Literatur & Film

Serie | MDR FIGARO | 17.-21.12.2012 | Zum Nachhören : Die Brüder Grimm

MDR FIGARO beleuchtet in einer Serie 200 Jahre Grimms Märchen. Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm waren aber nicht nur Märchensammler, sondern auch Begründer der deutschen Philologie und Altertumswissenschaft, Schriftsteller und aufrechte Demokraten. Damit zählen sie zu den bedeutendsten Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts. Lesen Sie hier einen kurzen Abriss ihres Wirkens.

Darstellung der Brüder Grimm

Jacob Grimm wurde 1785 in Hanau im Osten des Rhein-Main-Gebiets geboren, sein Bruder Wilhelm ein Jahr später. Bereits in ihrer Hanauer Kindheit kamen Jacob und Wilhelm mit Märchen und Sagen in Kontakt. Geprägt wurden sie insbesondere von ihrer Tante Juliane Charlotte Friederike Schlemmer, die ihnen neben biblischen Geschichten auch deutsche Volksmärchen erzählte.

Der Anstoß zum Märchensammeln

Portrait von Clemens Wenzeslaus Brentano de La Roche, Historische Zeichnung aus dem 19. Jahrhundert
Ein Freund und Vorbild der Brüder Grimm: Clemens Brentano (1778-1842)

1802/03 begannen beide mit dem Studium der Rechtswissenschaften in Marburg. Einer ihrer Lehrer war Friedrich Carl von Savigny. Der berühmte Rechtsgelehrte und Kenner zeitgenössischer und historischer Literatur, Text- und Quellenarbeit weckte die Lust der jungen Studenten an historischer Literatur- und Kulturforschung. Sie suchten in der Vergangenheit nach den Wurzeln der gegenwärtigen Zustände in ihrem Land. Bei ihren Quellen beschränkten sie sich nicht nur auf deutschsprachige Urkunden, sondern bezogen Literatur aus ganz Europa mit ein. Damit legten sie die Grundlagen für die wissenschaftliche Bearbeitung dieses Gebiets. Savigny war es auch, der den Grimms die Bekanntschaft mit Clemens Brentano und Achim von Arnim vermittelte, die ab 1805 ihre Volkslied-Sammlung "Des Knaben Wunderhorn" herausbrachten und ihnen den Anstoß zum Märchensammeln gaben.

Mündlich überlieferte Geschichten zusammengetragen

1806 wurde Jacob Sekretär beim hessischen Kriegskollegium in Kassel und sein Bruder absolvierte das juristische Examen. Auf dieses Jahr ist auch der Beginn der Sammlung von Märchen und Sagen datiert, die uns heute als eines der Hauptwerke der Brüder bekannt sind. Sie trugen die vorwiegend mündlich überlieferten Geschichten zusammen und  überarbeiteten sie. Eine ihrer wichtigsten Quellen waren die Märchen, die Dorothea Viehmann den Brüdern erzählte. An den Sammlungen waren z.B. auch die Brüder Werner und August von Haxthausen sowie die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff und ihre Schwester Jenny von Laßberg beteiligt.

Bereits zu Lebzeiten populär

Nach der Errichtung des Königreiches Westphalen unter Jérôme Bonaparte, dem Bruder Napoleons, schied Jacob aus dem Amt und trat eine Stelle als königlicher Bibliothekar an. 1812 veröffentlichten die Grimms erstmals gemeinsame Schriften, Weihnachten erschien der erste Band der "Kinder- und Hausmärchen". Wenige Jahre später legten sie den zweiten Band der "Kinder- und Hausmärchen" vor. Der erste Band wurde stark überarbeitet neu aufgelegt: Geschichten wurden gestrichen, neue kamen hinzu, anstößige Stellen wurden herausgenommen. 1822 erschienen schließlich die Anmerkungen zur Märchensammlung in Form eines dritten Bandes.

Doch erst die "Kleine Ausgabe" (1825) der Märchensammlung verhalf ihr zu Popularität. Einen wesentlichen Beitrag leisteten dazu die Illustrationen vom Grimm-Bruder Ludwig Emil. Bereits zu Lebzeiten der Brüder erschienen sieben Auflagen der großen deutschen Ausgabe der Märchen und zehn Auflagen der kleinen Ausgabe.

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Mit knapp 30 Jahren hatten sich die Brüder durch ihre zahlreichen Veröffentlichungen bereits ein großes Renommee erworben. Wilhelm arbeitete als Bibliothekssekretär, Jacob als Bibliothekar in Kassel. 1819 wurde ihre Forschungsarbeit mit der Ehrendoktorwürde der Universität Marburg belohnt.

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