Musik & Bühne

Konzert | MDR FIGARO | 08.10.2012 | 20:05 Uhr : Leipziger Jazztage: Jimi Hendrix auf dem Stradivari-Cello

Zwei Große der improvisierten Musik standen im Zentrum der 36. Leipziger Jazztage: Gitarren-Guru Jimi Hendrix und Gil Evans, der Erfinder des Cool Jazz. Der eine wäre in diesem Jahr 70 geworden, der andere 100. Zu den Stargästen zählten der Saxofonist Lee Konitz, der Pianist Leszek Możdżer, der Cellist Jan Vogler und die Songwriterin Sophie Hunger. MDR FIGARO sendet Konzertmitschnitte aus der Oper Leipzig, präsentiert von Bert Noglik.

WDR Big Band

Das Festival-Motto "Cool Experience" war als Hommage an Jimi Hendrix und Gil Evans zu verstehen. Beide planten 1970 ein gemeinsames Bigband-Projekt, das durch Hendrix' frühen Tod nicht mehr zustande kam. Im Auftrag der Jazztage versuchte der Berliner Komponist und Bandleader Nicolai Thärichen das mit seinem Tentett im Leipziger Opernhaus nachzuholen. "Thärichen's Hendrixperience Orchestra" brachte ein rein akustisches Programm ganz ohne E-Gitarre, dafür aber mit der stimmgewaltigen Anna Maria Scholz alias Annamateur als Frontfrau.

Hendrix klassisch mit Jan Vogler

Jan Vogler
Jan Vogler

Bekennender Jimi-Hendrix-Verehrer ist auch Jan Vogler. Der weltweit gefragte klassische Violoncello-Solist und Dresdner Musikfestspiel-Intendant kennt keine Berührungsängste gegenüber anderen Musikgenres. Am selben Abend wie Nicolai Thärichen erwies er während der Jazztage dem berühmten Rockgitarristen seine Reverenz, u. a. mit einer Bearbeitung von dessen legendärem Song "Machine Gun", gespielt auf einem Stradivari-Cello von 1707. Was verbindet Vogler mit dem 1970 gestorbenen US-Rock-Gitarristen?

"Ich hatte sein Konterfei in der DDR als Teenager groß auf meine Jeansjacke genäht. Warum? Ich fand ihn sehr cool, sehr authentisch. Vor kurzem habe ich ihn dann für mein Schostakowitsch-Hendrix-Album mit dem New Yorker Orchester 'The Knights' wiederentdeckt, und habe gleich die Nähe des Stimmumfangs von E-Gitarre und Cello gesehen. Dann konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, seinen vielleicht größten Song 'Machine Gun' – auch wegen der immer modernen Botschaft – auf meinem 300 Jahre alten Cello zu spielen. Und ich habe das Gefühl, dass es auch meinem Cello viel Spaß macht ..."

Jan Vogler
Quelle: Programmheft der 36. Leipziger Jazztage

Nguyên Lê - "Musikethnologe des Jazz"

Nguyên Lê
Nguyên Lê

Dass Hendrix auch im freien Duo aus E-Gitarre und Bassklarinette funktioniert, bewiesen Helmut "Joe" Sachse und Heiner Reinhardt im intimen Ambiente des Liveclub Telegraph. Dem "elektrischen Hendrix" widmeten sich zwei Gitarristen, deren furiosem Spiel mühelos anzuhören war, dass sie ihn zu ihren Göttern zählen - der Deutsche Arne Jansen sowie Nguyên Lê, der Franzose mit vietnamesischen Wurzeln. Nguyên hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten quasi zu einem "Musikethnologen des Jazz" entwickelt. Musik aus den verschiedensten Regionen der Erde mit ihren Besonderheiten hat er erforscht und für seine Band bearbeitet – von Fernost über Indien, den Maghreb bis in die Karibik und die Vereinigten Staaten.

Bigband-Sound aus Köln, Ausnahmekünstlerin aus Bern – live im Radio

Sophie Hunger
Sophie Hunger

Der britische Pianist und Komponist John Taylor, ein früherer Mitstreiter des Cool-Jazz-Erfinders Gil Evans, widmete sich in den letzten Jahren verstärkt der Komposition für Jazzorchester. In der Oper Leipzig gastierte er gemeinsam mit der WDR Big Band aus Köln, mit der italienischen Sängerin Diana Torto und dem amerikanischen Altsaxofonisten Lee Konitz.

"Chopin des Jazz" und ausgezeichneter Nachwuchs

Leszek Możdżer & Zohar Fresco
Leszek Możdżer & Zohar Fresco

Immer schon spielt der Jazz aus dem Nachbarland Polen eine wichtige Rolle im Programm der Leipziger Jazztage. Lange stand er auf dem Wunschzettel der Verabstalter, nun hat es endlich geklappt: der Pianist und Komponist Leszek Możdżer, in seiner Heimat als "Chopin des Jazz" gefeiert, gastierte in Leipzig gemeinsam mit dem orientalischen Trommelzauberer Zohar Fresco, der in Israel in einer türkischstämmigen Familie aufgewachsen ist.

Erstmals war die Vergabe des Leipziger Jazznachwuchspreises der Marion-Ermer-Stiftung ins Festival integriert. Preisträger war das Trio von Johannes Bigge. Der 23-jährige Musiker studiert an der hiesigen Hochschule für Musik und Theater Jazzpiano bei Professor Richard "Richie" Beirach aus New York. Er überzeugte die Jury als souveräner und einfallsreicher Improvisator sowie als Jazzmusiker mit eigenständigen kompositorischen Ideen. 

Zuletzt aktualisiert: 05. Oktober 2012, 17:26 Uhr

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