MDR FIGARO

Der Osten - Entdecke, wo du lebst | 07.05.2013 : Hitlers letzte Opfer - Leipzig und das Kriegsende

Leipzig im April 1945. Stück für Stück arbeiten sich die amerikanischen Soldaten von Westen Richtung Innenstadt vor. Der Kriegsfotograf Robert Capa begleitet die GIs und dokumentiert das Kampfgeschehen mit seiner Kamera. Sein Bild "Der letzte Tote des Krieges" wird zur Ikone. Heute sucht Axel Bulthaupt die Schauplätze auf, an denen 1945 in Leipzig der Krieg zu Ende ging. Und er verrät, wo Robert Capas Foto entstand.

Axel Bulthaupt im Capa-Haus, Leipzig

Leipzig ist die letzte große Stadt in Deutschland, die von den Amerikanern im April 1945 befreit wird. Drei Tage dauern die Kämpfe um die Hoheit in der Stadt. Vor allem um das Völkerschlachtdenkmal und das Neue Rathaus wird in diesen letzten Tagen des Dritten Reichs erbittert gekämpft. Im Rathaus hat sich die Naziführung mit zweihundert Soldaten verbarrikadiert. In der Stadt bilden Straßenbahnwaggons als Panzersperren die letzte Verteidigungslinie der deutschen Truppen. Den dreißigtausend GIs stehen nur rund dreitausend zumeist militärisch unausgebildete Männer gegenüber, die Leipzig mit seinen 750.000 Einwohnern und Zehntausenden Flüchtlingen verteidigen sollen. Doch viele Leipziger haben allen Durchhalteparolen zum Trotz weiße Fahnen aus den Fenstern gehängt.

"Last man to die" - Der letzte Tote des Krieges

Unter den amerikanischen Soldaten, die in den frühen Morgenstunden des 18. April 1945 die Stadtgrenze überqueren, sind auch Lehman Riggs und sein Kamerad Raymond J. Bowman. Ihre Einheit erhält den Befehl, von den oberen Etagen des Hauses Jahnallee 61 mit ihren Maschinengewehren die vorrückenden Einheiten abzusichern. Begleitet werden die amerikanischen Truppen auch von Kriegsfotografen. Inmitten der Kämpfe machen sie Jagd auf spektakuläre Aufnahmen.

Eine Frau geht im Martin-Gropius-Bau in Berlin in der Ausstellung "Retrospektive" von Robert Capa an einem Plakat vorbei
Robert Capa (1913-1954)

Eines der bekanntesten Fotos entsteht in der Jahnallee 61, dem heutigen Capa-Haus. Der legendäre Kriegsfotograf Robert Capa war es, der genau in dem Augenblick auf den Auslöser drückte, als Riggs Kamerad Bowman von einer deutschen Kugel tödlich getroffen wurde. "Last man to die" - "Der letzte Tote des Krieges", unter diesem Titel wurde das Foto weltberühmt und mit ihm das Haus, in dem es entstanden ist. Doch Raymond J. Bowman blieb nicht der letzte Tote des 2. Weltkriegs. An jenem 18. April 1945 starben allein in Leipzig Hunderte weitere Menschen. Deutsche und Amerikaner, Soldaten und Zivilisten. Schusswechsel im Rathaus, am Völkerschlachtdenkmal, überall in und vor der Stadt forderten weitere Opfer. 67 Jahre später kehrt US-Veteran Lehman Riggs noch einmal dorthin zurück, wo sein Kamerad 1945 gefallen ist.

"Er stand mir sehr nah, fast wie ein Bruder. Wenn du eine Zeit lang gemeinsam mit anderen kämpfst, werden sie zu einem Teil deines Lebens, wie eine Familie. Und es ist sehr traurig, wenn du einen von ihnen verlierst."

