Musik & Bühne

Folk & Weltmusik spezial | MDR FIGARO | 23.01.2013 | 21:00 Uhr : Junge sefardische Stimmen

Die Musik der orientalischen Juden, die 1492 aus Spanien vertrieben, sich meist im Osmanischen Reich ansiedelten, erlebt eine Renaissance in Südosteuropa. Grit Friedrich stellt in der Sendung junge Künstler aus Ungarn, Serbien und Makedonien vor, welche die Tradition auf ihre Art wiederbeleben.

Rudolstadt - Yasmin Levy
Yasmin Levy 2008 beim TFF Rudolstadt

2008 gastierte Yasmin Levy, die wohl prominenteste israelische Weltmusikerin, beim TFF Rudolstadt. Sie singt Lieder der Sefarden (oder Sephardim). So heißen die Nachfahren spanischer Juden, die 1492 aus ihrer Heimat verjagt wurden und die der osmanische Herrscher Sultan Bayezid II. mit offenen Armen in seinem Herrschaftsgebiet aufgenommen hat. Er soll gesagt haben: "Wie töricht sind die spanischen Könige, dass sie ihre besten Bürger ausweisen und ihren ärgsten Feinden überlassen." Die Juden aus Spanien siedelten im osmanischen Reich zwischen Sarajevo, Thessaloniki, Sofia, Bukarest und Istanbul, gründeten sefardische Gemeinden und bewahrten ihre altspanische Sprache und ihre Musik.

Musik orientalischer Juden, inspiriert durch Joni Mitchell

 Beáta Palya
Beáta Palya 2012 in Oradea/Nagyvárad (Rumänien)

Die Lieder und Tänze des Spefarden erleben seit einiger Zeit eine Renaissance zwischen Skopje, Belgrad und Budapest. Die ungarische Sängerin Beata Palya singt sefardische Lieder, aber fügt ihnen teilweise eigene Texte hinzu. Romagesänge, indische und persische Musik, französische Chansons oder Lieder einer Jony Mitchell nennt Beáta Palya als Inspirationsquellen. Beata Beáta hat ungarische, jüdische und Roma-Vorfahren und ist eine der wandlungsfähigsten Sängerinnen Ungarns. Ihr Programm entwickelte Beáta Palya gemeinsam mit dem Sephardic Trio.

Arabische Laute, Jazzgeige und Roma-Klarinette

Shira U'tfila
Shira U'tfila aus Belgrad

Aus Belgrad kommt das Ensemble Shira U'tfila, ihr Sänger ist ein junger Kantor und Theaterregisseur. Die Zither Kanun erklingt bei Shira U'tfila neben indischer Perkussion, eine arabische Oud neben einer balkanisch gefärbten Jazzgeige und einer Roma-Klarinette. In Sarajevo, Prishtina oder Belgrad gab es seit osmanischer Zeit immer kleinere Gemeinden aus Spanien und Portugal vertriebener Juden. Hier konnten sie in Frieden leben, bis im Zweiten Weltkrieg bulgarische und deutsche Truppen mit Deportationen in die Todeslager begannen. In solch einem Lager wurde Drita Tutunović geboren. Die Sprachwissenschaftlerin aus Belgrad hat mehrere Lieder zum Repertoire von Shira U'tfila beigesteuert.

Auf den Spuren sefardischer Lieder quer über den Balkan

Elena Hristova - Portrait
Elena Hristova, die Sängerin von BAKLAVA aus Skopje

Das dritte Ensemble, BAKLAVA, kommt aus Skopje, der mazedonischen Hauptstadt, und stand mit seiner Sängerin Elena Hristova im Juni 2012 auf der Bühne des renommierten spanischen Festivals Musica Sefardi Cordoba. Das aktuelle Album "Me mankas mucho" (I miss you so much) folgt den Spuren sefardischer Lieder über den Balkan und mischt dabei verschiedene musikalische Stile und Balkansprachen. In diesem Sommer hatte der Spielfilm "The Third Half" von Darko Mitrevski Premiere, in dem die Musik von BAKLAVA eine Hauptrolle spielt.

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2013, 10:22 Uhr

CD-Tipps:

Beata Palya Sefardic Trio: "Ezeregy szefárd ejszaka" (Sony Ungarn)

Shira U’tfila: "Sephardic Songs From The Balkans” (Orange World Records)

BAKLAVA: "Me mankas mucho" (Kalan Müzik)

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