Thementag | MDR FIGARO | 28.06.2012 : Kennen Sie Rousseau?
Er gilt als einer der bedeutendsten Philosophen der Aufklärung und als Wegbereiter der Französischen Revolution: Jean-Jacques Rousseau. Am 28. Juni ist sein 300. Geburtstag. MDR FIGARO widmet ihm einen Thementag.
Jean-Jacques Rousseau war Philosoph und Schriftsteller. Als Vertreter der Aufklärung trat er für eine individuelle Freiheit und gegen den Absolutismus von Kirche und Staat ein. Mit seinen Schriften beeinflusste er Pädagogen, Philosophen und Schriftsteller.
Auf Wanderschaft
Jean-Jacques Rousseau wurde am 28. Juni 1712 in Genf geboren. Seine protestantischen Vorfahren waren aus Frankreich ins schweizerische Exil gegangen. Seine Mutter verstarb kurz nach der Geburt. Mit zehn Jahren kam er zu einen Pfarrer. Hier verlebte Rousseau eine schwere und unglückliche Kindheit.
Mit knapp 16 Jahren ging Rousseau auf Wanderschaft und lernte in Anneny Madame Louise de Warens, eine zum Katholizismus konvertierte Calvinistin kennen. Er wurde ihr Sekretär und Gefährte; unter ihrem Einfluss konvertierte er zum katholischen Glauben und ging kurz darauf erneut auf Reisen. 1742 ließ sich Rousseau in Paris nieder. Hier lernte er den Philosophen Denis Diderot kennen. 1755 erschien Rousseaus Schrift "Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen" ("Discours sur l'origine et les fondements de l'inégalité parmi les hommes"), in der er den Ursprung und die Grundlage der Ungleichheit unter den Menschen beschrieb.
Lehre von der Souveränität des Volkes
1762 beschrieb Rousseau in seiner Abhandlung "Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des politischen Rechtes" ("Du contrat social ou principes du droit politique") die gesellschaftlichen Grundregeln des Staatsrechts und verkündete die Lehre von der Volkssouveränität, die die Französische Revolution entscheidend bestimmte. Im selben Jahr erschien Rousseaus Erziehungsroman "Emile oder über die Erziehung" ("Émile ou de l'éducation"), in dem er für tolerante Erziehungsmethoden eintrat. Darüber geriet er mit der französischen und schweizerischen Obrigkeit in Konflikt - er floh zunächst nach Preußen und reiste später weiter nach England. 1768 kam Rousseau unter einem Decknamen nach Frankreich zurück und veröffentlichte 1770 sein autobiografisches Werk "Bekenntnisse" ("Confessiones").
1768 hatte Rousseau die Französin Thérèse Levasseur geheiratet. Gemeinsam bekamen sie fünf Kinder, die alle im Waisenhaus aufwuchsen. Jean-Jacques Rousseau starb am 2. Juli 1778 im französischen Ermenonville.
Die Beiträge bei MDR FIGARO
Bereits seit Montag gibt es im Journal am Morgen eine kleine Serie mit Auszügen aus Rousseaus Roman ""Emile oder über die Erziehung":
Das Kalenderblatt 6:40 Uhr porträtiert Jean-Jacques Rousseau und fragt, wie revolutionär und unkonventionell Rousseau wirklich war. Im Gespräch 8:40 Uhr behandelt Literaturkritiker Tilman Krause die wichtigsten Wendepunkte in Rousseaus Leben und erklärt dessen Wirkung zu Lebzeiten und heute.
Im Journal am Nachmittag ist der Schriftsteller Karl-Heinz Ott zu Gast. Er hat einen Roman über Rousseau verfasst und spricht über die Rousseauschen Widersprüche, etwa, dass der Pädagoge Rousseau seine Kinder ins Waisenhaus gab. Außerdem haben wir den Kulturwissenschaftler Prof. Hans-Jürgen Lüsebrink zum Gespräch geladen, um mit ihm über die Ikone Rousseau zu reden. Und Figaro am Abend nimmt sich noch einmal intensiv den Philosophen und Schriftsteller in drei Diskursen vor.
Ausführliche Informationen zu Jean-Jacques Rousseau bietet das ARD-Spezial "Gesellschaft macht den guten Menschen schlecht":
Buchtipps
Karl-Heinz Ott: "Wintzenried"
Roman, 205 Seiten,
Hamburg: Verlag Hoffmann und Campe 2011,
ISBN: 978-3-455-40311-4
Hans-Jürgen Lüsebrink: "Das Europa der Aufklärung und die außereuropäische koloniale Welt"
408 Seiten,
Göttingen: Wallstein-Verlag 2006,
ISBN: 978-3-8353-0021-7
