Literatur & Film

Buch der Woche | MDR FIGARO | 13.11.2012 | Audio : Birgit Vanderbeke - "Die Frau mit dem Hund"

In ihrem neuen Roman beschreibt die Autorin eine Anti-Utopie, in der Kontrolle und Gesundheitswahn das Leben unmenschlich gestalten. MDR FIGARO-Literaturredakteur Michael Hametner stellt das Buch vor.

Birgit Vanderbeke

Birgit Vanderbeke ist für ihre modernen Märchen bekannt, die im Alltag handeln und dennoch eine Prise des Fantastischen haben. Auch ihr neuer Roman reiht sich in dieses literarische Schaffen ein, auch wenn er diesmal über eine ungewohnt dunkle Note verfügt.

Die titelgebende "Frau mit Hund" hat nicht nur diesen Vierbeiner, sondern erwartet auch zweibeinigen Nachwuchs. In der Welt, in der sie lebt, ist dies jedoch problematisch. Sie hat sich in eine Stadt geflüchtet, die den Namen Detroit trägt. Dieser Ort ist jedoch weniger als das reale Detroit zu sehen, er steht in Vanderbekes Roman für die moderne urbane Lebenswelt mit all ihren Widersprüchen und Konfliktfeldern.

"Es handelt sich bei 'Detroit' nicht um die reale Stadt in den USA, sondern Birgit Vanderbeke hat so etwas wie eine 'globale Weltstadt' entworfen. Das könnte auch London, Paris oder São Paulo sein, überall auf der Welt, wo Menschen, die vom Wohlstand ausgeschlossen sind und die Wohlstandswelt angegriffen haben - das ist ihr 'Detroit'!"

Michael Hametner, MDR FIGARO-Literaturredakteur

Gesundheitswahn

Was die Lebensbedingungen in dem Roman so schwierig macht, ist die alltägliche Überwachung der Menschen. Im Dienste der vermeintlichen Gesundheit werden die Bewohner selbst in privaten Bereichen kontrolliert. Ein Lebewesen wie der Hund der Protagonistin stört diese Ordnung und bringt sie in Schwierigkeiten. Das Leben gestaltet sich dadurch - obwohl ursprünglich zum Wohl des Menschen gedacht - als lebensfeindlich. Und erst spät tut sich in diesem Roman ein Funken Hoffnung auf.

"Es handelt sich um eine Orwellsche Welt. Alles, was die Romanfiguren machen, ist streng geregelt und wird kontrolliert. Um keine Krankheitskeime zu sich zu nehmen darf niemand selbst kochen."

Michael Hametner, MDR FIGARO-Literaturredakteur

Über die Autorin Birgit Vanderbeke

Birgit Vanderbeke wurde 1956 im brandenburgischen Dahme geboren. Nach der Flucht ihrer Familie nach Westdeutschland ist sie in Frankfurt am Main aufgewachsen, wo sie auch Jura und Romanistik studiert hat. Seit 1993 lebt sie als freie Autorin in St. Quentin-La Poterie nahe Uzès in Südfrankreich. Für ihre erste Erzählung, "Das Muschelessen", wurde sie 1990 mit dem Ingeborg-Bachmann Preis ausgezeichnet.

Vor allem ihr ironischer Schreibstil und die Leichtigkeit ihrer Bücher begeistern ihre Leser. Dennoch sind ihre Bücher nicht oberflächlich, im Gegenteil. Birgit Vanderbeke kann durch ihren speziellen Stil auch schwierigere Themen gut lesbar gestalten.


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Zuletzt aktualisiert: 05. Juni 2012, 18:15 Uhr

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