Lese-Café | MDR FIGARO | 23.12.2012 | 16:05 Uhr : "Indigo" von Clemens J. Setz - Protokoll einer Recherche
Clemens J. Setz, der erst vor wenigen Wochen 30 Jahre alt geworden ist, gilt nach Daniel Kehlmann als Wunderkind der deutschsprachigen Literatur. Der junge Österreicher ist mit seinem für die Shortlist des Deutsches Buchpreises nominierten Roman "Indigo" zu Gast bei Michael Hametner im Lese-Café von MDR FIGARO.
"Indigo" ist nicht nur der Name für ein bestimmtes Blau. Indigo ist auch die Bezeichnung für eine rätselhafte Störung, die sich in Schwindel, Übelkeit und heftigen Kopfschmerzen äußert. Kurioserweise betreffen diese Symptome jene Menschen, die mit Indigo-Kindern zusammen sind.
Betroffener ist auch der Mathematik-Lehrer Clemens Setz, der daraufhin eine Recherche beginnt, um die Ursachen und Folgen des Indigo-Syndroms aufzuklären. Sein Roman "Indigo" erzählt auf spannende und überraschende Weise diese Recherche.
Was sich hinter der Krankheit verbirgt, wie und warum sie zum Thema eines Romans geworden ist, darüber spricht MDR FIGARO-Literaturredakteur Michael Hametner mit Clemens J. Setz im Lese-Café.
Beobachter der menschlichen Natur
Nach zwei von der Kritik gelobten Romanen erschien im Frühjahr 2011 sein Erzählband "Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes". Der Band enthält Geschichten gespickt mit grotesken Ideen und subtilem Horror. Clemens J. Setz zeigt sich in der kurzen Form als scharfer und zugleich liebevoller Beobachter der menschlichen Natur.
Honoriert wurde das Talent mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2011 in der Kategorie Belletristik. Den Ausschlag für die Jury gaben die "Kühnheit der Konstruktion, die Eigenwilligkeit der Sprache und die Konsequenz des Konzepts, das zu gleichermaßen originellen wie unheimlichen Geschichten führte".
Mit dem Debütroman in engere Wahl des "aspekte"-Literaturpreises
Geboren wurde Clemens J. Setz 1982 in Graz. Dort begann er 2001 ein Lehramtsstudium der Mathematik und Germanistik. Neben dem Studium arbeitet Setz als Übersetzer, veröffentlicht Gedichte und Erzählungen in Zeitschriften und Anthologien. Wenn er nicht gerade schreibt oder studiert, geht er einem seiner Steckenpferde nach: Obertongesang und Zaubern.
Sein 2007 veröffentlichter Debütroman "Söhne und Planeten" schaffte es auf die Shortlist des "aspekte"-Literaturpreises. 2008 wurde er zum Ingeborg-Bachmann-Preis eingeladen, wo er mit der Novelle "Die Waage" den Ernst-Willner-Preis gewann. 2009 wurde sein zweiter Roman "Die Frequenzen" für den Deutschen Buchpreis nominiert und gelangte ins Finale der besten sechs Romane. Die FAZ schreibt ihm David Foster Wallace als literarisches Vorbild zu: "Auch ihm gelingt der Brückenschlag von spielerischer Konstruktion zum sozialkritischem Blick".
Angaben zur Sendung:
Lese-Café | MDR FIGARO
Mit Clemens J. Setz
Ort: Moritzbastei, Leipzig
Aufzeichnung:
Mo., 17.12.2012, 20:00-21:30 Uhr
Sendung:
So., 23.12.2012, 16:05-17:30 Uhr
Wiederholung:
Di., 25.12.2012, 22:05-23:30 Uhr
Moderation: Michael Hametner
Musik: Stephan König (Piano)
Literatur
Clemens J. Setz: Indigo, Roman, 479 Seiten, Suhrkamp, 22,95 Euro, ISBN 978-3-518-42324-0