Lehman Riggs

Bildergalerie: Zeitzeugen blicken zurück

Hitlers letzte Opfer - Leipzig und das Kriegsende Karlheinz Krabbes Harald Wild

Karlheinz Krabbes, Harald Wild und Lehmann Riggs, waren dabei, als im April 1945 in Leipzig der Krieg zu Ende ging. Sie erzählen, was sie erlebten. [Bilder]


Robert Petzold in seinem Zimmer
MDR FERNSEHEN

Robert Petzold erinnert sich

Der damals zwölfjährige Robert Petzold wohnt 1945 mit seiner Familie im zweiten Stock des Hauses Jahnallee 61 - jene Wohnung, in der der GI starb und Robert Capa sein Foto schoss.

07.05.2013, 20:45 Uhr | 00:39 min

Jahnallee 61 - Ein historischer Ort verschwindet

Lehman Riggs und Axel Bulthaupt vor dem Capa-Haus in Leipzig
US-Veteran Lehman Riggs und Axel Bulthaupt vor dem Capa-Haus in Leipzig

In den frühen Morgenstunden des 20. April legen die deutschen Soldaten im Völkerschlachtdenkmal als letzte die Waffen nieder. Der Kampf um Leipzig ist vorbei und die meisten Bürger der Stadt begrüßen die amerikanischen Soldaten als Befreier. In der ersten Nachkriegsausgabe des amerikanischen "Life"-Magazins werden die Fotos veröffentlicht, die Robert Capa an jenem schicksalhaften Apriltag in Leipzig gemacht hat. Am 1. Juli 1945 ziehen sich die Amerikaner aus der Stadt zurück. Einen Tag später kommt die Rote Armee und Leipzig ist nun Teil der sowjetischen Besatzungszone. Das Haus, in dem das berühmte Foto vom "letzten Toten des Krieges" entstand, gerät schnell in Vergessenheit. Ohnehin passt die Befreiung der Stadt durch die Amerikaner nicht in das ideologische Bild der Mächtigen in der DDR. Heute befindet sich das Haus in der Jahnallee 61 noch in einem beklagenswerten Zustand. Lange war seine Zukunft ungewiss. Nun soll das geschichtsträchtige Gebäude denkmalgerecht saniert werden - der Bauantrag ist zumindest gestellt.

MDR FERNSEHEN

Lehman Riggs in seiner Uniform

Lehman Riggs besitzt noch immer seine alte Uniform, "aus sentimentalen Gründen", wie er sagt. Ziemlich eng sitzt sie heute, ist aber im Originalzustand.

07.05.2013, 20:45 Uhr | 01:12 min

Zuletzt aktualisiert: 09. April 2013, 15:07 Uhr

Wiederholung der Sendung

08.05.2013 | 02:20 Uhr
08.05.2013 | 05:45 Uhr

Mehr über Robert Capa

Robert Capa wurde 1913 in Budapest als Endre Ernö Friedmann geboren. 1931 wurde er bei einer Demonstration gegen Diktator Horthy festgenommen und ausgewiesen. Capa ging nach Deutschland und begann, Politikwissenschaft in Berlin zu studieren. In dieser Zeit fing er an, sich mit Fotografie zu beschäftigen. 1933 emigrierte Capa nach Paris und arbeitete als Fotograf. Hier lernte er David Seymour und Henri Cartier-Bresson kennen, mit denen er 1947 die Fotoagentur "Magnum" gründen sollte.

Mit seiner Lebensgefährtin Gerta Pohorylle, die sich das Pseudonym Gerda Taro zugelegt hatte, und unter seinem neuen Namen ging Capa 1935 für eine Fotoreportage nach Spanien. Aufnahmen aus dem Spanischen Bürgerkrieg, die das "Life"-Magazin veröffentlichte, machten Capa bekannt. Taro verlor in Spanien ihr Leben.

1939 siedelte Capa in die USA über, kehrte aber bald als Kriegsberichterstatter nach Europa zurück. 1948 bis 1950 entstehen Fotoreportagen über Israel, Ungarn, Polen und die Tschechoslowakei. 1954 ging Capa als Fotoreporter für das "Life"-Magazin nach Französisch-Indochina. Dort starb er durch eine Landmine.

© 2014 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK