Buch der Woche | MDR FIGARO | 04.12.2012 | Zum Nachhören : Marie NDiaye - "Ein Tag zu lang"
Dieser Roman ist nicht nur ein unheimlicher Gespensterroman, er spielt auch mit dem zwiespältigen Verhältnis der französischen Hauptstädter mit der Provinz. Tilman Krause stellt das Buch im Audiobeitrag vor.
Die französische Schriftstellerin Marie NDiaye wurde 2009 für ihren Roman "Trois femmes puissantes" ("Drei starke Frauen") mit dem höchsten französischen Literaturpreis ausgezeichnet, dem "Prix Goncourt". Trotz dieser hohen Ehrung wohnt die Tochter eines senegalesischen Vaters und einer französischen Mutter mittlerweile außerhalb der französischen Heimat, in Berlin.
Früher Berufswunsch: Schriftstellerin
Bereits im Alter von 16 Jahren hat Marie NDiaye angefangen, zu schreiben. Schon damals stand ihr Berufswunsch fest, sie wollte Schriftstellerin werden. Ihren ersten Roman "Quant au riche avenir" ("Was die reiche Zukunft betrifft") veröffentlichte die 1967 geborene Autorin im Jahr 1985. Es folgten zahlreiche andere Bücher aber auch einige Theaterstücke.
In Deutschland erscheint nun Marie NDiayes Roman "Ein Tag zu lang". Dies ist reichlich spät, denn in Frankreich kam das Buch "Un temps de saison" bereits 1994 in die Buchläden. Doch erst jetzt wurde es ins Deutsche übertragen.
Der Titel "Ein Tag zu lang" verweist schon auf die Grundkonstellation des Romans. Denn üblicherweise verbringen die Hauptstädter aus Paris in Frankreich ihre Ferien in der Provinz bis maximal zum 1. September. Doch der Titelheld Herman wagt es, einen Tag und sogar noch länger zu bleiben. Daraufhin erfährt er wahrlich Unheimliches, begegnet Geistern und Wiedergängern und wird tief in eine unheimliche Erfahrungswelt hineingesogen. Doch nicht nur die Geister machen ihm zu schaffen, es ist auch die unterschiedliche Lebenswelt in der Provinz, die den zentralistisch denkenden Parisern traditionell fremd und unheimlich ist.
Angaben zum Buch
Marie NDiaye - "Ein Tag zu lang"
Roman
159 Seiten
Suhrkamp Verlag
ISBN: 978-3518423332
