Musik & Bühne

Porträt : Claude Debussy (1862-1918)

Mit Konventionen tat er sich zeitlebens schwer. Regeln widerstrebten ihm, gesellschaftliche wie musikalische. Und doch war Claude Debussy einer der großen Komponisten der Musikgeschichte, der Mann, der die Farbe in die Musik brachte und zum kompositorischen Neuerer Europas an der Schwelle zur Moderne wurde. Mit seinem einzigartigen Werk inspirierte und prägte er Kollegen wie Ravel, Strawinsky, Messiaen, Bartók, Dutilleux oder Boulez.

Claude Debussy erblickt am 22. August 1862 in Saint-Germain-en-Laye, einem kleinen Vorort von Paris, das Licht der Welt. Er ist das älteste von fünf Kindern der Familie. Sein Vater führt ein Porzellangeschäft, die Mutter ist Näherin von Beruf. Nach der Geschäftsaufgabe seines Vaters zieht die Familie 1867 nach Paris.

Zeitgenössische Aufnahme des französischen Komponisten Claude Debussy.
Claude Debussy (1862-1918)

Debussy ist ein musikalisches Wunderkind. Kaum zehnjährig besteht er die Aufnahmeprüfung am Pariser Konservatorium, wo er zunächst Klavier, später Komposition studiert. Von Anfang an neigt Debussy zu Experimenten mit Harmonie und Klang. Er stellt die akademischen Traditionen in Frage und verwendet in seinen Kompositionen Dissonanzen und Intervalle, die man in jener Zeit missbilligt.

Erste Anerkennung

Auch wenn einige Lehrer am Konservatorium über Debussys Kompositionen die Nase rümpfen, sein Talent wird gefördert. 1884, Debussy ist gerade 22 Jahre alt, gewinnt er den begehrten Rompreis, der ihm auf Staatskosten einen vierjährigen Aufenthalt in der Ewigen Stadt ermöglicht.

Doch schon 1887 kehrt er aus Unzufriedenheit nach Paris zurück. Den Aufenthalt in der römischen Villa Medici empfindet Debussy als quälend und einengend. In einem Brief beklagt er sein Schicksal.

"Ich versuche zu arbeiten, ich kann nicht. (…) Im übrigen wissen Sie, wie sehr ich die Musik liebe und können mir glauben, wie sehr mein gegenwärtiger Zustand mir zuwider ist. (…) Sie sprechen von Sicherheit, die durch die Villa garantiert wird; ach! Ich würde Gott weiß was darum geben, etwas weniger davon zu haben, zu welchem Preis es auch sei; denn sie bedrückt mich und hindert mich am wirklichen Leben."

Claude Debussy

Besuch der Weltausstellung

Nach seiner Rückkehr besucht Debussy mehrmals die Wagner-Festspiele in Bayreuth. Zeigt sich der Komponist anfänglich von der Musik Wagners beeindruckt, so wird der Besuch der Weltausstellung in Paris im Jahre 1889 für Debussy zum prägenden Erlebnis. Hier hört er erstmals javanische Gamelan-Musik - die traditionelle Musik auf Java und Bali - deren Elemente in einigen seiner späteren Werke Eingang finden werden.

Im Jahre 1890 beginnt Debussy die Arbeit an der Oper "Rodrigue et Chimène", die er zwei Jahre später unvollendet aufgibt. 1884 kommt es zur äußerst erfolgreichen Uraufführung seines "Prélude à l'après-midi d'un faune" (Vorspiel zum Nachmittag eines Fauns). Trotz seiner Länge von lediglich knapp zehn Minuten ist das Stück Debussys erstes bedeutendes Hauptwerk, weil sich in ihm erstmals alle Aspekte einer eigenständigen Tonsprache offenbaren.

Ein Skandal

Doch diese Jahre sind auch geprägt von seelischen Krisen, ständigen finanziellen Sorgen und Beziehungsproblemen des Komponisten. 1899 heiratet er seine Lebensgefährtin Rosalie Texier und betrügt sie schon bald mit der Bankiersgattin Emma Bardac, der Mutter eines Klavierschülers. Rosalie versucht, sich das Leben zu nehmen, was Debussy, mittlerweile ein Mann des öffentlichen Lebens, einen gesellschaftlichen Skandal beschert. 1908 heiratet er Emma Bardac, die ihm bereits 1905 ein Kind geboren hatte.

Produktive Jahre

Die Jahre nach der Jahrhundertwende sind die produktivsten in Debussys Leben. 1902 wird seine Oper "Pelléas et Mélisande" uraufgeführt, Schlüsselwerke wie "La Mer" für Orchester, und "Estampes", "Images", "Children´s Corner", sowie den ersten Band der "Préludes" für Klavier entstehen. Debussy hat nun seine ganz eigene Tonsprache entwickelt, von russischer Musik ebenso beeinflusst wie vom französischen Barock und von fernöstlichen Klängen.

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs löst bei Debussy eine Schaffenskrise aus. 1915 wird beim Komponisten Darmkrebs festgestellt und auch eine Operation bringt keine bleibende Verbesserung. Am 25. März 1918 stirbt Claude Debussy in Paris.

Zuletzt aktualisiert: 16. August 2012, 14:26 Uhr

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