MDR FIGARO

FIGARO trifft ... | 07.11.2009 | 22:00 Uhr | Podcast

"Normalisierung heißt, dass man etwas oft spielt"

Wiederholung der Sendung vom 04.11.2009

Dirigent Michael Hurshell gründete 2007 die Neue Jüdische Kammerphilharmonie Dresden. Über die Idee zur Gründung, das Anliegen der Musiker, über das Leben und über die Arbeit in Dresden und auf internationalen Konzertbühnen war Ulrike Timm live im Gespräch mit Michael Hurshell bei "FIGARO trifft ...".

Vor einem Teil der neuen Dresdner Synagoge geht ein Mann zum Eingang
Die neue Dresdner Synagoge ist die Hauptspielstätte der 2007 gegründeten Kammerphilharmonie.

"Normalisierung heißt im Musikalischen, dass man etwas oft spielt. Das kann kein einzelnes Orchester, das kann kein einzelner Musiker", sagt Dirigent Michael Hurshell. Zu dieser Normalisierung möchte er beitragen. 2007 gründete er die Neue Jüdische Kammerphilharmonie Dresden, die aus Studenten und Absolventen der Dresdner Musikhochschule, Mitgliedern der Dresdner Philharmonie, sowie Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde zu Dresden besteht. Die Musiker sind zusammengekommen, um die vergessenen Werke jüdischer Komponisten in der Neuen Synagoge Dresden aufzuführen, um die Musik von vertriebenen jüdischen Komponisten "nach Hause zu bringen" und dem Publikum auch über Dresden hinaus die Schönheit einer versunkenen Musikkultur vorzustellen.

In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 brannten in ganz Deutschland die Synagogen. Unwiederbringlich wurde jüdische Kultur zerstört. Vier Synagogen und wachsende Gemeinden sind heute wieder in Sachsen zu finden. Mit zahlreichen offiziellen Gedenkveranstaltungen wird auch in diesem Jahr an das Grauen und den großen Verlust vor 71 Jahren erinnert.

"Das Erlebnis des Aufführens dieser Musik ist für mich meistens eine sehr freudige Erfahrung, denn es ist das Aufdecken von verloren gegangenen Schätzen. Ich erlebe sowohl bei den Musikern als auch beim Publikum die freudige Überraschung von Entdeckung, von nicht zuvor gehörtem und das ist wahrscheinlich das Schönste, was es für einen Dirigenten geben kann."

Michael Hurshell
Michael Hurshell
Michael Hurshell

Von Wien in die USA und zurück nach Europa

Michael Hurshell wurde 1959 in Wien geboren und wuchs in den USA in Seattle und New York, aber auch in München und Köln auf. Beide Eltern sind in Amerika geborene Opernsänger, die in den 1950er-Jahren nach Deutschland kamen und verschiedene Engagements erhielten. Die Musik war für Michael Hurshell damals schon Teil des Alltags. Ebenso selbstverständlich war für ihn, dass sein Vater als Jude leidenschaftlich Wagner-Opern singt. Er selbst studierte an der renommierten Brown University in Providence, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Rhode Island, Klavier und Komposition, bevor er in Wien ein Dirigentenstudium aufnahm.

Michael Hurshell leitete anschließend auf Konzertreisen in Deutschland, Österreich, Großbritannien, Norwegen, Dänemark, Holland und der Schweiz Opern von Mozart, Verdi und Puccini. Er war an Häusern wie der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf oder an der Oper Duisburg zu Gast, ebenso auf Konzertpodien im In- und Ausland. 2002 zog Michael Hurshell mit seiner Frau nach Dresden. Hier nahm er einen Lehrauftrag für Orchesterdirigieren an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber an und wurde Mitglied der Jüdischen Gemeinde zu Dresden. Jüngst wurde er Kurator des Dresdner Wagner-Museums.

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FIGARO trifft ... Michael Hurshell

Dirigent Michael Hurshell gründete 2007 die Neue Jüdische Kammerphilharmonie Dresden. Über die Idee zur Gründung und über das Leben in Dresden sprach Hurshell bei FIGARO. (04.11.2009)

Zuletzt aktualisiert: 06. November 2009, 10:48 Uhr

 

Angaben zur Sendung

FIGARO trifft ... Michael Hurshell (Dirigent, Gründer und Künstlerischer Leiter der Neuen Jüdischen Kammerphilharmonie Dresden)

Sendung:
Mi, 04.11.2009, 18:05-19:00 Uhr

Wiederholung:
Sa, 07.11.2009, 22:00-23:00 Uhr

 
 
 
 
 
 
 

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