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Hörerforum | MDR FIGARO | Schreiben Sie uns! : Ein Bundespräsident in wilder Ehe

Sendung: 23.02.2012, 13:05 Uhr

Joachim Gauck soll Bundespräsident werden und deshalb wird er nun ordentlich unter die Lupe genommen. Dabei steht auch die Frage im Raum, ob er in "geordneten Verhältnissen" lebt. Das tue er offensichtlich nicht, meint die bayrische CSU und auch Wolfgang Thierse von der SPD findet, Gauck solle doch endlich seine Freundin heiraten. Das kann er allerdings erst, wenn er sich von seiner ersten Frau scheiden lässt. Aber wie wichtig ist das eigentlich, dass der Bundespräsident ein ordentlicher Ehemann ist? Welche Bedeutung hat die Institution Ehe heute noch? Wie wichtig sind Ihnen geordnete Verhältnisse? Schreiben Sie uns! Bettina Baltschev gibt hier einige Denkanstöße.

Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt

Der Mann ist noch nicht mal im Amt, da geht das Gezerre schon los. Joachim Gauck, der mit großer Wahrscheinlichkeit unser nächster Bundespräsident wird, möge doch bitte sein Privatleben ordnen. Wer den Ruf aus dem Südwesten Deutschlands vernimmt, reibt sich erst mal die Augen: Vernachlässigt Gauck seine Kinder? Besucht er Spielhöllen oder zwielichtige Bars? Ist er gar ein notorischer Fremdgeher? Doch um nichts von alledem geht es.

Das Privatleben Joachim Gaucks sei ordnungsbedürftig, weil er in wilder Ehe lebe, meint da ein erzkonservativer CSU-Abgeordneter. Weil er sich von seiner ersten Frau nie hat scheiden lassen und stattdessen mit der Dame seines Herzens eine Fernbeziehung führt. Nun könnte man meinen, wen interessiert das schon, das machen doch viele. Aber für Bundespräsidenten gelten bekanntlich andere Regeln als für uns Normalsterbliche. Das war bei Christian Wulff so, das ist so bei Joachim Gauck.

Nicht angreifbar

Wer nach wichtigen gesellschaftlichen Posten strebt, sollte wissen, worauf er sich einlässt, nicht nur in der Politik. Auch Pfarrer sollten den heiligen Bund der Ehe hochhalten, wird nicht nur von Christen verlangt. Ebenso sollten Richter und Manager sich nicht durch ungeordnete private Verhältnisse angreifbar machen.

So eine Frau ist nämlich nicht nur was fürs Herz, sie ist auch was fürs Auge und kann im Zweifel ein warme Mahlzeit kochen und die Hemden bügeln, wenn es mal wieder spät wurde im Büro. Ob sie dazu überhaupt Lust hat, das ist dann ein ganz anderes Thema. Dass die Frau an der Seite mittlerweile auch ein Mann sein kann, dafür steht zum Beispiel die Kanzlerin oder Außenminister Westerwelle, der mit seinem Mann eine eingetragene Partnerschaft eingegangen ist.

Private Verhältnisse und die berufliche Kompetenz

Auch wenn es nirgendwo geschrieben steht, eine Ehe steht offensichtlich immer noch für Stabilität und einen gefestigten Charakter. Ein Trauschein zeugt immer noch von angemessenem Verantwortungsbewusstsein für den Partner und für gemeinsame Kinder. Fragt sich dennoch, ob private Verhältnisse wirklich so entscheidend sind für berufliche Kompetenz? Ist ein Politiker, Pfarrer, Manager wirklich weniger glaubhaft, wenn er in wilder Ehe lebt?

Christian und Bettina Wulff galten als vorbildlich, was ihre privaten Verhältnisse anging. Was daraus wurde, ist bekannt. Wie wichtig ist es also tatsächlich, wie und mit wem einer lebt? Was bedeuten uns geordnete Verhältnisse? Wie wichtig ist der Trauschein eines Bundespräsidenten?




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