MDR FIGARO | 27.01.2012 | 22:00 Uhr : Lachen, Tod und Teufel
Zur Erinnerung an Willy Rosen und Alfred Nathan
"Kommen Sie mit? Oder muss ich mitkommen?" Diese Pointe des Kabarettisten Werner Finck zur nationalsozialistischen Zensur ist legendär, entlarvte die mitschreibenden Gestapo-Leute in seinen Programmen. Doch in Wirklichkeit ging es um Leben und Tod. Den Nazis ging es nicht nur um die Zensur von Kunst, sondern auch um die Abstammung der Künstler. MDR FIGARO erinnert anlässlich des Holocaust-Gedenktages an zwei große Künstler der kleinen Bühne, die noch im KZ aufgetreten sind, dort um Leben und Tod gespielt haben: Willy Rosen und Alfred Nathan, bekannt geworden unter dem Künstlernamen Peter Pan.
Willy Rosen - ein Star im KZ
Der 1894 in Magdeburg geborene Willy Julius Rosenbaum war in den 20er- und beginnenden 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts ein Megastar der Unterhaltung in Deutschland. Er trat als Kabarettist auf, schrieb eigene musikalische Lustspiele und begleitete Stummfilme auf dem Klavier. Auch im Radio war er zu hören, textete für den aufkommenden Tonfilm und spielte Nebenrollen in Filmen. "Text und Musik von mir" lautete sein Motto und Markenzeichen. Sein Ruhm rettete den Künstler jüdischer Abstammung jedoch nicht vor dem KZ. Die Nazis verboten ihm bei ihrer Machtübernahme alle Auftritte.
Willy Rosen, wie er sich seit 1931 auch offiziell nannte, emigrierte 1937 in die Niederlande. Nach der Besetzung durch die Wehrmacht 1942 gelang Rosen nicht mehr die Flucht. Im Lager Westerbork dichtete, komponierte und spielte er buchstäblich um sein Leben, wurde jedoch erst nach Theresienstadt und dann nach Auschwitz deportiert und dort im Oktober 1944 vergast. Seine Geburtsstadt Magdeburg benannte 2006 eine Straße nach ihm.
Alfred Nathan konnte über "Gesänge hinter Stacheldraht" berichten
Alfred Nathan, bekannt als Peter Pan, war den Nazis zu links. Der Berliner, geboren 1909, flüchtete 1933 nach Paris, schlug sich mit verschiedenen Jobs durch und schrieb für Exil-Kabaretts. 1939 wurde er während eines Auftritts von der französischen Polizei verhaftet und interniert. Drei Jahre später gelang ihm die Flucht. Danach konnte er nach Barcelona entkommen. Nach Deutschland kam der Künstler erst 1957 zurück. Nach einem Jahr in München siedelte er in die DDR über und machte die Erfahrungen im Lager zum Gegenstand seines neuen Soloprogramms. Seine "Gesänge hinter Stacheldraht" erschienen 1962 auch als Buch mit dem Titel "Lachen, Tod und Teufel". Seine letzten Jahre verbrachte Peter Pan in Bernburg. Er starb 1976 in Portenschmiede im Thüringer Wald während eines Sommerurlaubs.
