CD der Woche | MDR FIGARO | 20.02.2012 : Jun Märkl: "Claude Debussy - Complete Orchestral Works"
von Beatrice Schwartner, MDR FIGARO-Musikkritikerin
Claude Debussy hat den Franzosen mit seiner Klangsprache zu eine neuen musikalischen Identität verholfen. Werke wie "Prélude à l'après-midi d'un faune", "Masques et Bergamasques" oder das fulminante "La Mer" beeindrucken mit Ideenreichtum und Farbigkeit. Jun Märkl hat jetzt mit dem Orchestre national de Lyon eine umfassende Einspielung von Debussy-Werken vorgelegt.
Das Bild, was wir von Claude Debussy haben, ist mehr als vage. Wer ist er eigentlich? Welche Funktion hat er in der Musikgeschichte? Und wie sollte er tatsächlich klingen? Diese Fragen hat sich der MDR-Chefdirigent Jun Märkl lange durch den Kopf gehen lassen, bevor er mit seinem Zweitorchester, dem Orchestre National de Lyon ans Werk gegangen ist, Debussys komplette Orchestermusik einzuspielen.
Jetzt, nach Jahren, in denen Märkl mit diesem Riesenprojekt beschäftigt war, ist ihm Debussy der wichtigste französische Komponist des 20. Jahrhunderts, der die französische Musik tatsächlich ganz neu definiert hat.
Debussy als Inspirationsquelle
Die Erkenntnisse zum Schaffen Debussys hatten natürlich großen Einfluss auf Märkls Interpretation. Zumal eine ganze Reihe dieser vom Label NAXOS so genannten "Orchesterwerke" tatsächlich Orchestrierungen seiner Klaviermusik sind, die unter anderem auch von Debussy-Zeitgenossen wie Maurice Ravel und André Caplet arrangiert wurden oder moderne Instrumentationen von Komponisten wie Robin Holloway und Colin Matthews sind. "Im Grunde, so zeigt sich, hat es Debussy geschafft, das ganze Jahrhundert über ernst genommen zu werden", findet Jun Märkl.
MDR RUNDFUNKCHOR wirkte mit
Von "Clair de Lune" aus der berühmten "Suite bergamasque", über "Printemps", "La mer" und "Childrens Corner", "La boite a joujoux" bis hin zu Fantasien, Rhapsodien und Tänzen für Soloinstrument und Orchester, bindet Märkl in dieser Gesamtaufnahme auch den MDR RUNDFUNKCHOR mit ein. Ein kluger Schachzug, zwei so hervorragende Ensembles, wie er sie leitet, zueinander zu bringen und mit ihnen mitzuglänzen.
Was manch einem, vielleicht gerade bei "Clair de lune" als unterkühlt und leidenschaftslos erscheint, zeigt sich auf den zweiten Höreindruck als ausgeklügeltes Konzept des Maestros, nämlich genau die Farbflächen zu entwirren, die Struktur deutlich zu machen und gleichberechtigt Genauigkeit neben Klangschönheit in dieses opulente Werk zu bringen.
Auch klanglich ein Genuss
Dass da ganz sicher auch die hervorragende Aufnahmetechnik von NAXOS mit reinspielt, die es vermag, einzelne Instrumentengruppen förmlich vor dem inneren Ohr abzugrenzen, dass Harfentöne förmlich aus den Lautsprechern perlen, all das macht diese Debussy-Box durchaus zu einem ganz besonderen Erlebnis. Auch enthalten sind selten gehörte Stücke wie die Schauspielmusik zu "King Lear" oder die Ballettmusik "Khamma". Jun Märkl zeigt sich mit dieser Einspielung als ausgewiesener Debussy-Fachmann. Sein Orchestre national de Lyon spielt pointiert und voller Esprit.
Und für den Hörer ist diese Einspielung die Möglichkeit, das Werk Debussys wirklich zu entdecken. Vieles davon kennt man doch nicht oder nur in der Klavierfassung. Dies wird zur Reichhaltigkeit des Debussy-Bildes sehr beitragen.
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Angaben zur CD
"Claude Debussy: Complete Orchestral Works"
9-CD-Box
Orchestre national de Lyon
Leitung: Jun Märkl
CD-Bestellnummer: 8.509002
Label: NAXOS
