Literatur

Lesezeit | MDR FIGARO | 06.02.-10.02.2012 | 09:05 Uhr : Krug liest Krug, Becker und Brecht

Manfred Krug ist ein Multitalent. Er ist Schauspieler, Sänger, Musiker, Texter und Schriftsteller. Aus Anlass seines 75. Geburtstags werden in der Lesezeit bei MDR FIGARO die verschiedenen Facetten seines Schaffens beleuchtet.

Manfred Krug als Hannes Balla, Boß einer Brigade von Zimmerleuten auf der Großbaustelle Schkona, in dem DDR-Film "Spur der Steine" von 1966 unter der Regie von Frank Beyer.

Bei allem, was Manfred Krug macht, ist er durch und durch authentisch. Sein Leben in der DDR hatte Ecken und Kanten, Bespitzelung war an der Tagesordnung. Auch nach seiner Ausreise Ende der 1970er-Jahre in die Bundesrepublik konnte er erfreut und wohl auch ein wenig wider Erwarten feststellen: Die westdeutschen Zuschauer liebten ihn und seine Figuren, genauso wie vorher die ostdeutschen. "Ein Wunderwerk der Gegensätze ist dieser Manfred Krug", schrieb ein Kritiker einmal. "Unbeherrscht und laut kann der gelernte Stahlkocher sein, aber auch von schmerzhafter Wahrhaftigkeit."

Multitalent Krug

Vielen reicht schon das Stichwort "das Flugwesen entwickelt sich, Genossen Bauern" und sie wissen bereits, auf welches Kabinettstückchen hier angespielt wird - Michail Sostschenkos Miniatur von der "Kuh im Propeller". Vorgetragen natürlich von Manfred Krug. Kaum zu glauben, dass es bald 50 Jahre her ist, als der Schauspieler und Sänger im Oktober 1965 in der Berliner Kongresshalle am Alexanderplatz diese kurze Erzählung zwischen Lyrik und Jazzversatzstücken vortrug. Die daraufhin erschienene Amiga-Platte "Lyrik, Jazz, Prosa" - den Titel gab die gleichnamige Veranstaltungsreihe - erlangte bereits in der DDR Kultstatus. Hier zeigte sich schon das Multitalent Krug: Er ist Schauspieler, er ist Sänger, Musiker und Texter. Und später wurde er auch noch Schriftsteller.

Krug in der Lesezeit

Alle diese Facetten seines Schaffens kommen in der Lesezeit anlässlich seines 75. Geburtstages vor: Am Anfang steht der Erzähler Manfred Krug. Aus seinem Band "Schweinegezadder und anderes" liest er die Geschichte "Herr Oswald". Der Liedtextdichter Manfred Krug steht in der zweiten Folge im Mittelpunkt; gefolgt vom Gedicht-Rezitator, der mit Brecht-Lyrik zu hören sein wird. Und abschließend geht es um die Freundschaft, die Manfred Krug ein Leben lang mit dem Autor Jurek Becker verband.

Ein Tusch zum 75. Geburtstag: Spur der Krüge

FIGARO-Hörspielchef Matthias Thalheim lässt Erinnerungen und Begegnungen mit Manfred Krug Revue passieren. Das Kulturradio strahlt zum Geburtstag des Künstlers natürlich auch mehrere Sendungen aus. [mehr]


Der Weg zur Schauspielerei

Manfred Krug kommt am 8. Februar auf die Welt, während an diesem Rosenmontag des Jahres 1937 der ärmliche Karnevalszug durch Duisburg zieht. Der Vater vergnügt sich unterdessen mit der besten Freundin der werdenden Mutter. Die Scheidung der Eltern folgt bald; Manfred wird dem Vater zugesprochen. Der Vater wechselt, Arbeit suchend nach Leipzig, später nach Brandenburg und führt hier als Betriebsdirektor ein Stahlwerk. Manfred Krug, mit dem Vater als Zwölfjähriger in die DDR gekommen, beginnt eine Lehre als Stahlschmelzer und macht nebenbei an der Abendschule das Abi. 1954 beginnt er das Studium an der Staatlichen Schauspielschule in Ost-Berlin, wird aber wegen "disziplinarischer Schwierigkeiten" nach anderthalb Jahren hinausgeworfen.

Karriere in beiden deutschen Staaten

Manfred Krug als König Drosselbart und Karin Ugowski als verwöhnte Prinzessin.
Auch im DDR-Märchenfilm ein gern gesehener Gast: Manfred Krug als König Drosselbart und Karin Ugowski als verwöhnte Prinzessin.

Bis 1957 gehört Krug dann als Eleve Bert Brechts "Berliner Ensemble" an und legt dort eine Bühnenreifeprüfung ab. Anschließend wird er freischaffend, arbeitet als Schauspieler für Fernsehen und Kino sowie als Musiker und Texter. Walter Felsenstein holt Krug 1970 in seine "Porgy and Bess"-Inszenierung an die Komische Oper Berlin, die bis 1976 auf dem Spielplan bleibt. Krugs Unterschrift gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns im November 1976 setzt seiner Karriere in der DDR ein jähes Ende. 1977 beantragt Krug die Ausreise und übersiedelt mit seiner Familie nach Westberlin. Hier findet er schnell in Filmen und TV-Serien neue Angebote. Er wird zum Liebling Kreuzberg, zum Tatort-Kommissar Stöver, wohnt mit dem Bären Samson in der Sesamstraße. Doch seit einer schweren Erkrankung 1997 sind die Zeiten vor der Kamera vorbei und die des Schriftstellers beginnen. Und auf Tournee mit der Jazz-Sängerin Uschi Brüning ist er nun auch wieder auf der Bühne zu erleben.

Angaben zur Sendung

Zum 75. Geburtstag von Manfred Krug am 8. Februar:

Krug liest Krug, Becker und Brecht

Folge 1: "Herr Oswald" von Manfred Krug

Folge 2: "Die Kuh im Propeller" von Michail Sostschenko, "Die sieben Sachen" von Samuil Marschak, "Der Flaschenzug" (anonym) u.v.a.

Folge 3: "Gedichte" und "Geschichten vom Herrn Keuner" von Bertolt Brecht

Folge 4: "Simrocks Lust zur Veränderung" aus "Schlaflose Tage" von Jurek Becker

Folge 5: "Postkarten von Jurek"

06.02.-10.02.2012, jeweils Mo-Fr
09:05 und 19:05 Uhr (Wh.)

Sprecher: Manfred Krug

Buchtipp

Krug, Manfred:
Schweinegezadder
Schöne Geschichten.
Ullstein Taschenbuch, 2010
ISBN 3-548-28137-0
7,95 EUR

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