Literatur & Film

Buch der Woche | MDR FIGARO | 02.10.2012 | Audio : Richard Ford - "Kanada"

von Ralph Gambihler

Richard Ford, einer der großen Autoren der US-amerikanischen Literatur, erzählt in seinem neuen Roman "Kanada" von Verlusterfahrung und Neubeginn. Und er beschreibt damit auch die Geschichte einer gestohlenen Jugend. MDR FIGARO-Literaturkritiker Ralph Gambihler stellt den Roman vor.

Der US-Schriftsteller Richard Ford
Der US-Schriftsteller Richard Ford

Richard Ford, mittlerweile 68 Jahre alt, wurde international mit einer Figur bekannt, in der sich viele Menschen wiederfinden konnten. Die Figur ist männlich und heißt Frank Bascombe; Berufswunsch: Schriftsteller; Beruf: Sportreporter und Immobilienmakler. Der Mann war sichtlich Durchschnitt und so brauchte sich auch niemand zu wundern, wenn ihm bei nächster Gelegenheit wieder mal das eigene Mittelmaß in die Quere kam und dafür sorgte, dass Träume Träume blieben.

"Mit den drei Frank Bascombe-Romanen 'Der Sportreporter', 'Unabhängigkeitstag' und 'Die Lage des Landes' wurde der Pulitzer-Preisträger Richard Ford ein Großer seines Fachs."

Ralph Gambihler, MDR FIGARO-Literaturkritiker

Schwierige Familienverhältnisse

Richard Fords neuer Held ist ein 15-jähriger Junge. Er heißt Dell Parsons, lebt in einer Kleinstadt im Nordwesten der USA, hat eine Zwillingsschwester und wird in familiären Verhältnissen groß, die nur äußerlich geordnet scheinen. Die Mutter, eine verhinderte Intellektuelle, arbeitet als Lehrerein. Der Vater hat seinen Dienst bei der Air Force vorzeitig quittiert und beteiligt sich an kleinen illegalen Geschäften. Die Eltern passen nicht zusammen, die Ehe ist daher schwierig.

Zwangsweise Neujustierung des Lebens

In einem Anfall von Dummheit plant der Vater einen Bankraub und nötigt die Mutter zum Mitmachen. Die Sache geht natürlich schief, die beiden werden Tage nach der Tat gefasst und müssen ins Gefängnis. Damit fällt Dell, der brave, kluge, zurückhaltende Teenager, quasi ins Nichts. Anfangs klammert er sich an seine Zwillingsschwester Berner, doch schon bald findet er sich in einem kanadischen Kaff am Ende der Welt wieder, wo ihm nichts anderes übrig bleibt, als sich anzupassen und sein Leben neu zu erfinden.

"'Kanada' ist eine Geschichte über Verlust und Neubeginn. Mit großem erzählerischen Atem schildert Richard Ford diesen Fall einer gestohlenen Jugend, der vor allem vom Überschreiten äußerer und vom Überwinden und Hinter-sich-Lassen innerer Grenzen handelt."

Ralph Gambihler, MDR FIGARO-Literaturkritiker

MDR FIGARO - Das Buch der Woche zum Nachhören

Zuletzt aktualisiert: 05. Juni 2012, 18:15 Uhr

Angaben zum Buch

"Kanada" von Richard Ford
aus dem Englischen übersetzt von Frank Heibert
464 Seiten, gebunden
Hanser Berlin
ISBN: 978-3446240261

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