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Hörerforum | MDR FIGARO | 16.08.2012 | 13:05 Uhr : Ehe - Stütze der Gesellschaft oder Auslaufmodell?

Man könnte zwar annehmen, es handele sich um launige Sommerloch-Themen, wenn man die Diskussionen um Homo-Ehe und Ehegatten-Splitting verfolgt. Ganz so einfach ist es aber wohl nicht. Denn schließlich geht es um eine sehr persönliche Angelegenheit: Wie wollen und sollen wir zusammenleben und was geht das eigentlich den Staat an? Ein Thema, das MDR FIGARO gern mit Ihnen diskutieren möchte. Im Hörerforum fragen wir: Stütze der Gesellschaft oder Auslaufmodell: Muss die Ehe heute noch gesetzlich geschützt werden?

Zwei Männerhände mit Eheringe.

MDR FIGARO-Redakteurin Bettina Baltschev zum Thema "Ehe":

Manche Menschen halten die Ehe ja für so bedeutend, dass sie gleich mehrfach den Bund des Lebens eingehen. Nacheinander versteht sich. Ex-Außenminister Joschka Fischer hat es bisher immerhin auf fünf Ehen gebracht. Die Schauspielerin Elizabeth Taylor stand sogar achtmal vor dem Traualtar, davon zweimal mit demselben Mann. Es muss also was an der Lebensgemeinschaft zweier Menschen dran sein, von der Oscar Wilde mal behauptete, sie sei "gegenseitige Freiheitsberaubung in beiderseitigem Einvernehmen".

Vielleicht hätte der homosexuelle Schriftsteller es anders formuliert, hätte er geahnt, dass eines Tages auch zwei Männer bzw. zwei Frauen einen Bund fürs Leben schließen können. Die sogenannte Homo-Ehe ist zwar der klassischen Variante noch nicht vollständig gleichgestellt, aber wie die derzeitigen Diskussionen zeigen, könnte das nur noch eine Frage der Zeit sein.

Zwischen Männern und Frauen werden jedes Jahr in Deutschland knapp 400.000 Ehen geschlossen. Jede dritte davon wird wieder geschieden. Das mag manchen Statistiker deprimieren, heißt doch aber auch, dass zwei von drei Ehen eben nicht geschieden werden. Und wer zusammenbleibt, genießt Vorteile. Das Ehegattensplitting sorgt für Steuerersparnis. Das gemeinsame Sorgerecht für die Kinder tritt automatisch ein. Und nur Ehepartner haben ein Recht auf Witwenrente und Erbe.

Als vermeintliche Keimzelle der Gesellschaft ist die Ehe also immer noch ein geschütztes Gut. Nicht umsonst lautet der sechste Artikel des deutschen Grundgesetzes: Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung.

Aber ist das noch zeitgemäß? Ist das Mann-Frau-Schema nicht längst überholt in Zeiten von Homo-Ehe und Patchwork-Familien? Müsste nicht gerade der Familienaspekt in den Vordergrund rücken, egal wie sich die Familie zusammensetzt? Sollte der Staat nicht besser das Kinderkriegen fördern, statt eine Ehe, von der niemand so genau weiß, wie lange sie hält? Kann es wirklich möglich sein, dass ein kinderloses Ehepaar mehr Vorteile genießt als eine alleinstehende Mutter? Mag sein, dass im gottlosen Osten Deutschlands die Ehe nie so heilig war, wie im Westen, doch die Diskussion um die Homo-Ehe und das Ehegattensplitting geht nun an die Substanz. Hier stehen sich Weltanschauungen gegenüber. Das war auch schon vor einem halben Jahr so, als darüber diskutiert wurde, ob Joachim Gauck Bundespräsident werden kann, obwohl er mit seiner Partnerin nicht verheiratet ist. Was ist also dran an der Ehe? Soll sie weiter geschützt werden oder erklären wir sie endgültig zur Privatsache?




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