CD-Empfehlungen | MDR FIGARO | 04.02.2012 | 12:05 Uhr (Wh.) : Take 5
von Grit Friedrich (Pop) und André Sittner (Klassisch)
Jeden Montag stellt Ihnen MDR FIGARO Neuerscheinungen vom Musikmarkt vor. Den fünf CD-Empfehlungen aus den Bereichen Jazz, Pop, Weltmusik und Chanson folgen fünf weitere CD-Tipps aus der klassischen Musik - zu hören montags zwischen 18:05 und 19:00 Uhr und in der Wiederholung sonnabends zwischen 12:05 und 13:00 Uhr.
Chris Isaak - "Beyond the Sun"
Die Sun Studios in Memphis, Tennessee sind legendär. B.B King, Elvis Presley und Johnny Cash nahmen dort Alben auf. All diese legendären Platten standen auch im Regal der Eltern von Chris Isaak und waren damit der Soundtrack seiner Jugend. Der Musiker und Schauspieler hat sich jetzt einen Traum erfüllt und in den Sun Studios ein Album eingespielt.
"Beyond the Sun" klingt dabei nahe an den Originalen. Experimente hört man da nicht, sondern einen akustischen Kniefall vor den Helden der Jugend. Denn der 1956 geborene Chris Isaak hat Lieder herausgesucht, die ihn durch sein Leben begleitet haben. Herausgekommen ist ein solide gespieltes, aber wenig aufregendes Tribut-Album, dass an die goldenen Jahre der Sun Studios in Memphis erinnert - und von denen es eigentlich schon genug gibt.
"Live & Let Live - Love for Japan"
Der Jazzpianist Makoto Ozone hat als Kind ein Erdbeben erlebt. wohl deshalb hatte er die Idee zu diesem Album. Alle Erlöse dieser Jazz-CD gehen an eine japanische Kulturstiftung, die die Folgen der Atomkatastrophe in Japan lindern soll. Und das mit Mitteln der Kunst und Kultur.
Klangvolle Namen wie Chick Chorea, Gary Burton oder Paquito D’ Rivera stehen darauf neben Größen der japanischen Jazzszene. Aber auch die polnische Sängerin Anna Maria Jopek ist dabei. Makoto Ozone und die Polin trafen sich im berühmten Jazz-Club "Blue Note" in Tokyo und spielten dann die CD "Road to Chopin" ein.
Es gibt auch mehrere Titel, die der Japaner gemeinsam mit Chick Corea am Piano eingespielt hat. Das neue, sehr eklektische Album bringt Kompositionen von Mozart und Gershwin, aber auch Improvisationen und eine japanische Ukulele. Es ist kein Hochglanzprodukt, sondern innig gespielte Musik, die aus tiefer Verbundenheit zwischen der internationalen Jazzszene und Musikern aus Japan erwachsen ist. Darum hat auf der Platte auch eine Variante des polnischen Volkstanzes Kujawik ihren berechtigten Platz.
Dotschy Reinhardt - "Pani Sindhu"
Label: Galileo Music Communication (Best-Nr.: GMC049)
"Pani Sindhu" ist der Sprung in eine andere Welt, in die Klangwelt des alten Nordindiens, heute Pakistan. Die Sängerin Dotschy Reinhard reist an die Wurzeln ihrer Kultur, denn die Sinti sind einst aus diesem Landstrich am Fluss Sindhu aufgebrochen. Dotschy Reinhardt erzählt Geschichten von der verlorenen Heimat aber auch Lieder aus ihrer glücklichen Kindheit im Süden Deutschlands.
Mit Pianist und Arrangeur Christian von der Goltz, Wegbegleitern wie Armando Chuh an Drums und Percussion, Alexey Wagner und Lancy Falta an der Gitarre sowie einigen exzellenten indischen Musikern hat sie bewegende neue Sinti-Musik geschaffen, die indische Rhythmen, Jazz und Gypsy-Swing verbindet. Lange Melodiebögen finden sich genauso auf dem Album wie eine indische Filmmusik aus dem Jahr 1969 oder ein Ravi-Shankar-Klassiker. "Pani Sindhu" ist aber kein Exotiktrip, sondern ehrlich wie die Vorgängeralben. Eine Platte die viel über die Musik verrät, die Dotschy Reinhard liebt oder die ihre Eltern gehört haben.
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Christina Perri - "Lovestrong"
Die junge Popsängerin Christina Perri mit italienischen Wurzeln und abgebrochenem Collegestudium hat dieses leicht wilde Charisma, zu dem Tätowierungen genauso gehören, wie verstrubbelte Haare. Sie hat zweifellos eine starke Stimme. Dass die Lieder sich am Ende alle irgendwie ähneln, liegt auch am Produzenten.
Christina Perri kann auch dunkel balladesk singen, hat Selbstbewusstsein und bietet jede Menge emotionale Angriffsfläche, denn jeder Song dreht sich um die Liebe, die nie ein gutes Ende nimmt, denn sonst würde es ja keine Platten wie "Lovestrong" geben. Das klingt lange nicht so herzzerreißend wie bei Adele oder so geheimnisvoll wie bei Lana del Rey, hat aber etwas tröstliches für liebeskummergeplagte Teenager. Reduzieren sollte man Christina Perri aber nicht auf dieses dankbare Publikum, das auch ihren Titelsong zum "Twilight" Film liebt.
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"Heart Tones - Lullabies from around the world"
Der Berliner Musiker Philipp von Rothkirch hat eine neue CD mit Schlafliedern eingespielt. Rund 25 Künstler sind dieser Einladung mit Phantasie gefolgt. Dabei entstand entspannende Musik für hektische Zeiten, aufgenommen ohne digitale Spielereien. Die einzige Vorgabe war, so zu spielen, als ob ein schlafendes Kind im Studio liegt, das nicht aufwachen darf. So ist ein sanftes Album entstanden, mit Melodien aus 13 Ländern von Haiti bis Indien. Auch Südkorea, Deutschland, Israel und Mali sind vertreten.
Kinder - und ihre manchmal auch recht müden erwachsenen Verwandten - können so zum melodischen Klang von Kora oder Balafon einschlummern oder den Tag verträumen. Die Türkin Gökce Sayan aus Berlin hat eine eigene, berückend schöne Komposition geliefert. Andere Musiker bearbeiteten traditionelles Liedgut, wie der dänische Sänger und Geiger Jørgen Dickmeiss.
