Musik & Bühne

FIGARO im Konzert | 05.12.2011 | 20:05 Uhr : "Deutschlandlieder" - Wolfgang Niedecken & WDR Bigband

Wolfgang Niedecken ist seit 1978 Kopf der Kölner Band BAP – bis heute eine der erfolgreichsten deutschen Rockbands, die sich immer wieder neu erfindet und die in der Tradition von Dylan, Stones und Kinks auch immer wieder Ohrwürmer schreibt. Hin und wieder zieht es Niedecken auf Solopfade. Sein drittes Soloalbum heißt "Niedeckenköln" und ist zusammen mit der WDR Big Band Köln eingespielt worden. FIGARO sendet einen Konzertmitschnitt.

von Stefan Maelck

BAP-Sänger Wolfgang Niedecken

Wolfgang Niedecken und die WDR Big Band Köln verdanken ihr Zusammentreffen einem Zufall – wie es oft so ist im Musikerleben. Niedecken hat sich, schon allein durch das Bewahren der Kölschen Umgangssprache, immer schon mit seiner Heimatstadt identifiziert. Mit seinem Album "Niedeckenköln" setzte er der Stadt am Rhein ein musikalisches Denkmal. Das Album klingt, als hätte sich Niedecken damit einen langersehnten Traum erfüllt. Es lag natürlich auf der Hand, dass man irgendwann zusammen live auftreten würde – das ist in der Zwischenzeit des öfteren passiert. FIGARO sendet den Mitschnitt eines denkwürdigen Konzerts. Außerdem gibt es ein Interview, dass mit Niedecken auf der Leipziger Buchmesse im März dieses Jahres geführt wurde: Niedecken ist 60 geworden und hat seine Autobiografie "Für ne Moment" vorgelegt.

Kölsch - Umgangssprache, nicht Mundart

Kölsch, so heißt nicht nur das Bier, so heißt auch die Sprache, in der Wolfgang Niedecken, Jahrgang 1951, seit 1978 seine Lieder schreibt. Auch wenn man das in Düsseldorf "Rheinisch" nennt, betont Niedecken, so heißt das im Rest der Welt "Kölsch". Er legt Wert darauf, dass es sich um eine Umgangssprache handelt, nicht um Mundart. Legendär ist ein Interview, dass ein anderer großer Sohn Kölns - Heinrich Böll - in den 1980er-Jahren mit Niedecken zu diesem Thema führte: die Sprache als Mittel der Identifikation, als Instrument des Erinnerns, die Sprache auch als musikalische Ausdrucksmöglichkeit. Seit dem ersten BAP-Album werden Übersetzungen mitgeliefert, längst haben sich auch die Kritiker daran gewöhnt, dass Niedeckens Sprache weder Manierismus noch Spinnerei ist.

Schöngeist und Rock 'n' Roller

Kein geringerer als Willy Brandt rezensierte 1986 im Wochenmagazin "Stern" das siebente BAP-Album "Ahl Männer, ahlglatt". Wim Wenders hat einen wunderbaren Film über die Geschichte der Band gedreht. Wolfgang Niedecken ist bescheiden geblieben. Er erzählt gern wie er Samstags vorm Fußball mit Wim Wenders telefoniert oder der bei den Romanen von Paul Auster ins Schwärmen gerät: Er ist Schöngeist und Rock 'n' Roller und das ist er immer geblieben, auch darauf legt er Wert. Und "Radio Pandora"? Der Titel entstammt der griechischen Mythologie: Wer hat nicht schon gehört von der berühmten Büchse der Pandora aus der Krankheit, Not, Neid und Missgunst entspringen. Natürlich ist es Niedecken, der alte Weltverbesserer, der eben jene Pandora auffordert, die Büchse einfach zuzulassen. So einfach, so schön.

Weder Englisch noch Deutsch

Auch nach fast 35 Jahren versteht man Songs, die Bob Dylan oder Neil Young unter dem Einfluss von Substanzen aufgenommen haben, immer noch besser als die Lieder einer deutschen Band namens BAP. Die singen nämlich weder in englisch noch deutscher Sprache, sondern auf Kölsch. Kölsch ist bekanntlich der Stoff, von dem man viel trinken und wenig übersetzen kann. Aber dafür gibt es ja - wie immer schon bei BAP - liebevoll gestaltete CD-Booklets, die nicht nur das Textverständnis ermöglichen, sondern immer auch tagebuchartig Hintergründe und Entstehungsgeschichte der Lieder erzählen.

"Die Einschläge kommen näher"

Auf "Radio Pandora" geht es vor allem, wen wundert es nach 33 Jahren Rock 'n' Roll, ums Älterwerden und um den Tod. "Die Einschläge kommen näher" heißt es in "Kron oder Turban", ein Lied, dass dem 2007 verstorbenen Gitarristen der Berliner Band Ideal, Frank-Jürgen "Effjot" Krüger,  gewidmet ist - in der Hoffnung, er habe seine Gitarre einfach nur gegen eine Harfe eingetauscht und könne eventuell mal bei Gott vorsprechen, um den sinnlosen Glaubenskriegen dieser Welt ein Ende zu bereiten. Inzwischen ist Niedecken selbst erkrankt und wir wünschen ihm von hier aus jode Besserung!

Zuletzt aktualisiert: 01. Dezember 2011, 16:45 Uhr

Literatur

Wolfgang Niedecken: Für ne Moment
Hoffmann und Campe 2011, 528 S.
ISBN 978-3-455-50177-3

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