Literatur & Film

Buch der Woche | MDR FIGARO | 18.09.2012 | Audio : Martin Suter - "Die Zeit, die Zeit"

Wie kann man einen schweren Verlust verarbeiten? Und wie wäre es, wenn sich eine Chance auftäte, den geliebten Menschen wieder lebendig zu machen? Martin Suter geht in seinem neuen Roman diesen Fragen nach.

Bestsellerautor und Lebenskünstler Martin Suter
Der Schriftsteller Martin Suter wurde 1948 in Zürich geboren

Obwohl Martin Suter mittlerweile überwiegend im Ausland lebt, gilt er doch als einer der bekanntesten Schweizer Schriftsteller. Dies liegt gewiss auch daran, dass er sich in seinen Büchern gerne den speziellen Gegebenheiten des Lebens in der Eidgenossenschaft widmet. Dass er damit häufig genau den Nerv trifft, mag auch daran liegen, dass er mit seinem Blick von Außen und den eigenen Schweizer Erfahrungen die Verhältnisse präziser wahrnimmt.

"Ich kenne außer Peter Bichsel eigentlich niemanden, der die Alpenrepublik in ihrer Atmosphäre wirklich so dicht zu schildern vermag, wie Suter."

MDR FIGARO-Literaturkritiker Ulf Heise

Präzisierung der Sprache

Eigentlich schreibt Suter eher Bücher, die der gut lesbaren Unterhaltungsliteratur zugeordnet werden. Kritiker werfen ihm bisweilen vor, seine literarische Ausdrucksform würde sich zu oft in Hauptsätzen erstrecken. MDR FIGARO-Literaturexperte Ulf Heise mag diesen Vorwurf nicht teilen, denn diese stilistische Konzentration Suters bewirkt auch eine Präzisierung der Sprache.

Suters neues Buch ist alles andere als schlichte Unterhaltungsliteratur. Es handelt von den schwersten Erfahrungen, die ein Mensch machen kann, dem Tod enger Angehöriger. Der Autor musste diese Erfahrung selbst machen, als 2009 sein Adoptivsohn starb. MDR FIGARO-Literaturexperte Ulf Heise sieht daher Suters neues Buch als eine Art literarischer Aufarbeitung dieses einschneidenden Erlebnisses.

Schwerer Verlust

Der Titelheld des Romans, Peter Taler, verliert seine Frau. Auch ein Jahr nach ihrem gewaltsamen Tod ist er noch nicht darüber hinweg. Er hat sich sein Leben wie in einer Gedenkstätte eingerichtet, in seiner Wohnung nichts verändert und deckt sogar noch den Frühstückstisch für seine Frau mit.

Als er den im Haus gegenüber wohnenden 80-jährigen Knupp kennenlernt, bemerkt er, dass auch dieser einen Verlust zu verarbeiten hat. Seine Frau starb an einer Malaria-Infektion. Doch Knupp versucht, seine Frau wieder zu bekommen. In dem Glauben, dass  er - wenn er nur alles wieder so herrichten würde, wie zum Zeitpunkt ihres Todes - seine Frau wieder lebendig machen würde, beschäftigt er sich tagaus, tagein damit. Und Peter Taler soll ihm dabei helfen.

"Suter beschäftigt sich hier sehr intensiv mit den Wirkungen des Todes, auch auf den Alltag und mit der Sehnsucht, die Sterblichkeit zu überwinden. Wobei er das Sprichwort 'Die Zeit heilt alle Wunden' total konterkariert. Aus meiner Sicht leistet er hier wirklich Trauerarbeit auf eine sehr erstaunliche Art und Weise, die mich auch irgendwo bestürzt hat."

MDR FIGARO-Literaturkritiker Ulf Heise

MDR FIGARO - Das Buch der Woche zum Nachhören

Zuletzt aktualisiert: 05. Juni 2012, 18:15 Uhr

Angaben zum Buch

Martin Suter - "Die Zeit, die Zeit"
Roman
304 Seiten, gebunden
Diogenes Verlag
ISBN: 978-3257068306

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