Musik & Bühne

Lachmesse 2012 | MDR FIGARO : Am Lachen hängt es nicht

Mit der Verleihung des Leipziger Löwenzahns an Pigor & Eichhorn startete das Festival. Wer sich über das Kleinkunstgeschehen im deutschsprachigen Raum einen Überblick verschaffen will, ist in der Zeit vom 11. bis 21. Oktober in Leipzig am richtigen Ort. Harald Pfeifer versucht wie in jedem Jahr, den Ratlosen Rat zu geben.

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Immer schon und immer wieder fragt man sich, was hinter dem Begriff "Lachmesse" steckt. Freilich brauchte die große Überschrift "Europäisches Humor- und Satirefestival" eine Kurzform. Und Lachmesse ist da gar nicht so schlecht. Nur hängt bei Humor und Satire am Lachen nicht alles. Beides geht weit darüber hinaus. Das zeigt das Leipziger Kleinkunstfestival in diesem Jahr sehr anschaulich.

Rein statistisch betrachtet besteht die 22. Lachmesse in Leipzig aus knapp 98 Veranstaltungen mit rund 162 Künstlern aus acht Ländern. Auf dem Programm stehen Kabarett, Comedy, Clownerie, Musik wie Jux und Dollerei. Genres, die ein recht unterschiedliches Lachen provozieren. So ist eben die Kleinkunst, die vom Jahrmarktsspaß bis zur Philosophie reicht. In diesem Jahr also vom Parkbankduo oder Zärtlichkeiten mit Freunden über Luise Kienseher, die Herkuleskeule wie die Magdeburger Kugelblitze oder Holger Paetz bis hin zu Jango Edwards, Gerhard Polt oder Andreas Thiel.

In Leipzig goldrichtig

Bei der Lachmesse gerät man bei Aufzählungen immer gleich in den Ruf, ungerecht zu sein. Deshalb sei ausdrücklich auf die Internetpräsenz des Festivals verwiesen. Dort ist das gesamte Programm nachzulesen. Bemerkt soll an dieser Stelle werden, dass in dieser Sendung vor allem die von Fern angereisten Gäste den Vortritt haben. Ganz einfach, weil die Kabaretts aus dem Sendegebiet eher mal in Leipzig zu sehen sind.

Wenn es um die Frage geht, was vor allem der Gewinn für die Besucher der Lachmesse in Leipzig ist, muss man sagen, jeder, der sich über die aktuellen Trends oder neusten Erscheinungen auf der kleinen Bühne informieren will, ist in Leipzig goldrichtig. Das liegt an dem bewährten Konzept, aktuelle Programme vorzustellen und bei der Auswahl der Spielarten einfach großherzig zu sein.

Puristisches und Populäres

Man kann in Leipzig den verstiegenen Puristen erleben wie die populäre Ulknudel. Im Mittelpunkt steht seit den Anfangsjahren aber das politische Kabarett. Wo bei sich das in den vergangenen reichlichen zwanzig Jahren spürbar verändert hat. Wie die Welt, in der wir leben, sind die Spielarten schneller, derber und etwas weniger gründlich geworden. Aber die Protagonisten zwischen 30 und 40 zeigen unbestritten Haltung. Man kann der Tagespolitik kaum noch ausweichen, wenn man nicht zum Träumer werden will. Reichlich ist natürlich auch die Abteilung "just for fun" in Leipzig vertreten.

Deutlich merkt man auch, dass das Humorverständnis weit auseinander geht. Als angenehm bezeichnet wurde bislang, wenn man wusste, weshalb man lacht. Das ist heute nicht mehr zwingend nötig. Schadenfreude mit mehr oder weniger Geschmack ausgeteilt reicht auch schon mal aus. Dabei ist die klassische Sahnetorte im Gesicht ist längst mehr genug. Die Comic-Welt hat sich breit gemacht. "Witsch Wumm Bumm" und "Knautsch" oder "Aua" bleiben auf der Bühne folgenlos. Es tut doch alles gar nicht weh.

Kabarettisten im Porträt bei MDR FIGARO

Journal am Nachmittag | 16.10.2012: Hannes Bender
Jahrgang 1968. Der Comedian aus dem Ruhrpott moderierte ab 1998 beim Jugendsender des Hessischen Rundfunks eine sonntägliche Radio-Comedysendung. 2004 Deutscher Comedypreis als "Bester Newcomer".

Journal am Nachmittag | 17.10.2012: Rolf Miller
Jahrgang 1967. Seine Kunstfigur grummelt in Odenwälder Mundart aus der Stammtischperspektive über die Welt. Unvollständige, abrupt endende Sätze offenbaren gedankliche Brüche und sorgen für Komik. Deutscher Kleinkunstpreis 2012.

Journal am Nachmittag | 18.10.2012: Philip Simon
Jahrgang 1976. Der gebürtige Holländer stand ab 1997 als Conférencier auf namhaften deutschen Varieté-Bühnen. Erste Solo-Show 2009. Simon verbindet Stand-up-Comedy mit politischem Kabarett. 2011 in Bonn Jurypreis des Prix Pantheon.

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