Musik & Bühne

CD der Woche | MDR FIGARO | 16.07.2012 | Audio : Justin Townes Earle - "Nothing's gonna change the way you feel about me now"

von Stefan Maelck, MDR FIGARO-Musikkritiker

Justin Townes Earle ist der Sohn des Rebellen Steve Earle. Während der Vater nach seiner wilden Zeit mittlerweile als Musiker, Romanautor und Schauspieler erfolgreich ist, hat Sohn Justin nun mit 30 Jahren eine packende musikalische Sprache gefunden. Justin Townes Earle legt mit seinem vierten Album sein bisher bestes vor.

Justin Townes Earle
Justin Townes Earle

"Die einzige Chance gegen meinen Vater zu rebellieren", so sagte Justin Townes Earle in einem Interview, "wäre Republikaner zu werden." Das hätte ihn fertig gemacht. Justin Townes Earle, der seinen zweiten Vornamen aus Verneigung seines Vaters vor Songwriter Townes van Zandt bekam, schleppt nicht nur einen schweren Gitarrenkoffer mit sich herum. Als Sohn des ewigen Country-Außenseiters Steve Earle hätte er schon Bankbeamter werden müssen, denn der alte Earle hat Drogen konsumiert wie kein anderer, sehr viel Zeil im Gefängnis und im Entzug verbracht und wenn er in Deutschland Konzerte gibt, dann ist der Verfassungsschutz anwesend. Was soll man da tun - außer: Flucht nach vorn und Erbe antreten?

Drei sehr gute Alben hat Justin Townes Earle bereits vorgelegt, das dritte "Harlem River Blues" war schon ein kleines Meisterwerk. Es präsentierte authentische Songs in der großen Country-Folktradition eines Hank Williams, gemischt mit den tiefgründigen Leidensepen eines Elliot Smith.

Nun, mit dem vierten Album "Nothing's gonna change the way you feel about me" hat der in Nashville geborene Justin, der mittlerweile - genau wie sein Vater - in New York City lebt, seine Form gefunden: Stax-Soul trifft Woody Guthrie trifft Bruce Springsteen.

Soul, Country, Funk und Blues im Blut

CD-Cover von Justin Townes Earle - "Nothing's gonna change the Way you feel about me now"
Das vierte Album von Justin Townes Earle ist bei Bloodshot Records erschienen

Im zweiten Song des Albums spricht Justin Townes Earle seine Mutter direkt an - und klingt dabei wie ein junger Ben E. King zu Zeiten von "Stand by me". Wäre da nicht das Schlagzeug, das Stück könnte als alte Soul-Aufnahme durchgehen. Ein satter Bläsersatz liegt auf einem fetten Bass, Justin Townes Earle klingt als hätte er den Funk ebenso im Blut wie den Blues.

In seinen Texten wimmelt es nur so von gebrochenen Herzen, Grabsteinen, leeren Flaschen und Bankkonten. Zwischendurch gibt eine kleine Rockabilly-Einlage - "Rockabilly" so nennt sich die Art, wie weiße Musiker in den 1950er-Jahren in den US-Südstaaten schwarzen Rhythm & Blues mit weißem Country kombinierten. Das was Elvis 1954 spielte, war zum Beispiel purer Rockabilly. Inzwischen erleben wir eine Rockabilly-Renaissance. Aber eine Rockabilly-Nummer wie "Baby's got a bad idea" ist nur eine kurze Episode auf dem neuen Album des Mannes, dessen Stimme mit 30 schon brüchiger klingt, als die seines Vaters Steve Earle.

Justin Townes Earle hat die Eisenbahn- und Arbeiterlieder Amerikas schon mit der Muttermilch bekommen. Er kocht diese traditionelle Musik mit etwas Blues, Country und Soul auf, wie sein Vater es früher mit den Drogen machte.

Zwischen Sonne und Regen

Und die Lieder von Justin Townes Earle gehen direkt ins Ohr und ins Blut. Manchmal scheint musikalisch sogar die Sonne. Dann wiederum heißt ein Song "Memphis in the rain", wie um nur nicht zuviel Wohligkeit aufkommen zu lassen und dem eigenen Optimismus nicht zu sehr vertrauen. Am Ende des Albums gibt’s mit "Movin on" dann die Weitermachhymne mit dem typischen Johnny-Cash-Boom-Shaka.

"Mit seinem vierten Album hat Justin Townes Earle das musikalische Niveau seines Vaters erreicht. Alles andere: Entzug, Knast und Widerstand gegen die Staatsgewalt hat er schon vorher durchgezogen. Und mit dem Republikaner, das hat sich auch erledigt."

Stefan Maelck, MDR FIGARO-Musikkritiker


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Angaben zur vorgestellten CD

Justin Townes Earle - "Nothing's gonna change the Way you feel about me now"
Label: Bloodshot Records
(CD-Bestellnummer: BS 193)

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