Musik & Bühne

Figaro Spezial | MDR FIGARO | 06.10.2012 | Zum Nachhören : Musik als Gesellschaftskitt

In Weimar, dem symbolträchtigen Ort für deutsche Hochkultur mit großer Vergangenheit, diskutierten im Juli Norbert Lammert, Präsident des Deutschen Bundestages, und Christoph Stölzl, Präsident der Hochschule für Musik "Franz Liszt" Weimar, über die Wirkung von Musik auf die Gesellschaft. Bei MDR FIGARO können Sie das Gespräch noch einmal hören.

Deutschland ist reich an Musik. Kultur in öffentlicher Trägerschaft ist ein Erbe der deutschen Kleinstaaten, entstanden aus dem Repräsentationswillen ihrer adeligen Herrscher und dem Bedürfnis des aufstrebenden Bürgertums, es ihnen gleichzutun. Musikkultur diente dem Zeitvertreib, war aber auch immer Kunst und erhob oft den hehren Anspruch, sein Publikum zu bilden.

Heute wird Hochkultur oft in Nischen gedrängt. Trotzdem gelingt es zahlreichen Initiativen, Kinder und Jugendliche immer wieder für ein Instrument zu begeistern. "Kunst und Kultur sind nicht die sympathische Nische unserer Gesellschaft, sondern das Eigentliche, das sie zusammenhält", sagt Norbert Lammert, Präsident des Deutschen Bundestages. Der Politiker gilt als "homme de lettre"; er liest Romane, geht in Opern und Konzerte, besucht Museen - und tut dies mit großer Leidenschaft.

Doch was bedeutet Musik für unsere Gesellschaft? Was bewirkt sie? Im Gespräch mit Christoph Stölzl, dem Präsidenten der Hochschule für Musik "Franz Liszt" Weimar, gab er Auskunft über sein Verhältnis zu den Künsten, seine kulturpolitischen Positionen und über Deutschlands Selbstverständnis als Kulturnation. Das Gespräch fand am 18. Juli dieses Jahres im historischen Hauptgebäude der Weimarer Musikhochschule statt.

Traditionsreicher Ort

Weimar ist Deuschlands Kulturstadt schlechthin. Hier wird Hochkultur gelebt: am Nationaltheater, an der Hochschule für Musik "Franz Liszt", in der Klassik Stiftung Weimar, mit dem Kunstfest. An der Hochschule, dem Veranstaltungsort des Gesprächs, werden seit über hundert Jahren junge Orchestermusiker ausgebildet. Der Namensgeber der Hochschule, der Komponist Franz Liszt, war 1861 als Hofkapellmeister nach Weimar gekommen. Hier begann er, Schüler zu unterrichten. Doch erst 1872 wurde Liszts Wunsch nach einem Ausbildungszentrum für Orchestermusiker Wirklichkeit, als einer seiner Schüler die erste Orchesterschule Deutschlands gründete. Seitdem gehört Weimar für einen angehenden Musikstudenten zu den ersten Adressen. Jedes Jahr geben renommierte Gastprofessoren ihre Erfahrungen als Musiker und Musikpädagogen in den Weimarer Meisterkurse weiter.

Die Gesprächspartner

Norbert Lammert ist seit 2005 Präsident des Deutschen Bundestages, zuvor war er Parlamentarischer Staatssekretär und schließlich Vizepräsident des Deutschen Bundestages. Lammer, 1948 geboren, ist seit 1966 Mitglied der CDU. Seine politische Laufbahn begann er zuvor in der Jungen Union. Sein erstes politisches Amt trat er als Lokalpolitiker 1975 an, als er in den Bochumer Stadtrat gewählt wurde. Über seinen Wahlkreis Bochum wurde der Politiker erstmals 1980 in den Deutschen Bundestag gewählt, dessen Mitglied er seitdem ist. Musik und Literatur begleiten ihn seit seiner Kindheit, beides möchte er nicht missen.

Christoph Stölzl ist seit 2010 Präsident der Weimarer Musikhochschule "Franz Liszt". 1944 geboren, studierte er Geschichte, Literaturwissenschaft und Soziologie und übernahm nach anfänglicher Forschungstätigkeit die Leitung des Münchner Stadtmuseums. In den 90er-Jahren stand er als Generaldirektor dem Deutschen Historischen Museum in Berlin vor. Von 1999 bis 2000 war er stellvertretender Chefredakteur der Tageszeitung "Die Welt". Ein Jahr lang als Berliner Senator für Wissenschaft Forschung und Kultur tätig, arbeitete Stölzl danach als freier Publizist und lehrte als Honorarprofessor an der Musikhochschule "Hanns Eisler" Berlin und der Freien Universität Berlin Kulturmanagement.

Zuletzt aktualisiert: 06. Oktober 2012, 23:00 Uhr

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