dialog zwischen evangelischer und katholischer Kirche "keine Fortschritte, aber eine sehr große Ehrlichkeit" gegeben. Inzwischen sei die Ökumene in vielen Bereichen so fest verankert und stabil, dass sie durch den Papst keinen großen Schaden genommen habe. Allerdings hätten die Ökumene-Skeptiker innerhalb der anderen Kirchen Auftrieb bekommen, was den Dialog über das Pontifikat Benedikts hinaus erschweren werde.

Was sagt die Tradition der Reformatoren über den Papst?

Martin Luther hatte ihn als "Antichrist" bezeichnet, weil sich der Papst über die Bibel und die Gesamtheit der Bischöfe gestellt habe. Ein Vorwurf, den die lutherische Seite inzwischen zurückgenommen hat, da er, so Miriam Rose, "der polemischen Auseinandersetzung der damaligen Zeit" zu verdanken war.

Rein theoretisch, so die Theologin, sei ein Papst auch für die evangelische Kirche vorstellbar. Das Amt müsse dann aber "rein pastoral" ausgeübt werden. Der Papst dürfe weder Lehrautorität, noch rechtliche Möglichkeiten besitzen und auch nicht in einzelne Kirchen eingreifen. Das aber, so schlussfolgert die Theologin, "würde die Gestalt des Papsttums so verändern, dass davon gar nichts mehr übrig bleibt."

Zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2013, 11:01 Uhr

Angaben zur Sendung

Sinn- und Glaubensfragen: "Der Papst aus evangelischer Sicht"

Sendung:
Sa, 23.02.2013 | 17:05 Uhr

Redaktion: Mechthild Baus
Moderation: Mechthild Baus

Themen der Sendung

17:10 Uhr
Das Papstamt aus evangelischer Sicht - Interview mit Miriam Rose, Professorin für evangelische Theologie an der Universität Jena

17:20 Uhr
Ausstellung im Leipziger Grassimuseum: Epitaphien aus der gesprengten Paulinerkirche

17:30 Uhr
Religion aktuell

17:40 Uhr
Polizisten im Zwiespalt - Polizeiseelsorger tagen in Wittenberg

17:50 Uhr
Stille Post
Rachel Varnhagen: "Immer Gerechtigkeit für andere, Mut für uns selbst. Das sind zwei Tugenden, worin alle anderen bestehen."

© 2013 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK