Literatur & Film

Buch der Woche | MDR FIGARO | 06.11.2012 | Audio : John Irving - "In einer Person"

In diesem Jahr feierte John Irving seinen 70. Geburtstag. Er belohnt sich und seine Leser mit einem neuen Roman. Dieser ist ein typischer "Irving", jedoch mit ungewohnt düsterem Beiklang.

John Irving
Der Schriftsteller und Ringer John Irving

Mit Büchern wie "Garp und wie er die Welt sah" oder "Gottes Werk und Teufels Beitrag" wurde der 1942 in Exeter in New Hampshire geborene amerikanische Autor John Irving weltberühmt. Mehrere seiner Romane wurden mittlerweile verfilmt, "Gottes Werk und Teufels Beitrag" erhielt sogar einen Oscar.

Schon als Kind wusste Irving offensichtlich genau, was er wollte: Schriftsteller werden - und Ringer! Beides setzte er in die Tat um. Wohl daher findet sich in seinen Büchern immer wieder auch ein sympathischer Titelheld, der dem Sport des Ringens zugeneigt ist. Auf seinem Anwesen hat Irving mittlerweile sogar eine eigene Ringersporthalle stehen.

Gewohntes und Ungewohntes

Und auch in seinem neuen Roman bleibt sich Irving treu. Sein Titelheld William Abbot erinnert auffällig an Irving selbst. Er ist im gleichen Jahr 1942 wie Irving geboren. Ebenfalls ist er ein Ringer und ein Schriftsteller. Und ebenfalls wie immer gibt es neben diesen Gemeinsamkeiten auch sehr viele Unterschiede zwischen der Roman-Hauptfigur und dem Schriftsteller.

"'In einer Person' ist einerseits ein typischer Irving-Roman, jedoch bekommt er ab dem zweiten Drittel eine ungewohnt düstere Note, indem zahlreiche Protagonisten der Krankheit AIDS zum Opfer fallen."

Stefan Maelck, MDR FIGARO-Literaturkritiker

Die Hauptfigur William ist bisexuell und entdeckt mit dreizehn Jahren seine erwachende Sexualität mit der Bibliothekarin Miss Frost, die früher als Mann und Ringer erfolgreich war. Sie führt ihn zu einer anderen wichtigen Entdeckung, seiner Liebe für die Literatur.

Mit 27 Jahren geht William dann nach New York. Es ist das Jahr 1967 und die Zeit der sexuellen Revolution. Dort findet er seinen verloren geglaubten Vater und es stellt sich heraus, dass dieser eigentlich schwul ist und die Zeugung von William ein "Unfall" war. Als dann jedoch die 1980er-Jahre beginnen und die Immunschwächekrankheit AIDS ein Menschenleben nach dem anderen fordert, bekommt der Roman eine für Irving ungewohnt düstere Note.

"Ich finde, es ist einer seiner besten Romane, der sich allerdings dadurch unterscheidet, dass man bei allen anderen großen Irving-Romanen möchte, dass sie nie aufhören. Bei 'In einer Person' wünscht man sich im letzten, so wahnsinnig traurigen Drittel, dass man nun endlich mit dem berühmten letzten Satz belohnt wird, der, von Irving immer zuerst geschrieben wird. Denn es wird im letzten Drittel so traurig, dass man die Lektüre wirklich kaum erträgt."

Stefan Maelck, MDR FIGARO-Literaturkritiker


Die zuletzt vorgestelten Bücher der Woche


Zuletzt aktualisiert: 05. Juni 2012, 18:15 Uhr

Angaben zum Buch

John Irving - "In einer Person"
Roman
Übersetzt von Hans M. Herzog und Astrid Arz
736 Seiten, gebunden
Diogenes Verlag
ISBN: 978-3257068382

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