Oper und Lied | MDR FIGARO | 21.11.2009 | 19:30 Uhr
Die Salonoper Chemnitz
Museen werden zu Bühnen, Ausstellungsbesucher zu einem Opernpublikum: Die Salonoper Chemnitz bietet kaum bekanntes Musiktheater-Repertoire an ungewöhnlichen Aufführungsorten. Ellen Schweda stellt für MDR FIGARO dieses nicht alltägliche Theater-Projekt vor.
Wenn die Salonoper anrückt, werden alte Gewohnheiten über den Haufen geworfen. Museen werden zu Bühnen, Ausstellungsbesucher zu einem Opernpublikum, und aus Zuhörern werden schnell Teilnehmer. Auf dem Programm stehen Werke der Musiktheaterkultur, die sonst selten zu hören sind, oder in einer besonderen Bearbeitung für die jeweiligen Räumlichkeiten erklingen. Erstaunliches Musiktheater an ungewöhnlichen Orten – das ist das Credo der Salonoper Chemnitz.
Kurzfristig reagieren
Die Idee zu diesem ungewöhnlichen Theaterprojekt stammt von der Regisseurin Sabine Sterken. Als im Jahr 2007 nach einem Intendantenwechsel ihre Regie-Aufgaben an der Chemnitzer Oper schrumpften, brach sich ein Gedanke Bahn, der die Regisseurin schon eine Weile beschäftigt hatte.
"Man müsste ein Theater etablieren, das kurzfristiger reagieren kann. Dass man, wie es auch früher in der Kunst war, viel schneller in der Lage ist, professionell was auf die Bühne zu bringen. Weil wir auch gemerkt haben, dass es einen Bedarf gibt, für die Art von Kultur. Nach dieser Art Kunst, die in einem kleinen besonderen Rahmen stattfindet, und die auf eine andere Art auch eher verführt als diese gewohnte Weise – "Guckkasten" – die man sonst in den großen Theatern hat."
Netzwerk von Unterstützern
Die Salonoper Chemnitz ist weder an einen Aufführungsort noch an ein Ensemble gebunden. Dafür gibt es ein wachsendes Netz von Unterstützern und Partnern. Zur Aufführung kommen kurze Stücke bekannter und unbekannter Autoren und Komponisten. Die Besetzung ist meist hochkarätig, die Probenzeit kurz und intensiv.
Im FIGARO-Beitrag erzählen Sabine Sterken und Mitinitiator Thomas Friedrich die Entstehungsgeschichte der Salonoper. Friedrich ist Kurator am Museum Gunzenhauser in Chemnitz, das eine berühmte Sammlung vorwiegend expressionistischer Meisterwerke beherbergt. So verwundert es auch nicht, dass zur "Geburt" der Salonoper 2008 die "Miniaturen des Expressionismus" von Paul Hindemith, Arnold Schönberg und Christian Morgenstern inmitten der Bilder des Museum aufgeführt wurden.
Über Sabine Sterken
Sabine Sterken wurde in Leipzig geboren. Seit 1983 ist sie am Opernhaus in Chemnitz tätig. Daneben absolvierte Sterken ein Fernstudium der Theaterwissenschaft an der Leipziger Theaterhochschule. 1993 erfolgte ihre erste eigene Regiearbeit, Schönbergs "Pierrot Lunaire". An der Chemnitzer Oper inszenierte sie seither u.a. "Der Vogelhändler" (1998), "Der Barbier von Sevilla" (1999), "Der mündliche Verrat" von Mauricio Kagel (2001), "Zar und Zimmermann" (2004), "Ariadne auf Naxos" (2006) und "Die Zauberflöte - für Kinder" (2008). Gastregie übernahm sie u.a. am Theater Görlitz, am Volkstheater Rostock und am Staatstheater Cottbus. 2009 führte sie Regie bei der Wiederaufführung der Oper "Der Tribun" (1979) von Mauricio Kagel, einer Koproduktion der Salonoper Chemnitz mit dem "Büro für Theatrale Stategien".
Zuletzt aktualisiert: 19. November 2009, 14:01 Uhr
