Musik & Bühne

CD der Woche | MDR FIGARO | 13.02.2012 | Audio : Hamel - "Lohengrin"

von Stefan Maelck, FIGARO-Musikkritiker

Vielleicht erinnern Sie sich daran, im Jahr 2010 war der holländische Musiker Wouter Hamel bei MDR FIGARO zu Gast. Eine Studiosession mit seiner Band, zwischendurch Gespräche, das Ganze konnte man im Netz auch per Bild verfolgen: Radio zum Zuschauen! Nun erscheint Hamels neues Album mit dem Titel "Lohengrin". Stefan Maelck stellt die CD der Woche vor.

Wouter Hamel

Lange ist es her, dass Frank Sinatra und Dean Martin bewiesen, dass hinter einem butterweichen Sound doch mehr stecken kann, als die berüchtigte Schnulze. Der Holländer Wouter Hamel ist jetzt 35 Jahre alt, mit Rockmusik aufgewachsen und hat Journalismus, Literatur sowie Musik studiert. Schon mit seinem ersten internationalen Album "Nobody's Tune" hat er genau ins Ohr derer getroffen, die einen guten Popjazz-Crooner zu schätzen wissen. Der Mann beherrscht alles von Bossa bis Cool.

Für sein Debütalbum bekam er 2007 Platin in den Niederlanden. In Asien ist Hamel inzwischen ein Superstar. Bei MDR FIGARO wurde "Nobody's Tune" CD der Woche. Bei einer FIGARO-Studiosession mit seiner wunderbaren Band überzeute Hamel auch von seinen Live-Qualitäten.

Wouter Hamel bei der FIGARO Live-Session

Wouter Hamel mit Band Wouter Hamel im Gespräch mit Stefan Maelck Wouter Hamel

Wouter Hamel bei der FIGARO Live-Session 2010 [Bilder]


Kein Wagner-Fan geworden

Der Titel seines neuen Albums "Lohengrin" lockt aber auf die falsche Fährte. Nein, Hamel ist jetzt kein Wagner-Fan geworden, "Lohengrin" ist lediglich der Name der Straße in Den Haag, wo Hamel aufgewachsen ist.

Insgesamt bringt das Album "Lohengrin" den Hamel, den man schon von "Nobody’s Tune" kennt. Pianogetriebene Up-Tempo-Stücke, große Balladen und ein paar perfekte Orchesterarrangements prägen das Album. Die Lieder sind an denen des American Songbook geschult, Cole Porter und George Gershwin lassen hier grüßen. Hamels Songs kommen scheinbar leicht daher, gehen dann aber doch stärker in die Tiefe, als der erste Eindruck vermuten lässt.

"Lohengrin" ist das erste den Frühling verheißende Album des Jahres, auch die Lieder mit den dunklen Geschichten klingen leicht und federnd. Manchmal meint man sogar, den jungen Billy Joel zu hören, dessen Sound auf den Alben aus den 70er-Jahren wie "52nd Street" oder "The Stranger".

Perfekte Popmusik

Cover der CD Hamel - "Lohengrin"
Das neue Hamel-Album "Lohengrin" ist erschienen bei Decca (Best-Nr.: 2783148)

Hamel baut auf den perfekten Drei-Minuten-Song, das perfekte Arrangement und eine gute Prise Theatralik, wie er in "Skimming the Skies" vorführt: eine Stimme, ein Bass und 3 Posaune machen den perfekten Popsong.

Nach dem Erfolg von "Nobody's Tune" zog sich Hamel zunächst zurück, mietete sich ein Apartment mit Flügel in Paris und schrieb seine Songs. Eingespielt und fertig gestellt wurden diese nicht in einem der großen schicken Studios, sondern in der Scheune des elterlichen Bauernhofs, ähnlich wie es Neil Young mit seinem perfekten Album "Harvest" 1972 getan hat.

"Lohengrin"ist - wie die Geschichte der Popmusik, des Films und der Literatur - voller selbstreferentieller Verweise und Zitate. Aber natürlich funktioniert das neue Hamel-Album auch ohne all diese Bezüge und ohne Kontextualisierung. Das macht die Größe dieser Lieder aus.

"Es ist Musik, die einem ein Lächeln auf die Lippen zaubert, die einen nachdenken lässt, ob das nun gerade Fernweh oder Heimweh ist, was sie auslöst. Mehr kann Popmusik nicht, als gleichermaßen Erinnerung und Vorfreude beim Hörer auszulösen, positive und antizipatorische Melancholie - deshalb hören wir sie."

Stefan Maelck, FIGARO-Musikkritiker


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Angaben zur CD

Hamel - "Lohengrin"
Label: Decca (Best-Nr.: 2783148)

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